https://queer.de/?55842
Katholische Kirche
Auch Voderholzer und Woelki lehnen queerfreundliches Kirchendokument ab
Nach Kritik von Passaus Bischof Stefan Oster distanzieren sich auch die Bischöfe von Regensburg und Köln von einem Papier der Bischofskonferenz zu queeren Menschen in der Schule.

Rudolf Voderholzer (l.) und Rainer Maria Woelki geht das Zugehen auf queere Menschen mal wieder zu weit (Bild: Bistum Regensburg, Erzbistum Köln)
- 17. November 2025, 16:42h 3 Min.
In Teilen der deutschen katholischen Amtskirche regt sich erneut Widerstand gegen die Anerkennung queerer Menschen. Anlass ist diesmal ein im Oktober veröffentlichtes Dokument der Deutschen Bischofskonferenz zum Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt an Schulen.
Das 48-seitige Dokument (PDF) unter dem Titel "Geschaffen, erlöst, geliebt" war von der Kommission für Erziehung und Schule der DBK entwickelt worden und fordert an Schulen eine "differenzierte Wahrnehmung und Sichtbarkeit von Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit" und einen Einsatz gegen Diskriminierung und Ausgrenzung (queer.de berichtete).
Vor rund einer Woche distanzierte sich dann der Passauer Bischof Stefan Oster von dem Papier, das "nicht in meinem Namen" spreche. Der 60-Jährige kritisierte in einem langem Text auf der Webseite des Bistums etwa, dass entgegen dem christlichen Menschenbild in dem Papier angedeutet werde, "dass in jungen Menschen ihre sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten wie naturhaft zugrunde lägen". Ferner beklagte er in dem Text eine fehlende "Problematisierung der Transidentität": "vielmehr scheint der Text durchgehend einen affirmativen Grundton im Blick auf trans Jugendliche anzuschlagen, um eben das Ziel einer gesunden Identitätsfindung im Werden einer Persönlichkeit zu erreichen" (queer.de berichtete).
Voderholzer beklagt "politische Agenda"
Am Freitag veröffentlichte dann der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer die Oster-Stellungnahme in voller Länger auf der Webseite seines Bistums mit dem Hinweis, dass er sich dieser Einschätzung anschließe. Laut dem Magazin "Kirche und Leben" habe er am Rande einer Versammlung zudem kritisiert, dass das Schuldokument trotz Änderungswünschen von Kritikern fast unverändert veröffentlicht worden sei: "Es wird hier eine Agenda durchgezogen. Ich möchte nicht in 30 Jahren hören, dass die katholische Kirche auch hier wieder mitgemacht hat." Das ganze erinnere ihn an die Reformprozesse rund um den Synodalen Weg, so Voderholzer laut dem Bericht: "Ich habe nicht den Eindruck, dass aufeinander gehört und dass gemeinsam um das, was uns aufgetragen ist, gerungen wird, sondern es wird eine politische Agenda durchgezogen auf Teufel komm raus."
Ebenfalls am Freitag betonte das Erzbistum Köln auf Presseanfragen, katholische Kirche und Schulen wollten "jedem Menschen vorbehaltlos begegnen und ihn annehmen in seiner Würde und seinem einzigartigen Wert": "Jede Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Glaube oder der sexuellen Orientierung steht somit in direktem Widerspruch zu den Grundsätzen katholischer Schul- und Bildungsarbeit und wird an den Schulen in Trägerschaft des Erzbistums nicht geduldet." Zur weiteren inhaltlichen Einordnung des Dokuments "Geschaffen, erlöst, geliebt" schließe man sich der "ausführlichen Kommentierung des Bischofs von Passau" und den "bisherigen Distanzierungen" von Oster und Voderholzer an.
Gerade das Erzbistum Köln unter Rainer Maria Kardinal Woelki stand in letzter Zeit in der Kritik: So berichtete ein Lehrer im Sommer, er sei bedrängt worden, nur weil er ein Regenbogen-Hoodie getragen hatte (queer.de berichtete). Außerdem sprach die Kirche bei der Eröffnung einer neuen Prestigeschule in Köln ein Regenbogenverbot aus, was zu Protesten von Eltern führte (queer.de berichtete). Woelki, Voderholzer und Oster waren immer wieder mit erzkonservativen und queerfeindlichen Ansichten und Handlungen aufgefallen.
Voderholzers Bistum veröffentlichte 2019 ein für den Unterricht gedachtes Jugendmagazin zum Thema "Identität", in dem Homosexualität unter anderem auf vorgeburtlichen Stress zurückgeführt, ein "transsexuell-synthetisches Idol wie Michael Jackson" kritisiert oder geschlechtsanpassende Maßnahmen mit Schönheitsoperationen verglichen wurden (queer.de berichtete). Homosexualität dürfe kritisiert werden, was keine Diskriminerung sei, hatte sich Voderholzer bereits vor zehn Jahren über ein Papier der Bischofskonferenz zur "Wertschätzung eines jeden Menschen unabhängig von der sexuellen Orientierung" empört. (cw)














