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Harald Burkart
Schwuler JU-Chef beklagt sich über zu viel queere Sichtbarkeit
Der Berliner JU-Landeschef Harald Burkart hat im Interview mit einem rechtspopulistischen Portal zu viel queere Sichtbarkeit und seinen angeblich zu queerfreundlichen Bürgermeister kritisiert.

Bei seiner Wahl zum JU-Chef zeigte sich Harald Burkart auf Social Media noch mit Regenbogenfahnen (Bild: Facebook / JU Berlin)
- 10. November 2025, 14:54h 3 Min.
Der umstrittene Landeschef der Jungen Union in Berlin, der offen schwule CDU-Politiker Harald Burkart, hat in einem gut halbstündigen Interview im Portal "Nius" in einem Rundumschlag unter anderem den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner kritisiert. Auf die queerfreundliche Politik seines Parteifreundes angesprochen, sagte der 30-Jährige: "Ich kann Ihnen selber als schwuler Mann sagen, dass ich durchaus das ein bisschen befremdlich finde, wie sehr Sexualität in Berlin oder gerade heutzutage im 21. Jahrhundert ständig in der Öffentlichkeit diskutiert wird."
Später erklärte Burkart im Interview: "Und ich weiß nicht, ob es gut ist in unserer Gesellschaft, wenn wir das Thema Sexualität einfach ständig in den Fokus rücken. Ich finde, das ist für mich was Privates." Dabei kritisierte er ausdrücklich nicht, wenn sich heterosexuelle Politiker mit ihren Ehefrauen in der Öffentlichkeit zeigen.
Auch Jurassica Parka war Thema des Interviews. Letzten Monat war bekannt geworden, dass gegen die einst sehr populäre Dragqueen wegen des Verdachts der Verbreitung und des Besitzes von kinderpornografischen Inhalten ermittelt wird und sie bereits wegen eines derartigen Delikts vorbestraft ist. Da Wegner sich wiederholt mit ihr gezeigt hatte, gab es unter anderem Rücktrittsforderungen aus der AfD, die gleichzeitig alle Dragqueens in Sippenhaft für das mutmaßliche Verbrechen nahm. Auch Burkart übernahm diese Linie und erklärte im Interview Dragqueens für eine pauschale Gefahr für Kinder, insbesondere deren Lesestunden: "Das wäre in etwa so, als wenn ich eine Pornodarstellerin in eine Kita schicken würde", behauptete er.
Burkart auch gegen Schutz queerer Menschen im Grundgesetz
Zudem kritisierte Burkart Forderungen, queere Menschen im Artikel 3 des Grundgesetzes ausdrücklich vor Diskriminierung zu schützen: "Ich nehme das als Symbolpolitik wahr", sagte der Christdemokrat. Das sei auch kein Thema, das die Gesellschaft in Berlin bewege. "Und ich finde, wir würden gut tun, die Gesellschaft wieder ein Stück weit als Ganzes zu betrachten und sie nicht in kleinere Gruppen aufzusprechen." Auch hier kritisierte er Kai Wegner, der sich für den Schutz queerer Menschen in der deutschen Verfassung eingesetzt hatte (queer.de berichtete).
Auch bei anderen Fragen gab sich Burkart äußerst konservativ – und verteidigte Bundeskanzler Friedrich Merz etwa für seine "Stadtbild"-Äußerung, indem er Ausländer*innen für ein angeblich schlechtes Stadtbild verantwortlich machte: "Wenn ich das Berliner Stadtbild anschaue, dann sehe ich einfach die Folgen von zehn Jahre illegaler Migration. Die Folgen sind spürbar." Bei diesem Thema ging er ebenfalls auf Konfrontationskurs zum Regierenden Bürgermeister: Ihn wundere es, dass Kai Wegner als Stadtchef keine Probleme im Stadtbild feststellen konnte. Wegner hatte erklärt, dass man das Stadtbild "nicht an der Nationalität festmachen" könne und Merz für seine Äußerungen kritisiert.
In dem Interview kritisierte Burkart auch pauschal den öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder "sehr linke" Organisationen der Zivilgesellschaft. Die deutsche Klimapolitik bezeichnete er als "ideologiebetriebene Politik".
Burkart wurde AfD-Mitgliedschaft vorgeworfen
Burkart war in der Jungen Union umstritten, weil er früher Mitglied der AfD gewesen sein soll, was er jedoch bestreitet (queer.de berichtete). Nach entsprechenden Medienberichten wurde bekannt, dass er sich zeitweise aus der JU-Führung zurückzieht (queer.de berichtete). Inzwischen ist er aber nach einem Rechtsstreit um seine Wahl wieder JU-Chef in der Bundeshauptstadt.
Aus der Jungen Union kamen zuletzt wiederholt aggressive Stimmen gegen queere Menschen: JU-Bundeschef Johannnes Winkel beschimpfte etwa letztes Jahr angebliche trans Frauen bei den Olympischen Spielen als "kranke Männer" (queer.de berichtete). (dk)














