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Kinotipp

Die schwule Sauna als Ort, an dem Begehren und Ausschluss kollidieren

Ab Donnerstag im Kino: Mit seinem Spielfilmdebüt "Sauna", einer Adaption des gleichnamigen Romans von Mads Ananda Lodahl, greift der dänische Regisseur Mathias Broe hochaktuelle queere Debatten auf.


Rollige Männer, nur mit einem Handtuch bekleidet: Johan (Magnus Juhl Andersen) in "Sauna"

Wir tauchen in die schwülen Dämpfe der Schwulensauna Adonis in Kopenhagen ein. "Ja klar", entgegnet Johan etwas kopflos seinem Freund William auf die Frage, ob dort auch trans Körper willkommen seien. In den dunklen Räumen – die Kamera kämpft sichtlich mit der spärlichen Beleuchtung – suchen Männer nach anonymem Sex, nach flüchtiger homoerotischer Berührung. Doch schnell wird klar, eine Regel ist unmissverständlich: nur cis Männer. Kurz darauf wird William aus der Sauna verwiesen.

Mit seinem Spielfilmdebüt "Sauna", einer Adaption des Romans von Mads Ananda Lodahl, greift der dänische Regisseur Mathias Broe hochaktuelle Debatten auf. Verhandelt wird der Männlichkeitsbegriff innerhalb der queeren Community – und die Frage, wer dazugehört und wer ausgeschlossen wird. Subtil verhandelt der Film eine weitverbreitete Angst vor trans Kräften, die als antipatriarchal fungieren können; und einen Männlichkeitskult innerhalb schwuler Subkulturen, der trans Körper aus – vermeintlich offenen – Räumen wie der Gay-Sauna aggressiv verdrängt.

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Sinnbild einer jugendlichen Vereinsamung


Poster zum Film: "Sauna" lief in diesem Monat bereits in der Queerfilmnacht und startet am 20. November 2025 regulär im Kino

Von Johan (Magnus Juhl Andersen) erfahren wir nur Fragmente – ein schöner, zerbrechlicher Twink, der vor den Eltern nach Kopenhagen geflohen ist. Doch auch die Großstadt schenkt ihm keine Heimat: Einsamkeit durchzieht sein Leben, körperliche Nähe im Adonis hinterlässt ihn nur noch leerer. Am eindrücklichsten offenbart sich dieses Gefühl in einer Erinnerung, die er erzählt und die postwendend eine Inszenierung erhält: ein unerreichter Crush auf den besten Freund, das heimliche Masturbieren im Meer, die Fische, die sein Sperma verschlingen. Diese Szene ist mehr als ein peinlich-intimer Moment – sie wird zum Sinnbild seiner jugendlichen Vereinsamung, einer Sehnsucht, die kein Gegenüber findet und ihn selbst im Rückblick wund brennen lässt.

Interessant ist die Schwerpunktsetzung des Films: Er erzählt weniger aus der trans Perspektive, William (Nina Rask) bleibt Randfigur. Stattdessen porträtiert Broe die Reaktion des schwulen cis Mannes auf die trans struggles seines Grindr-Hookups und späteren Partners. Doch man wünschte sich stellenweise mehr Raum für William: Wie erlebt er die Zurückweisung, was geht in ihm vor? Auch die Kritik am cis male saviorism bleibt oberflächlich – Johans paternalistischer Rettungseifer wirkt zuweilen unangenehm und wird nicht ausreichend reflektiert: Warum muss er William unbedingt "retten"?

Zwei junge Menschen auf der Suche nach sich selbst

Schnell wird klar: Beide Figuren sind auf der Suche nach sich selbst. Als ihre Beziehung Risse bekommt, erkennt William zumindest, dass er erst am Anfang seiner Identitätsfindung steht. Doch auch Johan ringt um ein Selbst, das ihm entgleitet. Der Film konstruiert dabei eine doppelte Binarität: William als trans Mann mit wohlhabenden Eltern, die ihm Sicherheit geben; Johan als armer Twink ohne Rückhalt. Ein Gegensatz von ökonomischer Stabilität und geschlechtlicher Identität – zwei unterschiedliche, aber parallel verlaufende Selbstfindungsprozesse. Die stillen, präzisen Performances der Hauptdarsteller tragen dieses Spannungsfeld.

Formell wirkt der Film dagegen oft unbeholfen. Die Sauna- und Sexszenen versinken buchstäblich im Dunkel, die Kamera scheitert an der Lichtsetzung. Dazu klammert sich das Drehbuch zu starr an eine Drei-Akt-Struktur, wodurch Konflikte unnötig plakativ zugespitzt werden. Nebenfiguren bleiben blass, eher Embleme als Menschen. Auch das Motiv der Sugardaddys, das sich gut in die Themen von Armut, Hyperkapitalismus und Hypermaskulinität einfügt, wird nicht konsequent weitergedacht.

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Schonungsloser Blick auf schwule Männlichkeitsbilder

Am stärksten bleibt der Film dort, wo er die titelgebende Sauna als Bühne der Aushandlung versteht: ein Ort, an dem Begehren, Ausschluss und Körperpolitik kollidieren. Der Film wirft einen lustvollen, zugleich schonungslosen Blick auf schwule Männlichkeitsbilder – und die Leerstelle, in die trans Personen gedrängt werden. Er zeigt, wer ausgeschlossen wird, und wie dringend Debatten über Körperbilder, Begehren und Zugehörigkeit weitergeführt werden müssen.

Zugleich macht "Sauna" deutlich, wie unterschiedlich das Verhältnis zu Selbstakzeptanz ausfallen kann. Johan kann William lieben, so wie er ist – doch William selbst kämpft mit einem Körper, der nicht mit seinem Selbstverständnis übereinstimmt, und mit den Hürden eines Systems, das Zugänge zu Hormonen und Operationen erschwert. Die Liebesgeschichte verheddert sich damit in einem Widerspruch: zwischen dem Bedürfnis, als trans Mensch einfach zu leben, und dem Wunsch des Partners, diese Liebe vorbehaltlos zu zeigen. Zwei Sehnsüchte, die eigentlich nicht gegeneinander stehen müssten, aber in einer Gesellschaft, die Identität hierarchisiert, unweigerlich aneinanderstoßen.

Infos zum Film

Sauna. Drama. Dänemark 2025. Regie: Mathias Broe. Cast: Magnus Juhl Andersen, Nina Rask, Dilan Amin, Klaus Tange, Peter Oliver Hansen. Laufzeit: 105 Minuten. Sprache: dänisch-schwedische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih Salzgeber. Kinostart: 20. November 2025
Galerie:
Sauna
9 Bilder
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