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- 15. September 2006 3 Min.
Berlins Regierender Bürgermeister hat beste Aussichten, in der Hauptstadt weiter zu regieren.
Von Dennis Klein
"Ist Deutschland bereit für einen schwulen Kanzler", fragt das amerikanische Online-Magazin "365gay.com" in einer Titelgeschichte - und vergleicht Klaus Wowereit gleich mit dem letztes Jahr abgetretenen Gerhard Schröder. Tatsächlich sieht es gut aus für "Wowi", zumindest in Berlin: Stimmen die Meinungsumfragen, erhält seine SPD bei den Abgeordnetenhauswahlen am Sonntag 33 Prozent - und damit zehn Prozent mehr als die CDU. Wowereit könnte sich dann womöglich sogar entscheiden, ob er mit der Linkspartei weiterregieren will, die ihm handzahm aus der Hand frisst und selbst soziale Einschnitte ohne Murren mitmacht - oder doch lieber auf die Grünen zugeht, was aus bundespolitischer Sicht besser wäre, da die alte PDS in großen Teilen der Republik nach wie vor als Schmuddelkinder gelten. Als einer der großen SPD-Stars trauen ihm viele sogar eine Kanzlerkandidatur 2009 zu - auch wenn er sich dazu noch bedeckt hält.
Präsidial bis hin zur Arroganz
In Berlin ist Wowereit der "Sonnenkönig" (so Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann). 64 Prozent würden bei einer Direktwahl für den Sozialdemokraten stimmen - sein Kontrahent Pflüger erhielte nur 17 Prozent. "Pflüger kämpft - und Wowereit isst erst mal eine Currywurst", beschrieb das "Hamburger Abendblatt" die Rollenverteilung vielsagend. Der sich präsidial bis zur Arroganz gebärdende Wowereit ist auch unter Schwulen sehr beliebt. Seit seinem medienwirksamen Coming-out vor der Abgeordnetenhauswahl 2001 (365gay.com: "I am gay - and that's a good thing") hat er stets die Community unterstützt - auch wenn er dafür so manches Mal Prügel einstecken musste: So warfen Union und einige Springer-Medien anlässlich des Folsom Europe dem Bürgermeister vergangenes Jahr vor, "zweifelhafte Pornofeste" und "abartige Sexualpraktiken" zu unterstützen - Wowereit hatte für die populäre Leder- und Fetischveranstaltung ein Grußwort verfasst (queer.de berichtete). In diesem Jahr grüßte er wieder: "Nach der Diskussion konnte ich gar nicht anders, als wieder ein Grußwort zu schreiben", so Wowereit. Friedbert Pflüger sagte nur kleinlaut, er würde so etwas nicht machen - aber mit Kritik hielt er sich lieber zurück, um die wichtige Homo-Wählergruppe nicht gegen sich aufzubringen.
Der Herausforderer versuchte ja, nett zu wirken. Dem Magazin "Männer Aktuell" verriet er im Exklusivinterview: "In meinem Bekanntenkreis habe ich seit eh und je Schwule", selbst einige Mitarbeiter seien schwul. Obendrein lief er noch beim CSD in Berlin mit und meinte, man solle jemanden nicht nur wählen, weil er schwul sei. Am selben Wochenende musste er sich aber die Kritik vom Homo-Verband LSVD gefallen lassen: Die Bundeswehr hatte angeordnet, dass Soldaten nicht mehr in einschlägigen Homo-Vierteln übernachten sollten (queer.de berichtete). Pflüger hatte in seiner Position als Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium zunächst über den Vorfall geschwiegen - einige Tage später sagte er, er habe von dem Vorfall nichts gewusst und lehne Diskriminierung ab (queer.de berichtete).
Einen großen Joker im Kampf um Schwule verspielte er dann auch noch: Vicky Leandros, Grande Dame des Eurovision Song Contest, wollte nicht Pflügers Kultursenatorin werden (queer.de berichtete).
Dagegen wurde Wowereit im Magazin "Men's Health" zum "bestgekleideten Business-Mann Deutschlands" gewählt - und bewies damit seine schwulen Sekundärtugenden. Ob er nach einem Wahlsieg wirklich in die Bundespolitik wechseln wird, ist indes noch unklar. Der "Tagesspiegel" spekuliert, dass er bereits nächstes Jahr Vizechef der SPD werden könnte. Viele andere Sympathieträger hat die Partei nach dem Abgang von Gerhard Schröder ohnehin nicht. Noch wird darüber diskutiert, ob ein schwuler Mann in ländlichen Gebieten eine Bundestagswahl gewinnen könnte. Wahrscheinlich ist es aber im Vergleich zur Stoiber bei den Wahlen 2002 ein kleineres Handikap: Damals hatte der Südländer die Wahl im Norden und Osten verloren - weil die einen "typischen Bayern" einfach nicht zum Kanzler haben wollten.
15. September 2006
Links zum Thema:
» Klaus Wowereit














