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Interessenvertretung und Safe Space

Queere Sexarbeiter*­innen sind sprechfähig und gesprächsbereit!

Das Berliner Projekt Trans*Sexworks feiert seinen zehnten Geburtstag – eine Erfolgsgeschichte mit Hindernissen und leider auch Rückschlägen. Heute ist es wichtiger denn je.


"Sex work is work – being a landlord isn't!": Mitglieder von Trans*Sexworks Berlin bei einer Demo gegen Gentrifizierung zu Coronazeiten (Bild: Caspar Tate)

Zehn Jahre Trans*Sexworks in Berlin. Angefangen hat es 2015 mit dem thematisch breit gefächerten Projekt Trans*Visible, angedockt an den Berliner Verein TransInterQueer. Die Finanzierung kam aus dem Förderprogramm "Demokratie leben" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und lief über fünf Jahre.

Damals war der Community klar geworden, wenn wir über Sexarbeit sprechen, dann gibt es mit Blick auf trans sehr spezifische Fragen und Bedarfe, und es müssen die Sexarbeitenden selbst sprechen und bei dem Thema in der ersten Reihe sitzen. Genau dies in die Debatte um die Verbesserung und den Schutz der Arbeitsbedingungen von Sexarbeitenden einzubringen, war das Ziel des Projekts.

Sichtbare und starke Interessenvertretung

Und es war ebenso klar, dass das Ende der Finanzierung nicht das Ende des Projekts sein konnte. Es braucht eine sichtbare und starke Interessenvertretung in der Stadt und über sie hinaus. Denn die Probleme sind keineswegs weniger geworden. Im Gegenteil, die von Teilen der Politik geführte Diskussion um ein Sexkaufverbot – Stichwort "Nordisches Modell" – lässt die Alarmglocken schon länger schrillen.

Mittlerweile ist die Gruppe Trans*Sexworks als ein Netzwerk von und für Peers bei der Organisation Berlin Collective Action angedockt, die während der Corona-Zeit als Unterstützung gegründet wurde vor allem für queere Menschen und für Menschen, die ihren Arbeitsplatz in der Nacht haben und denen eine soziale Absicherung fehlt. Inzwischen ist die Gruppe, wie zu hören war, auf dem Weg zur Vereinsgründung, um künftig unabhängig arbeiten zu können. Das steht derzeit ganz oben auf der To-Do-Liste und soll 2026 endlich Wirklichkeit werden.

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Einen sicherer Ort für Sexarbeitende schaffen

Zehn Jahre Trans*Sexworks Berlin – das ist eine Erfolgsgeschichte mit Hindernissen und leider auch Rückschlägen. Auf jeden Fall sind die zehn Jahre ein Grund zu feiern – und das hat die Gruppe vor wenigen Tagen mit einer Party in der Kreuzberger Marmorbar getan. Eigentlich sollte die Party im SchwuZ stattfinden, aber dieser Ort ist – welch ein Jammer! – nach fast 50 Jahren seines Bestehens nur noch eine traurige Erinnerung.

Aber wir brauchen queere Orte. Wir brauchen sie als Safe Spaces, ebenso als Orte der Repräsentation und schließlich als Orte der Selbstfeier. Deshalb steht auf der To-Do-Liste von Trans*Sexworks Berlin genau das: Ein sicherer Ort für Sexarbeitende als Rückzugsbasis und Beratungsort, und zwar dort, wo die Menschen arbeiten. So sollte im Froben-Kiez (im Berliner Bezirk Schöneberg gelegen) ein Nacht-Café entstehen. Doch die Verhandlungen wurden von der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag am Ende mit einer fadenscheinigen Begründung abgebrochen. Das ist ärgerlich, aber Trans*Sexworks wollte die Idee verständlicherweise nicht aufgeben. Derzeit befinde man sich in Verhandlungen mit einem anderen Eigentümer, hieß es von Caspar Tate, einem Vertreter der Gruppe.


Infostand von Trans*Sexworks Berlin (Bild: Caspar Tate)

Fortbildung und politische Lobbyarbeit

Zu den positiven Erfahrungen der letzten Jahre zählt die erfreuliche Spendenbereitschaft. Auch Soli-Partys waren und sind eine willkommene Gelegenheit zur Finanzierung der enorm wichtigen Arbeit und natürlich auch eine gute Gelegenheit, überhaupt die Arbeit der Gruppe öffentlich zu machen. Mit der Vereinsgründung verbindet sich die Einsicht, professioneller zu werden inklusive der Idee zu einem eigenen Merchandising. Ebenso wichtig ist hier die Fort- und Weiterbildung der ehrenamtlich tätigen Menschen. Gerade mit Blick auf Hass und Gewalt gegen trans Menschen, ist es absolut lebenswichtig, Strategien zu entwickeln, wie mit trans Feindlichkeit umzugehen sei.

Und dass inzwischen politische Lobbyarbeit neben all den praktischen Alltagsgeschichten (Versorgung mit Verhütungsmitteln, Tests und Hygieneartikeln) zu einer wichtigen Betätigung geworden ist, hat sich spätestens seit der Stellungnahme vom September letzten Jahres herumgesprochen. Darin ging es um den Antrag der CDU/CSU mit dem Titel "Menschenunwürdige Zustände in der Prostitution beenden – Sexkauf bestrafen".

Es geht um sexuelle Selbstbestimmung

Sexarbeit ist keine Sache der Moral und Kriminalisierung, sondern es geht um die Schaffung fairer und sicherer Arbeitsbedingungen. Dass nur über Sexarbeitende gesprochen wird, muss in der Politik aufhören. Es muss mit ihnen direkt gesprochen werden, denn es geht um ihre Existenz. Vor allem ist Trans*Sexworks in eigener Sache sprechfähig und gesprächsbereit. Am Ende geht es um die sexuelle Selbstbestimmung. Dazu heißt es in der Stellungnahme:

Wir brauchen mehr Rechte und keine Beschneidung unserer Rechte. Ein Sexkaufverbot verhindert nicht Sexarbeit, sondern schieb diese in die Illegalität. Wir würden uns wünschen, dass Sie mit Sexarbeiter*innen sprechen und sich für eine Verbesserung unserer Arbeits- und Lebensbedingungen einsetzen.

Widerstand gegen ein Sexkaufverbot

Aktuelle Kommentare aus der Politik, wie wir sie von Julia Klöckner, der Bundestagspräsidentin, und der Gesundheitsministerin Nina Warken zum Sexkaufverbot gehört haben, geben da leider andere Signale. Umso erfreulicher, dass sie dafür sogar in der bürgerlichen Presse kritisiert werden. In einem gestern in der Printausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erschienenen Kommentar von Anna-Lena Ripperger heißt es: "Aber gerade weil es um so wesentliche Fragen geht, ist die Art und Weise, wie die Politikerinnen die Debatte führen, nicht die richtige." Von Deutschland als dem "Puff Europas" zu sprechen, suggeriert etwas, für das es in der Wirklichkeit keinen Beleg gibt. Es gibt darüber schlicht keine Zahlen.

Was das sogenannte Nordische Modell angeht, gibt es auch Studien, die in diesem Zusammenhang Negatives beobachten, "die einen wachsenden Druck auf Prostituierte sehen, einen erschwerten Zugang zu sicheren Arbeitsorten und ein höheres Gewaltrisiko". Es gebe in dieser Debatte kein Schwarz-Weiß, so Ripperger, sondern Grauzonen und über die müsse man sprechen. "Am besten auf Basis von Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen – nicht mit Narrativen, die durch die häufige Wiederholung nicht wahrer werden."

Zu ergänzen bliebe, dass Trans*Sexworks Berlin für solche Gespräche bereitsteht. In diesem Sinne: Happy Birthday und viel Erfolg für die nächsten zehn Jahre!

-w-