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Queerfeindlichkeit

Berliner AfD demonstriert gegen Dragqueens

Die AfD versucht, die unter anderem von der Münchner CSU und SPD entfachte Empörung über Drag-Lesestunden am Kochen zu halten.


Die AfD stellt auf ihrem Plakat Dragqueens als sexhungrige Kinderschänder dar – die Realität sieht anders aus (Bild: Facebook, Stadtmuseum Berlin / Michael Setzpfandt)

  • 21. November 2025, 14:22h 3 Min.

Die AfD macht weiter mobil gegen Dragqueens: Für Sonntag will die rechtsextreme Partei vor dem Humboldt-Forum gegen eine Bilderbuchlesung für Familien durch die Dragqueens Vivienne Lovecraft und Kaey demonstrieren. Auch eine Gegendemo ist geplant.

Die Drag Story Hour findet anlässlich des UN-Kinderrechte-Tags statt. Dabei stehen im Humboldt-Forum die Bilderbücher "Teddy Tilly" der australischen Autorin Jessica Walton sowie "Wählt Wolf!" des Italieners David Cali auf dem Programm. "Teddy Tilly" handelt von einem Stoffbär, der nicht mehr Thomas sondern Tilly heißen möchte. "Wählt Wolf" zeigt die Gefahren von Populismus auf.

Laut AfD geht es allerdings bei der Vorlesung ausschließlich um Sex, wie sie in ihrem Plakat für die Demo zeigt. Dort ist Kaey abgebildet, die Kindern aus einem Buch vorliest, auf dem in Regenbogenfarben das Wort "Sex" steht. Der Berliner AfD-Vizefraktionschef Thorsten Weiß erklärte gegenüber dem "Tagesspiegel": "Unsere Bedenken gegen die Lesung von Dragqueens vor Kindern beziehen sich vor allem darauf, dass eine nicht wünschenswerte Frühsexualisierung von Kindern durch die Konfrontation mit sexualisierter Thematik erfolgt." Es sei auffällig, "dass Dragqueens regelmäßig vor Kindern lesen, aber seltsamerweise nie vor zum Beispiel Asylbewerbern oder einer Moscheegemeinde." Warum erwachsenen Asylsuchenden Kinderbücher vorgelesen werden sollen, erklärte er aber nicht.

"Um Sexualität geht es an keiner Stelle"

Sophie Plagemann, die Direktorin des Berliner Stadtmuseums, kann die AfD-Argumentation nicht nachvollziehen: "Dieses Bild hat nichts mit der Realität zu tun", sagte sie. "Bei unserem Programmtag und damit auch bei dieser Veranstaltung geht es jedenfalls um Vielfalt und um die Rechte von Kindern auf Selbstbestimmung. Die Bilderbuchlesung ist altersgerecht, die Eltern sind dabei. Um Sexualität geht es an keiner Stelle."

Auf ihrer Website verteidigt das Stadtmuseum die Lesung. Sie fördere "Fantasie, Lesefreude und kulturelle Teilhabe". Weiter heißt es: "Drag ist eine künstlerische Ausdruckform des Verkleidens und Übertreibens – vergleichbar mit Theater, Märchenfiguren oder Kostümfesten, was Kindern sehr vertraut ist."

Auch Union und SPD machten Stimmung gegen Dragqueens

Zu größeren Protesten gegen Dragqueens kam es in Deutschland erstmals 2023 – dabei kamen die Hassbotschaften nicht nur von der AfD, sondern auch von Union, Freien Wählern und SPD. Aus der CSU kamen Forderungen nach einem Drag-Verbot, die frühere CDU-Bundesfamilienministerin Kristina Schröder brachte Dragqueens pauschal mit Pädophilie in Zusammenhang, Vizeministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bezeichnete die Lesungen als Gefährdung des Kindeswohls und der Münchner SPD-OB Dieter Reiter zeigte für "diese Art Programm kein Verständnis".

Drag-Gegner*innen fühlen sich nun bestärkt, nachdem im Oktober Berichte auftauchten, wonach gegen die Berliner Dragqueen Jurassica Parka wegen des Vorwurfs des Besitzes von kinderpornografischen Inhalten ermittelt werde. Später kam heraus, dass sie bereits wegen eines derartigen Deliktes vorbestraft ist. Zwar beendeten ehemalige Kolleginnen wie Margot Schlönzke schnell die Zusammenarbeit mit Parka und betonten, dass der Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt nicht verhandelbar sei. Dennoch versuchen die AfD und konservative Kräfte seither, alle Dragqueens für das mutmaßliche Vergehen in Sippenhaft zu nehmen.

Parallel zur AfD-Demo ist eine Gegenveranstaltung unter dem Titel "Berlin steht gegen die AfD – 100 Drag Queens für ein buntes Berlin!" bei der Berliner Polizei angemeldet worden. (dk)

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