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Heimkino
Lesbische Privatdetektivin ermittelt bei christlicher Sex-Sekte
"Honey Don't" ist nach "Drive-Away Dolls" der zweite Teil der lesbischen B-Movie-Trilogie von Ethan Coen. Ein wilder und gewaltvoller Film, der nicht ganz fertig geworden scheint – aber dennoch unterhält.

Margaret Qualley als Honey O'Donahue in "Honey Don't" (Bild: Karen Kuehn / Focus Features)
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16. November 2025, 08:26h 4 Min.
Wenn jemand eine US-amerikanische Stadt abseits der Küsten malen müsste, sähe sie so wohl aus: Ölfördertürme, liebevoll nickende Esel genannt, die gemächlich die fossile Energie nach oben pumpen. Breite Straßen, einstöckige Gebäude mit einfachen Fassaden, die Beschriftungen nur noch halb erkennbar, gigantische Billboards, eine Autowerkstatt, flackernde Neonreklame, Kirchen, die ihre motivierenden Botschaften und Gottesdienstzeiten auf einem großen Schild verkünden. Alles irgendwie trostlos, aus der Zeit gefallen, staubtrocken, menschenfeindlich.
In genau so einer Stadt lebt Honey O'Donahue. Ein Name, viel zu glamourös für diese x-beliebige Stadt in Kalifornien. Und eine Frau, die mit ihrem roten Kleid, den immer hohen Absätzen und perfekt gewellten Haaren hier alle Blicke auf sich zieht. Wer bei den Bildern noch nicht verstanden hat, dass dies kein angenehmer Ort ist, für den*die macht der Song im Intro alles klar: "We gotta get out of this place."
Das Verlangen nach Sex liegt in der Luft

Poster zum Film: "Honey don't!" kann bei Prime Video gestreamt werden
Hier also hat die lesbische Privatermittlerin Honey O'Donahue (Margaret Qualley) ihr holzvertäfeltes Büro. Sie hat wenig zu tun, weil eine Klientin zum ersten Termin nicht auftaucht. Sie hatte einen Autounfall. Doch war das wirklich ein Unfall? Ihre Intuition trägt ihr auf, der Sache nachzugehen. In ihrem metallicblauen Cabrio beginnt sie ihre Ermittlungen.
Der trottelige Detective ist nicht besonders hilfreich. Er ist auch sowieso nur nett zu ihr, weil er ihre Handynummer haben will. Dabei hat sie ihm schon so oft gesagt, dass sie auf Frauen steht. Dessen Kollegin MG Falcone (Aubrey Plaza) ist die verlässlichere Quelle. Und dazu noch sexy. Bei ihrem Date liegen eine drängende Lust und das Verlangen nach Sex in der Luft. In der Kneipe bleiben sie deshalb auch nicht besonders lang.
Unterkomplexe Charaktere – und doch unterhaltsam
Regisseur Ethan Coen hat es wieder getan: Nach "Drive-Away Dolls" ist "Honey Don't" (Amazon-Affiliate-Link ) der zweite Teil einer geplanten queeren B-Mobie-Trilogie. Seine Grundkonstellation ist er dabei treu geblieben: Margaret Qualley als Hauptdarstellerin, die einen Pulp-Film trägt. Doch dieses Mal setzt er sogar noch einen drauf.
Pulp, das heißt in dem Fall: Billiger Schund, der durchgehend zu dick aufträgt, seine Effekte maßlos überzieht, auf eine tiefe Figurenzeichnung zugunsten knapper, unterkomplexer Charakterisierung verzichtet – und dabei doch unterhaltsam ist.
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Die Doppelmoral herrscht auch hier
Das liegt daran, dass Ethan Coen – der das Drehbuch gemeinsam mit seiner queeren Partnerin Tricia Cooke schreib – schon sehr genau zwischen schlecht und billig unterscheiden kann. Die Dildo-Witze sind billig, aber sie sind nicht zwingend schlecht. Die Gewalt-Szenen sind übertrieben und ergötzen sich an der rohen und unnötigen Brutalität – aber schlecht sind auch sie nicht. Vor allem der Schnitt lädt die Szenen oft mit Bedeutungen auf.
Und auch dass die Spuren die Ermittlerin Honey recht bald zu einer personenkultigen Sex-Sekte führen, hat durchaus einen gewissen Charme. Und vielleicht sogar eine politische Botschaft: Nein, verdorben sind die Metropolen an der Ost- und Westküste nicht – oder nicht nur sie. Die Doppelmoral herrscht auch hier.
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Das letzte Drittel wirkt wie ein Rohschnitt
Und doch passt bei "Honey Don't" nicht alles: Bei so mancher Nebenhandlung ahnt man doch recht schnell, welche Funktion sie schlussendlich erfüllen soll. Insgesamt ist der Film überladen und führt die vielen ausgeworfenen Fäden nur unzureichend wieder zusammen – dabei wirkt er unfertig, vor allem im letzten Drittel fast wie ein Rohschnitt. Das kann frustrieren, am Ende ratlos machen, bis hin zur Frage: Das war's jetzt?
Aber: Die Neo-Noir-Komödie hat einige gute Einfälle und traut sich was, gerade auch was die lesbische Repräsentation angeht. Der Film ist wild, völlig drüber, super stylish, alles andere als perfekt – und ziemlich sicher würde er das auch nie sein wollen.
Honey don't! Neo-Noir-Komödie. USA 2025. Regie: Ethan Coen. Cast: Margaret Qualley, Aubrey Plaza, Charlie Day, Chris Evans.Laufzeit: 89 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 16. Universal Pictures. Zum Streamen bei Prime Video
Links zum Thema:
» "Honey Don't" bei Prime Video
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» Weitere Filmkritik von Jojo Streb: "Honey Don't!" ist ein queeres Experiment (09.09.2025)
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