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Kürzungen verantwortlich?
Robert-Koch-Institut: Zahl der HIV-Neuinfektionen steigt an
In Deutschland haben sich letztes Jahr wieder mehr Menschen mit HIV infiziert. Die Deutsche Aidshilfe appelliert daher an die Politik, die Präventionsmaßnahmen nicht wegen klammer Kassen schleifen zu lassen.

Symbolbild: Es stecken sich wieder mehr Menschen hierzulande mit HIV an (Bild: Ribbon photo created by jcomp – www.freepik.com)
- 20. November 2025, 15:39h 3 Min.
Die Zahl der Menschen, die sich 2024 mit HIV infiziert haben, liegt laut einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) für Deutschland bei 2.300. Das sind 200 Personen oder knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr, heißt es in der neuesten Ausgabe des Epidemiologischen Bulletins des RKI (PDF). Die Schätzung umfasst die Anzahl der HIV-Neuinfektionen im Bundesgebiet sowie bei Menschen deutscher Herkunft, die sich im Ausland mit HIV infiziert haben.
Der größte Anteil der geschätzten HIV-Infektionen fiel auf die Kategorie "Männer, die Sex mit Männern haben" (MSM). Demnach infizierten sich 1.300 homo- oder bisexuelle Männer mit HIV, 100 mehr als im Vorjahr. 590 Personen steckten sich bei heterosexuellem Sex an, das sind 45 mehr als 2023. 400 weitere Personen infizierten sich durch injizierenden Drogengebrauch.
Da HIV in der Regel nicht mehr zum Tod führt, stieg bis Ende 2024 die Anzahl der Menschen, die mit einer HIV-Infektion in Deutschland leben, auf 97.700 an. Von diesen sind laut den RKI-Schätzungen etwa 8.200 HIV-Infektionen noch nicht diagnostiziert. Während die Zahl der nicht diagnostizierten HIV-Infektionen bei MSM leicht um 100 auf 4.800 zurückging, stieg sie in den anderen Gruppen leicht an.
Dem Bericht zufolge erhielten etwa 98 Prozent der Menschen mit HIV im vergangenen Jahr eine sogenannte antiretrovirale Therapie. Bei fast allen sei die Behandlung erfolgreich, so dass sie HIV nicht mehr bei sexuellen Kontakten übertragen können.
DAH macht Kürzungen für Anstieg verantwortlich
Die Deutsche Aidshilfe (DAH) forderte angesichts der steigenden Zahlen mehr Engagement im Kampf gegen HIV: "Der Anstieg ist noch moderat, aber sehr ernstzunehmen", erklärte DAH-Vorstandsmitglied Sylvia Urban. "Wir müssen jetzt gut erprobte Maßnahmen verstärkt zum Einsatz bringen und neuen Anforderungen anpassen."
Insbesondere Länder und Kommunen müssten mehr tun, anstatt wegen knapper Kassen in diesem Bereich zu sparen. "Wo in Prävention und Drogenhilfe gekürzt wird, sind steigende Infektionszahlen die logische Folge. Kürzungen müssen zurückgenommen, Präventions- und Testangebote verstärkt werden, dann können die Zahlen auch bald wieder sinken", so Urban.
Besonders wichtig sei laut DAH eine weitere Ausweitung der HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP), also des medikamentösen Schutzes von HIV-Negativen vor einer Infektion. Die Zahl der Nutzer*innen stagniert laut RKI bei etwa 40.000. Die Deutsche Aidshilfe kritisierte, dass die Versorgung noch immer nicht flächendeckend gewährleistet sei – und das Angebot fast ausschließlich von schwulen Männern angenommen werde, aber nicht von Drogengebrauchenden.
"Wer ungeschützten Sex hatte, sollte sich auf HIV und andere Infektionen testen lassen"
Zudem bereite Sorgen, dass es immer noch viele Positive gebe, die nichts von ihrer Infektion wüssten. "HIV sollte so früh wie möglich erkannt und behandelt werden. So wird die Gesundheit geschützt, weitere Übertragungen werden verhindert", so Urban. "Darum gilt: Wer ungeschützten Sex hatte, sollte sich auf HIV und andere Infektionen testen lassen." Derzeit wissen laut RKI nur 92 Prozent der Menschen mit HIV in Deutschland von ihrer Diagnose. Das UNAIDS-Ziel für 2025 liege aber bei 95 Prozent.
"Die Entwicklung der Neuinfektionen ist kein Zufall", so Urban weiter. "Sie spiegelt direkt wider, ob die Angebote möglicher Schutzmaßnahmen ausreichen. Unser Ziel muss sein, den Trend wieder umzukehren." (dk)














