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Interview

Ein Safe Space in weihnachtlicher Stimmung

Seit zwei Jahrzehnten bringt "Pink Christmas" Glitzer, Wärme und queere Sichtbarkeit in die Münchner Adventszeit. Wir sprachen mit Gründer Robert Maier-Kares über die Anfänge, Highlights und Zukunft des legendären Weihnachtsmarkts.


Seit 27 Jahren ein Paar: "Pink Christmas"-Organisator Robert Maier-Kares (r.) und sein Ehemann Marcus Kares (Bild: privat)

Robert, wie ist die Idee zu "Pink Christmas" entstanden?

Die Idee entstand tatsächlich im Winter – mit dem Wunsch, einen Safe Space zu schaffen, und das Ganze natürlich in weihnachtlicher Stimmung.

Was hat dich damals motiviert, einen queeren Weihnachtsmarkt zu starten?

Eben genau aus diesen Gründen: einen Treffpunkt im Viertel zu schaffen, einen sicheren Ort für Menschen und auch, um die Regenbogenfahne im Viertel sichtbar zu halten. Es war ein Zeichen gegen das Zurückdrängen der Szene und für ein offenes, buntes Miteinander.

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Erinnerst du dich noch an die ersten Reaktionen – positiv wie negativ?

Ja, die ersten Versuche, den Markt überhaupt umzusetzen, waren nicht einfach. Selbst aus Parteien, von denen man Offenheit erwartet hätte, kam zum Teil heftiger Gegenwind – und auch während der Laufzeit gab es Angriffe. Diese richteten sich aber weniger gegen queere Menschen, sondern eher gegen den Markt als Konkurrenz.

Positiv war dagegen vom ersten Tag an der große Zulauf und Zuspruch. Natürlich auch innerhalb unserer eigenen Bubble – und wir wissen, wie schwierig unsere eigene Bubble manchmal sein kann. Gerade Menschen, die nie über ihren Kreis hinausschauen, haben uns anfangs kritisch gesehen. Heute ist das alles kein Thema mehr – und zum Glück auch nicht mehr nötig.


Der Weihnachtsmarkt "Pink Christmas" in München ist seit Jahren ein bedeutender Safe Space für die queere Community.

Welche Momente oder Wendepunkte haben den Markt besonders geprägt?

Einen echten Wendepunkt gab es nie. "Pink Christmas" war von Anfang an gut angenommen, wurde von der Stadtspitze und Verwaltung unterstützt und hat sich sehr natürlich entwickelt. Wir mussten dafür gar nicht viel tun – außer unserem ursprünglichen Gedanken treu zu bleiben: kein rein schwul-lesbischer Markt, sondern ein Meeting Point für alle.

Warum ist dir wichtig, dass der Markt offen für alle ist?

Weil Ausgrenzung heute leider wieder zunimmt. Die starke Sensibilisierung einzelner Untergruppen kann manchmal in eine zu enge oder schwierige Richtung führen. Auch innerhalb unserer Szene gibt es oft Spannungen – Neid, Frust oder Abgrenzung. Viele, die früher gezwungen waren, im Verborgenen zu leben, tun sich heute manchmal schwer mit der neuen Offenheit. Das beobachte ich in vielen Städten. Umso wichtiger ist mir, dass "Pink Christmas" alle willkommen heißt – ganz ohne Schranken.

Gibt es Auftritte oder Begegnungen, die dir besonders im Gedächtnis geblieben sind?

Ja, auf jeden Fall die unglaubliche Unterstützung von Patrick Lindner und Johnny Logan. Beide haben uns von Anfang an begleitet, für uns Werbung gemacht und waren präsent. Und natürlich sind die Travestie-Shows mein persönliches Highlight – ich bin nun mal ein alter Travestie-Fan.

Direktlink | Auftritt von Johnny Logan bei "Pink Christmas" 2013
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Was macht für dich die besondere Stimmung von "Pink Christmas" aus?

Ganz klar: die Menschen – und die pinke Beleuchtung. Mehr braucht es gar nicht.

Wie siehst du die Zukunft von "Pink Christmas" – was wünschst du dir für die nächsten Jahre?

Ich wünsche mir, dass sich Pink Christmas einfach organisch weiterentwickelt. Große Veränderungen sind nicht geplant – die Besucher haben selbst die Richtung vorgegeben. Sie wollten weniger Show, dafür mehr DJ und Stimmung am Abend, und das haben wir umgesetzt. So wächst der Markt ganz natürlich mit seinem Publikum.

Wenn du die 20 Jahre in drei Worten zusammenfassen müsstest – welche wären das?

Glitzer, Gelassenheit und Gemeinsamkeit.

Der Münchner Weihnachtsmarkt "Pink Christmas" findet vom 24. November bis 21. Dezember 2025 auf dem Stephansplatz statt (Öffnungszeiten: Mo-Fr 16-22 Uhr, Sa & So 14-22 Uhr)

Wöchentliche Umfrage

» Auch in diesem Jahr gibt es in mehreren Städten wieder queere Weihnachtsmärkte. Was hältst du davon?
    Ergebnis der Umfrage vom 17.11.2025 bis 24.11.2025
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