https://queer.de/?55796
Synode in Dresden
EKD distanziert sich von ihrer eigenen queerfeindlichen Orientierungshilfe
Bis heute berufen sich viele in der evangelischen Kirche in Deutschland auf eine Orientierungshilfe, in der die "Heilung" von Homosexuellen propagiert wird. Jetzt stellt die EKD-Synode klar: Das Papier ist Nonsens.

Der Beschluss wurde angenommen: Statt auf "Homo-Heilung" zu setzen propagiert die evangelische Kirche in Deutschland jetzt, dass die Menschenrechte auch für LGBTI gelten (Bild: Screenshot EKD)
- 13. November 2025, 13:39h 3 Min.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat am Mittwoch bei ihrer Synode in Dresden den Antrag "Gleichberechtigung queerer Menschen" beschlossen. Darin distanziert sie sich von ihrer eigenen Orientierungshilfe "Mit Spannungen leben" aus dem Jahr 1996.
Zwar galt "Mit Spannungen leben" vor rund 30 Jahren als relativ fortschrittlich. Statt sexuell aktive Homosexuelle pauschal zu verteufeln, wurde darin eine ethisch verantwortliche Gestaltung homosexueller Beziehungen gefordert. Gleichzeitig heißt es darin aber auch, dass gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften dem Willen Gottes widersprächen und dass nur Heterosexuelle es verdienten, eine Ehe zu schließen.
Kirche propagierte in den Neunzigerjahren "Homo-Heilung"
Zudem propagierte das Papier die "Heilung" von Homosexualität: "Homosexuelle Prägung", heißt es darin, sei durch Therapie und Seelsorge korrigierbar. Queerfeindliche Kräfte in der evangelischen Kirche, etwa der Bremer Pastor Olaf Latzel, berufen sich bis heute auf das Papier, um die angebliche Minderwertigkeit queerer Menschen theologisch zu rechtfertigen. Bereits in den letzten Jahren hatte die evangelische Kirche aber in Stellungnahmen Teile des Papiers kritisiert und betont, dass Homosexualität keine Krankheit und keine Sünde sei.
Gegenwärtig ist die "Heilung" von Homosexuellen in Deutschland nicht nur verpönt, sondern teilweise auch gesetzlich verboten (queer.de berichtete). Auch die EU-Kommission will gegen die barbarische Praxis vorgehen (queer.de berichtete). Der Weltärztebund hat wiederholt erklärt, dass "Heilungen" aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gefährlich seien und Menschen in die Depression oder gar den Suizid treiben würden (queer.de berichtete).
Evangelische Kirche lehnt jetzt "jede Form der Diskriminierung" queerer Menschen ab
In dem nun gefassten Beschluss erklärt die Kirche: "Die EKD bekennt sich zur universellen Geltung der Menschenrechte und lehnt jede Form der Diskriminierung aufgrund einer geschlechtlichen Orientierung oder Identität ab." Die Orientierungshilfe "Mit Spannungen leben" entspreche "nicht dieser Grundüberzeugung", heißt es weiter. "Deswegen bittet die Synode den Rat dafür Sorge zu tragen, dass dieser Text (analog und digital) nicht mehr als Orientierungshilfe zur Verfügung gestellt wird."
Die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) begrüßte den Beschluss der EKD-Synode. Der Verein bot der Kirche auch Hilfe bei der "Erarbeitung eines zeitgemäßen Papiers zur Verbindung unterschiedlicher Lebensentwürfe und Identitäten im gemeinsamen Glauben" an.
Die EKD zählt heute zu den queerfreundlichsten evangelischen Kirchen in Europa. Laut der Studie "Rainbow Index of Churches in Europe" ist unter den großen protestantischen Kirchen nur die Schwedische Kirche, die ehemalige Staatskirche des skandinavischen Landes, noch queerfreundlicher (queer.de berichtete). Trotzdem sind Teile der Kirche bis heute extrem queerfeindlich: Die württembergische Landeskirche hielt etwa bei ihrem Treffen letzten Monat am Verbot gleichgeschlechtlicher Trauungen fest (queer.de berichtete).
Regenbogenfahnen offiziell erlaubt: Flaggengesetz geändert
Die EKD hat am Mittwoch auch ein neues Flaggengesetz beschlossen, mit dem nun auch die Regenbogenfahne offiziell an Kirchen hängen darf. Bislang durfte laut einer Regelung aus dem Jahr 1947 offiziell nur die Kirchenfahne, ein violettes Kreuz auf weißem Grund, gehisst werden. Dies wurde jedoch seit Jahren nicht mehr beachtet – nicht nur durch die Regenbogenfahne, sondern etwa auch durch andere Fahnen beispielsweise bei ökumenischen Gottesdiensten oder Kirchentagen.
Ursprünglich war die schlichte Abschaffung der alten Regelung im Gespräch (queer.de berichtete). Nun heißt es aber in einem neuen "Kirchengesetz über die Verwendung von Fahnen, Flaggen und ähnlichen Kennzeichen": "Die Verwendung von Fahnen, Flaggen und ähnlichen Kennzeichen durch die evangelische Kirche dient der Darstellung der Kirche in der Öffentlichkeit. Sie darf dem Auftrag der Kirche nicht widersprechen." Die EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs hatte bereits zur Eröffnung der Synode am Sonntag erklärt, dass die Regenbogenfahne als Symbol der Vielfalt dem "kirchlichen Selbstverständnis" entspreche. (dk)















