Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?55802

Jetzt bei Apple TV

Die letzten Monate des queeren Spoken-Word-Stars Andrea Gibson

Kann eine Doku über eine unheilbare Krebserkrankung lebensbejahend und fröhlich sein? Ja, beweist "Come See Me in the Good Light". Der Film begleitet Lyrik-Größe Andrea Gibson und Partnerin Megan Falley beim Kampf um jede gemeinsame Sekunde.


Andrea Gibson (l.) und Megan Falley in "Come See Me in the Good Light" (Bild: Apple TV)

Zwei Jahre: Das ist die Lebenserwartung, die Andrea Gibson noch haben soll, als man im August 2021 Eierstockkrebs bei them diagnostiziert. Ein Schock. Zwei Jahre, was für eine kurze Zeit, denkt they da. Wie lange zwei Jahre sein können, merkt they dagegen später. Schon eine Minute, eine Sekunde die Partnerin Megan ansehen zu können, sei eine lange – und schöne – Zeit.

They ist eine echte Größe der US-amerikanischen Spoken-Word-Welt, hat Auftritte im ganzen Land. Die Texte des genderqueeren Stars über Geschlechtsidentität, queere Themen und soziale Gerechtigkeit begeistern Fans weltweit.

- w -

Eine queere Wahlfamilie aus Ex-Freundinnen


Poster zum Film: "Come See Me in the Good Light" kann seit 14. November 2025 auf Apple TV gestreamt werden

Doch die Krebsdiagnose und die Chemotherapien zwingen Andrea dazu, zu Hause zu bleiben. Ein turbulentes Leben wird plötzlich ruhig. Immer an der Seite: Ehefrau Megan Falley, ebenfalls Schriftstellerin und Poetin. Die beiden haben sich bei einer Lyrik-Veranstaltung kennengelernt, aus Freund*­innen wurden Partner*­innen.

Die Dokumentation "Come See Me in the Good Light" erzählt die Liebesgeschichte des Paares und begleitet es in seinem mittlerweile überschaubaren Alltag: Sie fahren zu Untersuchungen ins Krankenhaus, sie müssen den Briefkasten immer wieder reparieren, Megan liest Andrea ihr neues Buch vor, sie treffen Freundinnen – die fast alle mal mit Andrea zusammen waren und heute eine queere Wahlfamilie bilden. Immer wieder gibt es auch Rückblicke: Andrea ist konservativ in Maine aufgewachsen, haderte mit der eigenen Geschlechts­identität und fand Halt im Poetry Slam.

Keine sterilen Gänge, kaum medizinisches Vokabular

In mehreren Szenen trägt Andrea eigene Texte vor. Die Gedichte sind stark, präzise und ehrlich. Die Sprache ist poetisch, aber verständlich, oft mit einem Twist. Die Dokumentation würdigt nicht nur die Person Andrea Gibson, sondern auch their Werk – und verdeutlicht die Kraft, die davon ausgeht, auch für alle, die Andrea vorher nicht kannten.

Auch sonst unterscheidet sich die Dokumentation des schwulen Regisseurs Ryan White von anderen Filmen über Krebs: Es gibt keine quälenden Krankenhausaufenthalte, keine sterilen weißen Gänge, wenig Gespräche mit Ärzt*­innen, kaum medizinisches Vokabular. Auch Fragen zur Finanzierung der teuren Behandlungen in einem Land ohne einheitliches Krankenversicherungssystem spielen keine Rolle.

Andrea verliert das Lachen nicht

Klar ist stattdessen: Andrea ist unheilbar an Krebs erkrankt. Wie lange they noch leben wird, ist unklar. Aber: They macht das Beste daraus, they kämpft, they will noch mindestens einmal auf die Bühne. Und they kann eine positive Perspektive aufs Leben finden – und verliert das Lachen nicht, das breit und ansteckend und fast immer da ist. "Come See Me in the Good Light" ist natürlich bewegend, der Film rührt zu Tränen, aber er bringt auch zum Lächeln.

Das liegt vor allem an der Beziehung von Andrea und Megan, die so voller bedingungsloser Liebe ist. Dabei wollte Andrea sich nach der Diagnose eigentlich von Megan trennen, weil they ihr das nicht aufbürden wollte. Die beiden lassen es zu, dass Regisseur Ryan White ihnen besonders nahe kommt – in Momenten größter Intimität. Sie erzählen, mal einander, aber auch getrennt, wie sie die Situation erleben, was sie sich wünschen, wovor sie Angst haben.

Die Queer-Kollekte
Die queere Community braucht eine starke journalistische Stimme – gerade jetzt! Leiste deinen Beitrag, um die Arbeit von queer.de abzusichern.
Jetzt unterstützen!

Eine fröhliche Doku ohne sentimentalen Kitsch

Ihre Kraft und Ausdauer sind bewundernswert. Doch nicht nur das: Sie machen Witze und sind albern – der Humor hilft ihnen, mit der Situation klarzukommen. Das macht "Come See Me in the Good Light" bei aller unausweichlichen Traurigkeit zu einem außergewöhnlich fröhlichen und lebensbejahenden Film, ganz ohne sentimentalen Trauerkitsch. Irritierend ist lediglich, dass Andrea in den deutschen Untertiteln im Trailer misgendert wird.

Entgegen aller Prognosen erlebte Andrea Gibson die Weltpremiere der Doku in Sundance im Januar dieses Jahres. Dort gewann die Doku den Publikumspreis. Andrea Gibson starb am 14. Juli 2025, knapp einem Monat vor dem 50. Geburtstag.

Info zum Film

Come See Me in the Good Light. Dokumentarfilm. USA 2025. Regie: Ryan White. Mitwirkende: Andrea Gibson, Megan Falley. Laufzeit: 104 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). Ab 14. November 2025 bei Apple TV
-w-