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Niedersächsischer Landtag
Das neue queerfeindliche Gesicht der AfD: Wer ist Vanessa Behrendt?
Die Regenbogenfahne stehe für "Machenschaften pädophiler Lobbygruppen" und die "Gefährdung von Kindern durch LGBTQ-Propaganda", behauptet die AfD-Abgeordnete Vanessa Behrendt. Jetzt kommt sie wohl vor Gericht.

Die AfD-Abgeordnete Vanessa Behrendt warnt vor "LGBTQ-Propaganda" (Bild: Niedersächsischer Landtag)
- 20. November 2025, 06:53h 3 Min.
Die niedersächsische AfD-Abgeordnete Vanessa Behrendt sieht ihre Online-Äußerungen trotz laufender Ermittlungen nicht als Provokation. "Ich empfinde meine Beiträge nicht als provokant – andere sehen das anders", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Die Aussagen machte sie wenige Tage, bevor der Landtag ihre Immunität aufhob. Die Staatsanwaltschaft Göttingen bereitet wegen mutmaßlich hetzerischer Internet-Posts eine Anklage gegen die AfD-Politikerin vor (queer.de berichtete).
Für Behrendt gehörten "harte Formulierungen" zur Meinungsfreiheit. "Strafbar wird es erst bei Bedrohungen oder Gewaltaufrufen", sagte sie. Ihr werden unter anderem Volksverhetzung, verletzende Beleidigung sowie Beleidigung vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft geht es um Beiträge aus der Zeit von August 2024 bis Februar 2025 auf der Plattform X. In einem Post soll Behrendt etwa geäußert haben, dass die Regenbogenfahne für "Machenschaften pädophiler Lobbygruppen" und "die Gefährdung von Kindern durch LGBTQ-Propaganda" stehe (queer.de berichtete).

Vanessa Behrendt versucht mit ihren Äußerungen, die queere Community unter Pauschalverdacht zu stellen
Freundin von Beatrix von Storch
In den sozialen Netzwerken folgen Behrendt mehrere Zehntausend Menschen, allein auf X sind es knapp 44.000. "Ein großer Reichweitenschub kam, als wegen eines Posts zur Regenbogenfahne gegen mich ermittelt wurde", sagte die AfD-Politikerin. Ihre Inhalte verfasse sie selbst, das sei ihr wichtig. Über Social Media komme sie "direkt mit den Menschen ins Gespräch" – auch die stellvertretende AfD-Fraktionschefin im Bundestag, die nicht minder queerfeindliche Beatrix von Storch, habe sie so kennengelernt. "Wir haben relativ schnell eine persönliche Ebene gefunden. Wir sind beide Christen, das verbindet uns."
Von Storch trat im Juni in Hannover bei einem von Behrendt mitorganisierten "Kinderschutzkongress" auf, der von deutlichen Protesten begleitet wurde. Behrendt sagte, beim Kinderschutz werde aus ihrer Sicht "an den falschen Stellen angesetzt". Sich selbst ordnet die 41-Jährige als konservativ und rechts ein, nicht aber als radikal.
Eine Spitzenkandidatur schließt Behrendt zunächst aus
Behrendt berichtete auch über persönliche Angriffe. Die meisten Beleidigungen ließen sie unberührt: "Beleidigungen wie "Nazi-Schlampe" prallen komplett an mir ab." Eine Nachricht, in der jemand behauptet habe, er wisse, wo sie wohne, habe sie jedoch angezeigt. Das Verfahren sei eingestellt worden.
In der männerdominierten AfD – 14 der 17 Fraktionsmitglieder im niedersächsischen Landtag sind männlich – machte Behrendt schnell auf sich aufmerksam. "In der Politik zählt für mich nicht das Geschlecht, sondern Leistung", sagte sie. Für die nächste Landtagswahl 2027 schließt Behrendt eine Spitzenkandidatur aus. "Aber was danach kommt, muss man sehen."
Missbrauchs-Vorwürfe als neue Strategie
Behrendt wohnt in Helmstedt, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie arbeitete mehr als zehn Jahre als medizinische Fachangestellte. Nach einer Elternzeit folgten eine Ausbildung zur Hundetherapeutin und ein Studium zur Ernährungsberaterin für Kinder und Jugendliche. Seit drei Jahren gehört sie dem niedersächsischen Landtag an. Als Beisitzerin ist sie auch Teil des Vorstands des AfD-Landesverbands.
Die AfD versucht derzeit vermehrt, die queere Community mit sexuellem Missbrauch von Kindern in Verbindung zu bringen, so etwa bei einer Bundestagsdebatte zum Schutz von queeren Menschen im Grundgesetz vergangenen Monat (queer.de berichtete): (cw/dpa)














