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Schwäbisch Gmünd
Tausende bei "Wish you were queer"
Das Museum im Prediger in Schwäbisch Gmünd zieht eine positive Bilanz der beendeten Ausstellung "Wish you were queer. Un-Sichtbarkeit von LSBTI* in Kunst und Geschichte" – und freut sich über zwei bedeutende Schenkungen.

Künstler Rinaldo Hopf mit seinem Porträt von Marla Glen aus der Reihe "Golden Queers" in der Sonderausstellung (Bild: Museum im Prediger)
- 23. November 2025, 09:55h 3 Min.
Aus Anlass der Ausstellung "Wish you were queer. Un-Sichtbarkeit von LSBTI* in Kunst und Geschichte", die am 26. Oktober 2025 zu Ende ging, erhielt das Museum im Prediger zwei bedeutende Schenkungen. So bekam es aus Gmünder Privatbesitz eine Ansicht von Istanbul mitsamt dem Bosporus des Kunstmalers Hermann Hörner (1904-1967) übereignet. Das Gemälde war als Leihgabe in der Ausstellung zu sehen und stand dort bei der Präsentation der Biografie des Malers stellvertretend für seine talentierte Kunst.

Das Istanbul-Gemälde des Gmünder Malers Hermann Hörner im Museum (Bild: Museum im Prediger)
Hermann Hörner hatte seine künstlerische Ausbildung beim Schwäbisch Gmünder Kunstmaler Alois Schenk begonnen, bevor er an die Kunstakademien in Stuttgart, Berlin und Paris wechselte. Da seine Gemälde ab 1933 als "entartet" galten, verschwand er zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung. Dieser Rückzug hatte jedoch auch eine positive Seite: Hörner geriet nicht ins Visier der Strafverfolgung wegen Verstoßes gegenden Paragrafen 175.
Hermann Hörner war homosexuell und lebte mit seinem Partner zusammen. In seiner Familie und seinem Freundeskreis war dies kein Geheimnis – in den 1940er Jahren zog er zurück in seine Heimatstadt und arbeitete wieder als Maler. 1967 erlag Hörner einem Herzinfarkt. Seine Familie, die ihn aufgrund seiner sexuellen Orientierung nie verstoßen hatte, begrub ihn im Familiengrab. Seine Todesanzeige, in welcher "der Freund" an erster Stelle noch vor Hörners Geschwistern genannt wurde, zeugte in der Ausstellung von diesem, in jener homophoben Zeit bemerkenswert positiven Familienverhältnis.
Rinaldo Hopf überließ dem Museum sein Marla-Glen-Porträt
Die zweite Schenkung war ebenfalls als Leihgabe in der Ausstellung zu sehen: das Porträt von Marla Glen. Der aus Freiburg stammende Künstler Rinaldo Hopf zeigt die Schwarze und zum Zeitpunkt der Entstehung des Porträts lesbische Person außerordentlich stark und selbstsicher. Erhobenen Hauptes blickt Marla Glen direkt, ohne Zögern und voller Optimismus drein. Glen war Mitte der 1990er Jahre dauerhaft von Amerika nach Europa übersiedelt. Zuletzt hatte Marla Glen 2023 ein Coming-out als trans Mann.
Das in dem Porträt so unmittelbar zum Ausdruck kommende, deutlich sichtbar werdende Selbstbewusstein war Anlass, das Bild als mediales Leitmotiv der Ausstellung "Wish you were queer. Un-Sichtbarkeit von LSBTI* in Kunst und Geschichte" auszuwählen. Auf diese Weise selbst ein Objekt der Museumsgeschichte geworden, überließ Hopf das Original aus seiner Reihe "Golden Queers" dem Museum im Prediger. Beide Schenkungen sind in der Schausammlung des Museums zu bewundern.
Museum zählte über 3.600 Besucher*innen
Die Ausstellung selbst entpuppte sich als Besucher*innen-Magnet. "Mit über 3.600 Menschen hat sich die Zahl der Besucher im Vergleich zu den jüngeren Ausstellungen verdreifacht. Die Gäste kamen aus Nah und Fern, neben unseren Gmünderinnen und Gmündern auch viele Tagestouristen sowie überraschend viele überregionale Besucher aus ganz Deutschland", sagte Museumsleiter Max Tillmann. Dabei hätten auffallend viele jüngere Leute und Familien den Weg ins Museum gefunden. "Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat zu unserer großen Freude eine Führung gebucht, die Universität der Bundeswehr aus München unternahm eine Exkursion zu uns und auch der Deutsche Journalistenverband ist angereist", ergänzte Kurator Martin Weinzettl.
Die Flyer zur Ausstellung mussten im August nachgedruckt werden, die Erstauflage von 10.000 Exemplaren war zu diesem Zeitpunkt bereits vergriffen, und zum ersten Mal gingen dem Museum die gedruckten Eintrittskarten vor dem Ende der Schau aus. Auch wurde im außerordentlich reich gefüllten Gästebuch in den verschiedensten Sprachen besonders viel Lob ausgedrückt. Eine Stuttgarter Tagestouristin schrieb: "Vielen Dank für diese wichtige Ausstellung und den Mut, sie zu zeigen!", und ein Gmünder: "Klasse! Weiter so! Die Stadt des Einhorns ist ein Vorbild!" Schließlich hob ein Gast aus Speyer hervor: "Ich freue mich, in einer so weltoffenen Stadt zu Besuch zu sein!" (cw/pm)
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