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Trauer um deutsches Kult-Duo
"Wir waren oft in Schwule verliebt": Kessler-Zwillinge gestorben
Ellen und Alice Kessler sind mit 89 Jahren gemeinsam aus dem Leben geschieden. Die ESC-Teilnehmerinnen hatten ein besonders inniges Verhältnis mit schwulen Männern.

Alice und Ellen Kessler 1984 bei einem PR-Auftritt mit Rex Gildo (1936-1999) (Bild: IMAGO / Lindenthaler)
- 18. November 2025, 10:43h 4 Min.
Die als Kessler-Zwillinge international bekannten Sängerinnen und Tänzerinnen Ellen und Alice Kessler sind tot. Das Schwesternpaar starb laut Medienberichten im Alter von 89 Jahren in Grünwald bei München. Sie hatten sich für einen assistierten Suizid entschieden und sich an die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) gewandt, wie die Organisation bekannt gab.
Die Zwillinge hatten nie geheiratet und viele Schwule in ihrem Freundeskreis gehabt, wie sie in Interviews erklärt hatten. Der "Bunten" verrieten sie etwa 2011, dass sie sich immer zu feminineren Männer hingezogen gefühlt hätten. Grund sei ihr tyrannischer Vater gewesen, der ihre Mutter wie eine Sklavin behandelt habe. "Deshalb waren wir oft in Schwule verliebt", so Alice Kessler. Die Künstlerinnen, die 2012 beim Kölner CSD auftraten, wollten auch nie heiraten. "Wir wollten nicht als Hausfrauen enden", erklärte Alice.
Alice und Ellen Kessler waren international berühmte Tänzerinnen, Sängerinnen und Entertainerinnen, die vor allem in den Fünfziger- und Sechzigerjahren große Erfolge feierten. Sie waren bekannt für ihre synchronen Tanzdarbietungen, ihr attraktives Aussehen und ihre Auftritte auf den großen Showbühnen Europas und der USA.
Fred Astaire, Frank Sinatra und ESC
Ihr Leben im Scheinwerferlicht hatte die Schwestern durch die ganze Welt geführt. Ob in New York, Las Vegas, Sydney, Hongkong, Monte Carlo oder Rom: Alice und Ellen Kessler sorgten für Furore. Nicht einmal 20 Jahre alt waren die langbeinigen Blondinen, als sie im Pariser Varieté Lido ihre internationale Karriere starteten. Ihr erstes Engagement hatten die Balletttänzerinnen schon als Jugendliche in Düsseldorf, wohin die Familie der in der Nähe von Leipzig geborenen Entertainerinnen aus der DDR geflohen war.
1959 vertraten die Zwillingen Deutschland beim Eurovision Song Contest. Ihr Lied "Heute Abend wollen wir tanzen geh'n" erreichte Platz acht von elf Teilnehmenden.
In den Sechzigerjahren gingen die Kessler-Zwillinge weltweit auf Tournee, verlegten ihren Wohnsitz nach Rom und traten mit Fred Astaire, Frank Sinatra und Harry Belafonte auf. Sie hatten auch das Angebot, mit Elvis Presley in dem Film "Viva Las Vegas" aufzutreten. Doch das sagten sie ab – aus Angst, auch in Amerika auf Musikfilme festgelegt zu sein.
Als ihren wohl größten Erfolg betrachten sie das Musical "Viola violino viola d'amore", mit dem sie in Italien auf Tour waren. "Das hatte uns damals keiner zugetraut. Und dann wurde es ein Riesenerfolg", erzählte Alice Kessler. Zu der Zeit standen die beiden häufiger in Italien auf der Bühne als in Deutschland.
Die Schwestern lebten in den vergangenen Jahrzehnten gemeinsam in einem Haus im Münchner Promi-Vorort Grünwald – nur durch eine Schiebetür getrennt. So konnten sie sich jederzeit sehen – oder eben auch nicht. Alleine hätten sie es wohl nicht geschafft, über so lange Zeit auf der Bühne zu stehen, sagte Alice kurz vor dem 80. Geburtstag. "Im Doppelpack unterwegs zu sein, hat nur Vorteile. Zusammen ist man stärker."
Die beiden Tänzerinnen und Sängerinnen waren bis ins hohe Alter in der Öffentlichkeit präsent und gerne gesehene Gäste auf den roten Teppichen im Land. Noch mit 80 Jahren standen sie für das Udo-Jürgens-Musical "Ich war noch niemals in New York" auf der Bühne. Mit 86 Jahren präsentierten sie charmant und grazil ihre alten Bühnenoutfits, die sie zugunsten der Flutopfer im Ahrtal versteigerten – obwohl ihnen die Kostüme in der XS-Größe 34 noch immer gepasst hätten. Mit 88 Jahren konnten sie nach eigenen Angaben noch immer den Spagat.
Instagram | Julian F.M. Stoeckel erinnert sich an die Kessler-Zwillinge
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Nach ihrem Erfolgsgeheimnis befragt, zählte Alice Kessler einmal vier Punkte auf: "Disziplin. Jeden Tag. Dankbarkeit. Immer wieder. Demut statt Übermut. Und Zweisamkeit. Bis in den Tod." Testamentarisch haben die Zwillinge schon vor einiger Zeit verfügt, in der gleichen Urne zur ewigen Ruhe gebettet zu werden. (dpa/cw)
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