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Katholische Kirche
Bischof Oster: Queerfreundliches Kirchenpapier "nicht in meinem Namen"
Der Passauer Bischof Stefan Oster macht seine Haltung deutlich, dass queere Menschen an Schulen nicht anerkannt werden dürften. Er stellt sich damit gegen eine Stellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz.

Stefan Oster ist seit 2014 Bischof von Passau – und hat aus seiner Abneigung gegen queere Menschen nie ein Geheimnis gemacht (Bild: Bistum Passau)
- 12. November 2025, 10:02h 3 Min.
Ein Papier der Deutschen Bischofskonferenz hatte sich im Oktober dafür eingesetzt, queere Menschen an Schulen anzuerkennen (queer.de berichtete). Die von der Kommission für Erziehung und Schule der Bischofskonferenz erstellte Stellungnahme appelliert an alle Schulen, die Würde jeder Person sei unabhängig von deren sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität zu achten und zu fördern.
Das geht dem Passauer Bischof Stefan Oster aber zu weit: Der 60-Jährige stellte auf seiner Website klar, dass er das Papier nicht unterstützt: "Wenn auch auf dem Umschlag der Broschüre steht: 'Die deutschen Bischöfe', dann spricht der Text trotzdem nicht in meinem Namen."
Oster will Homosexualität und Transidentität "problematisieren"
Oster beschwerte sich, dass die Worte wie "sexuelle Identität" in dem Text nicht ausreichend erklärt oder "problematisiert" werden würden. In dem vorliegenden Papier werde angedeutet, "dass in jungen Menschen ihre sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten wie naturhaft zugrunde lägen". Dies stehe jedoch im Widerspruch zum christlichen Menschenbild.
In seiner Kritik an dem Schul-Papier der Bischofskonferenz beklagte Oster auch die Anerkennung von trans Menschen – und bemängelte etwa, dass "keine Problematisierung der Transidentität" vorkomme. "Es gibt im Text beispielsweise keine Warnung davor, zu schnell die Entwicklung hin zu einer jugendlichen Transidentität affirmativ zu unterstützen", so Oster. Er verwies darauf, dass sich "in einigen anderen Ländern um uns der Wind längst gedreht hat" und dort Behandlungen von trans Jugendlichen eingeschränkt werden würden. Dabei nannte er als eines der positiven Beispiele Großbritannien. Das Land hatte kürzlich trans Menschen den gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung entzogen, woraufhin der Europarat vor der "Gefahr von Belästigungen, Missbrauch und sogar Gewalt" gegen trans Menschen warnte (queer.de berichtete).
Ferner behauptete Oster, dass die Anerkennung von queeren Menschen zu einem "entsakramentalisierten Verständnis des Menschen" führe. Das gefährde die Grundlehren der katholischen Kirche.
Oster ist ein Wiederholungstäter
Der Passauer Bischof hatte bereits mehrfach queere Menschen pauschal als Problem dargestellt – 2015 behauptete er etwa, dass Sexualität ein "Lern- und Reifungsfeld" sei, Schwule und Lesben also eine unausgereifte Sexualität hätten (queer.de berichtete). Dabei zog er Parallelen zwischen Homosexualität mit Pädophilie. Sexualität habe ihren "genuinen Ort" ausschließlich "in der Ehe zwischen Mann und Frau".
2021 machte Oster in einer Predigt einen Rundumschlag gegen queere Menschen: Intersexualität sei etwa wie ein "Herzfehler", Transitionen könnten "nie vollständig gelingen", Homosexuelle sollten ein "Leben in Enthaltsamkeit" führen, nur "die intensive geistliche Verbindung mit Christus" sei erlaubt (queer.de berichtete). Der queere Verband LSVD kritisierte daraufhin, dass Oster "viele queere Menschen in ihrem Recht und Bedürfnis auf Akzeptanz und Freiheit" verletzt habe (queer.de berichtete).
Die Anerkennung queerer Menschen an Schulen wird innerhalb der katholischen Kirche nicht nur von Oster abgelehnt, sondern auch von anderen konservativen Bischöfen wie dem Kölner Rainer Maria Woelki: Im Sommer berichtetet etwa ein Lehrer an einer katholischen Schule des Erzbistums Köln, er sei bedrängt worden, nur weil er ein Regenbogen-Hoodie getragen hatte (queer.de berichtete). Außerdem sprach die Kirche bei der Eröffnung einer neuen Prestigeschule in Köln ein Regenbogenverbot aus, was zu Protesten von Eltern führte (queer.de berichtete). (dk)













