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Nur noch heterosexuelles Dating
Auf Anordnung der chinesischen Regierung: Apple schmeißt schwule Dating-Apps raus
Das kommunistische Regime in China geht weiter gegen "westliche" Homosexualität vor – und findet mit dem US-Unternehmen Apple einen willigen Vollstrecker.

Apple-Chef Tim Cook hat offenbar keine Probleme mit chinesischer Zensur (Bild: Screenshot CNBC)
- 11. November 2025, 11:51h 3 Min.
- Zu Update springen: Maik Brückner fordert Engagement der Bundesregierung für queere Menschen in China (15:00h)
In China gehen die Behörden gegen beliebte Dating-Apps für Schwule vor. Wie der vom schwulen Manager Tim Cook geführte amerikanische Konzern Apple am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP bestätigte, wurden die Apps Blued und Finka auf Anweisung der Internetbehörde aus dem chinesischen App-Store entfernt. Auch auf Android-Handys waren beide Apps nicht mehr verfügbar.
Chinesischen Nutzer*innen war am Wochenende aufgefallen, dass die Vollversionen von Blued und Finka aus den App-Stores verschwunden waren. Eine Einstiegsversion von Blued stand im chinesischen App-Store von Apple zunächst allerdings noch zur Verfügung. Menschen, die die Apps bereits installiert hatten, konnten sie den Angaben zufolge zudem weiterhin nutzen.
Die Firma Newborn Town aus Hongkong, die beide Apps betreibt, gab auf Anfrage zunächst keine Stellungnahme ab. Auch die chinesische Internetbehörde war zunächst nicht zu erreichen.
Apple folgte bereits zuvor Anweisungen der chinesischen Regierung
Apple hat bereits zuvor Kompromisse mit der chinesischen Staatsmacht gemacht, um weiter in der Volksrepublik aktiv sein zu dürfen. So hat der Staat etwa über Umwege Zugriff auf private Daten, die in der iCloud gespeichert werden. Außerdem entfernte der US-Konzern auf Anordnung der Regierung andere Apps, etwa VPN-Angebote, mit der sich die staatliche Zensur umgehen lässt. Google ist unterdessen gar nicht mehr in der Volksrepublik aktiv. Den Play Store für Android-Telefone gibt es dort etwa offiziell gar nicht mehr, sondern einen App-Store, der von chinesischen Firmen kontrolliert wird.
Seit 1997 ist Homosexualität in China zwar nicht mehr strafbar. Die gleichgeschlechtliche Ehe ist aber weiterhin verboten, die Diskriminierung queerer Menschen ist immer noch weit verbreitet und queere Themen bleiben tabu. Die aktuelle Regierung unter Xi Jinping fördert eine Rückkehr zu konservativeren Werten und eine stärkere ideologische Einheit. Alles, was als "westlich" oder "liberal" wahrgenommen wird, also auch eine queere Identität, wird mit Misstrauen betrachtet und unterdrückt.
So dürfen im Fernsehen seit 2016 etwa keine homosexuelle Liebesbeziehungen gezeigt werden (queer.de berichtete). In den letzten Jahren hat die Regierung auch queere Organisationen wie das Pekinger LGBTQ-Zentrum verboten (queer.de berichtete). (AFP/dk)
Update 15:00 Uhr: Maik Brückner fordert Engagement der Bundesregierung für queere Menschen in China
Maik Brückner, der queerpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, hat die Bundesregierung aufgefordert, sich für queere Menschen in China einzusetzen: "Queeres Leben steht in China massiv unter Druck. Das Regime in Beijing tritt die Menschenrechte mit Füßen, um sein Ziel nationaler Größe und einer Vormachtstellung im imperialen Wettbewerb zu erreichen", so Brückner.
Die Kommunistische Partei Chinas habe "Angst vor dem widerständigen Charakter der queeren Emanzipationsbewegungen und wittert eine Bedrohung ihrer Macht", erklärte Brückner weiter. Das Internet eigne sich besonders zur Kontrolle und zur Repression. "Ich finde das unerträglich – die queeren Communities in China verdienen unsere volle Solidarität. Beim nächsten China-Besuch von Bundeskanzler Merz, Außenminister Wadepfuhl oder anderen Vertreter*innen der Bundesregierung sollte sich Deutschland positionieren und sich an die Seite von queeren Personen in China stellen".














