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CDU-Skandal

Queer­feindliche Entgleisung in WhatsApp-Gruppe der CDU Potsdam

Der Potsdamer CDU-Funktionär Jan Jacobi kommentierte die Segnung von vier schwulen Männern mit den Worten "Es gab Zeiten, da hatten sie so viel Respekt und hätten sich selbst angezündet". Homophobie-Vorwürfe weist er als "absurd" zurück.


Jan Jacobi ist u.a. Stadtverbandsvorsitzender der CDU Stern-Drewitz-Kirchsteigfeld in Potsdam (Bild: CDA)
  • Von Sebastian Jung
    15. November 2025, 08:14h 3 Min.

Schwere Entgleisung eines CDU-Funktionärs: Jan Jacobi,
Stadtverbandsvorsitzender der CDU Stern-Drewitz-Kirchsteigfeld in Potsdam, kommentierte einen "Bild"-Bericht über die Segnung von vier schwulen Männern durch die evangelische Pfarrerin Lena Müller in Berlin mit den Worten "Es gab Zeiten, da hatten sie so viel Respekt und hätten sich selbst angezündet." Der Kommentar fiel in einer parteieigenen WhatsApp-Gruppe.

Öffentlich gemacht wurde die Entgleisung von dem Juristen und langjährigen Christdemokraten Ulrich Magerl in diversen Beiträgen auf Facebook und X. Auf seine Nachfrage hin, ob diese Äußerung den Werten der CDU entspräche, sei er verhöhnt und aus der WhatsApp-Gruppe geworfen worden. Magerl erklärte deshalb seinen Austritt aus der Partei. "Diese menschenverachtenden, homophoben Äußerungen meines ehemaligen 'Parteifreundes' trage ich nicht mit", schrieb er auf Facebook. "Ich möchte nicht Mitglied einer Partei sein, deren Gesicht u.a. durch solche Äußerungen von Führungspersonen innerhalb der CDU geprägt wird."

/ UMagerl
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Jacobis Verweis auf frühere Selbsttötungen aus "Respekt" sorgten bei vielen Kommentator*innen für Entsetzen. Zuletzt hatte sich 2021 eine trans Frau auf dem Berliner Alexanderplatz verbrannt (queer.de berichtete). Queere Menschen sind im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich häufiger von Suizidgedanken und -versuchen betroffen. Der aktuelle Kenntnisstand der Forschung sieht die Ursache dafür vor allem in gesellschaftlicher Diskriminierung, Ablehnung durch das soziale Umfeld sowie in internalisierter Homo- oder Transfeindlichkeit. Schutzfaktoren wie Akzeptanz, soziale Unterstützung und Zugang zu Gesundheitsversorgung können das Suizidrisiko erheblich senken.

Jacobi spricht von "sarkastischer Bemerkung"

Gegenüber dem "Tagesspiegel" (Bezahlartikel) räumte Jacobi seine Wortwahl ein, will sie aber als "sarkastische Bemerkung" verstanden wissen, die er aus großer Verärgerung geschrieben habe. Sein Kommentar habe sich auch nicht gegen die vier sich liebenden schwulen Männer gerichtet, behauptete er. Seine Empörung treffe die Pastorin, "die nicht nur strafrechtlich relevante Polygamie propagiert [...] und damit die Werte der Kirche mit Füßen tritt".

Gleichwohl sei die Bemerkung nicht angebracht gewesen, räumte Jacobi gegenüber dem "Tagesspiegel" ein. Eine Entschuldigung kam ihm allerdings nicht über die Lippen. Stattdessen erklärte er: "Mir Homophobie vorzuwerfen, ist absurd." Um "Missverständnissen vorzubeugen" habe er seinen WhatsApp-Kommentar zudem gelöscht.

Am rechten Rand der Union

Jan Jacobi ist kein unbeschriebenes Blatt in der Potsdamer Union, mit queerfeindlicher Hetze war er bisher aber noch nicht aufgefallen. Er ist auch Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Potsdam und war 2020 für wenige Monate als Geschäftsführer der CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung beschäftigt. Scheinbar führten interne Querelen und Animositäten mit der Fraktion zu seiner frühen Entlassung.

Auf Jacobis X-Account werden vorwiegend Inhalte von "Bild" und "Nius" geteilt – selbst gegen Amtsträger*innen der eigenen Partei teilt er oft wortreich aus, sobald diese sich zur sogenannten Brandmauer bekennen oder in kulturkämpferischen Debatten gemäßigt bis liberal geben. Er ist darüber hinaus Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten Saskia Ludwig, die dem rechten Rand der CDU zugerechnet wird. Ludwig sprach sich in der jüngeren Vergangenheit offen für eine Koalition der Christdemokraten mit der rechtsextremen AfD aus, ihre ablehnende Haltung zur Brandmauer und viele Annäherungsversuche an rechtspopulistische bis -radikale Institutionen (etwa an das von Viktor Orbán protegierte Mathias Corvinus Collegium in Budapest) haben sie in der Partei aber zusehends isoliert.

-w-