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Berlin-Wahl 2025
Ein schwuler Grüner will ins Rote Rathaus
Die Berliner Grünen kürten Fraktionschef Werner Graf am Samstag zum Spitzenkandidaten bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im kommenden Jahr. Er trete an, "um Kai Wegner abzulösen".

Werner Graf am Samstag auf der Landesdelegiertenkonferenz der Berliner Grünen (Bild: IMAGO / Funke Foto Services)
- 23. November 2025, 04:42h 4 Min.
Werner Graf führt die Grünen als Spitzenkandidat in die Berlin-Wahl 2026 und soll als neuer Regierender Bürgermeister in das Rote Rathaus einziehen. Auf einem Parteitag in Neukölln kürten die Delegierten den schwulen Politiker mit großer Mehrheit – gemeinsam mit Bettina Jarasch (57), die mit Graf eine Art Spitzenteam bildet.
Die Grünen bestätigten bei dem Parteitag zudem ihre Doppelspitze. 86,9 Prozent der Delegierten stimmten für die Realpolitikerin Nina Stahr (43) und 77,1 Prozent für den Parteilinken Philmon Ghirmai (41). Das Duo steht seit Dezember 2023 an der Spitze des Grünen-Landesverbandes.
81,7 Prozent stimmten für Graf/Jarasch
Bei der Abstimmung zur Spitzenkandidatur votierten 147 Delegierte oder 81,7 Prozent für das Duo Graf/Jarasch. Es gab 23 Nein-Stimmen und 9 Enthaltungen. Auf Timur Ksianzou, der überraschend gegen Graf und Jarasch antrat, entfiel eine Stimme. Der junge Mann stellte sich als Mitglied im Grünen-Kreisverband Reinickendorf vor.
Der Landesvorstand der Grünen hatte Graf bereits im Juli als Kandidaten für das Rote Rathaus nominiert und Jarasch, die 2021 und 2023 Spitzenkandidatin war, als Teil des Spitzenteams (queer.de berichtete). Graf amtierte von 2016 bis 2021 Parteichef. Dem Abgeordnetenhaus gehört er seit 2021 ein. Seit März 2022 ist er dort Co-Fraktionsvorsitzender, seit März 2023 gemeinsam mit Jarasch.
Werner Graf war u.a. Sprecher der Grünen Jugend und drei Jahre lang persönlicher Referent von Claudia Roth. Zwischen 2008 und 2010 schrieb er als einziger Mann für das Blog "Mädchenmannschaft" Artikel zum Thema Feminismus und Gender. Auf einem Parteitag im Jahr 2016 erklärte er, er trage die "Regenbogenfahne im Herzen" (queer.de berichtete).
Mit dem SPD-Politiker Klaus Wowereit hatte Berlin von 2001 bis 2014 schon einmal einen offen schwulen Regierender Bürgermeister.
Mission Rotes Rathaus
"Ich trete an, um Kai Wegner abzulösen", sagte Graf auf das Landesdelegiertenkonferenz. Denn die seit 2023 von CDU und SPD regierte Stadt gerate immer mehr unter die Räder. "Berlin wird gerade immer grauer und grauer. Es droht immer mehr, sein Gesicht zu verlieren", meinte der 45-Jährigen. "Mit diesem Senat wird Berlin kälter, dreckiger und gefährlicher." Wegners Senat habe die Verkehrswende gestoppt, tue nichts für den Schutz der Mieter und streiche bei sozialen und kulturellen Projekten.
Die Grünen wollten das ändern. Statt der "Betonschneise" A100 wollten sie Bus und Bahnen verlässlich machen, Fuß- und Radwege ausbauen, in die Sauberkeit der Parks investieren oder die Geothermie ausbauen.
Liebe statt Hass
Graf forderte auch ein "Hausverbot" für diejenigen Vermieter in Berlin, die Recht und Gesetz mit Füßen treten, nur Kasse machen wollten und nicht in Instandhaltung investieren. "Wer glaubt, in Berlin Monopoly spielen zu können, der muss damit rechnen, dass wir die Ereigniskarte ziehen – und auf der steht: Vergesellschaftung."
Jarasch griff den schwarz-roten Senat und vor allem den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) unter anderem wegen dessen Verkehrspolitik an. Die Stadt stehe im Stau, weil die CDU eine Politik gegen Rad und Bahn betreibe. "Wir haben in den letzten drei Jahren einen Radwegestopp erlebt, einen Tram-Stopp, den Stopp für Busspuren, für Tempo 30 und den Stopp für Verkehrsberuhigung", zählte Jarasch auf. S- und U-Bahn steckten in der Krise.
Graf und Jarasch beklagten einen erstarkenden Rechtsextremismus und eine Polarisierung in der Gesellschaft. Die AfD gehöre verboten. Und: "Wir werden dem Hass die Liebe entgegenstellen", sagte Graf.
Mäßige Umfragewerte für Grüne
Bei der Wiederholungswahl im Februar 2023 waren die Berliner Grünen drittstärkste Partei geworden. Sie kamen auf 18,4 Prozent und lagen damit weit hinter der CDU (28,2 Prozent) und nur wenige Stimmen hinter der SPD (18,4 Prozent). Da CDU und SPD anschließend eine Koalition bildeten, mussten die Grünen in die Opposition. Zuvor hatten sie mehr als sechs Jahre gemeinsam mit SPD und Linken regiert.
In letzten Umfragen lagen die Berliner Grünen zwischen 14 und 16 Prozent hinter CDU und Linken. Die Wahl zum Abgeordnetenhaus findet am 20. September 2026 statt. Die CDU dürfte mit Wegner als Spitzenkandidaten ins Rennen gehen. Die SPD zieht mit Steffen Krach in den Wahlkampf, die Linken mit Elif Eralp und die AfD mit Kristin Brinker. (cw/dpa)














