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Kinotipp
So nervenaufreibend ist die Stiefkindadoption für ein lesbisches Paar
Nadia ist schwanger, ihre Frau Céline muss das gemeinsame Kind nach der Geburt umständlich adoptieren. Im Film "15 Liebesbeweise" wird deutlich, wie lesbische Paare diskriminiert werden – und wie nah Vorfreude und Verzweiflung liegen.

Szene aus "15 Liebesbeweise": Nadia (Monia Chokri) und Céline (Ella Rumpf) erwarten ein Kind (Bild: Films That Matter)
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23. November 2025, 10:22h 5 Min.
2.500 Euro, als Scheck. Aber, immerhin, den löst die Anwältin erst nach der Geburt ein. Dann beginnt das Adoptionsverfahren. 2.500 Euro dafür, dass auch Céline (Ella Rumpf) offiziell Mutter ihrer Tochter werden kann. Nadia (die wunderbare Monia Chokri, bekannt etwa aus Xavier Dolans "Herzensbrecher") ist schwanger, sie wird das Kind gebären und damit automatisch offiziell zur Mutter, ihre Ehefrau jedoch nicht – anders als bei heterosexuellen Eltern.
Zwar dürfen in Frankreich seit 2013 gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Die Diskriminierung lesbischer Paare bei der Geburt eines Kindes dauerte jedoch bis 2021. Erst seitdem können beide Frauen ohne Adoptionsverfahren als Eltern eingetragen werden.
15 Zeug*innen müssen beweisen, dass Céline das Kind will
"15 Liebesbeweise" der Regisseurin Alice Douard spielt also in der Vergangenheit. Die Ehe für alle gebe es erst seit einem Jahr, die zwei Frauen seien Pionierinnen, erklärt die Anwältin nicht ohne Bewunderung.
Das Verfahren kann acht bis 18 Monate dauern, ergänzt sie – je nachdem, wie schnell das Gericht alle Akten hat und wie ausgelastet es ist. Was das Gericht unter anderem benötigt: 15 schriftliche Zeug*innen-Aussagen von Nahestehenden, die beweisen, dass Céline wirklich Mutter werden will. Sie geben dem Film den deutschen Titel, wobei es weniger um die 15 Briefe geht als um grundsätzliche Liebesbeweise, was der französische Titel "Des preuves d'amour" treffender beschreibt.
Wer von beiden hat es schwerer?

Poster zum Film: "15 Liebesbeweise" startet am 4. Dezember 2025 im Kino. Zuvor gibt es Sondervorstellungen im Rahmen der Französischen Filmwoche
Es ist also nicht nur teuer, es ist vor allem aufwändig, bürokratisch und nervenaufreibend, als lesbisches Paar offiziell Eltern zu werden. Und es wird so einigen Konflikt heraufbeschwören – zwischen Céline und ihrer Frau Nadia, vor allem aber mit Célines Mutter. Denn eine intakte Familie im Hintergrund sieht das Gericht gern. Das Problem: Als erfolgreiche Pianistin gab sie mehr Konzerte in der ganzen Welt, als eine gute und präsente Mutter für Céline zu sein. Das bringt sie in eine Zwickmühle: Will sie einen Brief von ihr fürs Gericht, muss sie sich ihr wieder annähern. Wird Céline alte Wunden überwinden und über ihren Schatten springen?
Mit "15 Liebesbeweise" verarbeitet die französische Regisseurin Alice Douard ihr eigenes Erleben: Auch sie erwartete ihr erstes Kind, ohne schwanger zu sein. Sie erzählt eine Geschichte, die ihr selbst fehlte, und wählt dafür Célines Perspektive: Sie ist es, die Hürden überwinden muss, um offiziell Mutter sein zu können. Hat sie es damit schwerer als ihre Frau, die immerhin das Auf und Ab einer Schwangerschaft erlebt? Manchmal fühlt sich das für Céline so an – und sie sagt es ihrer Partnerin auch.
Wer ist der Mann in der Beziehung?
Der Film ist, anders als man denken könnte und der Trailer suggeriert, keine klassische Romantic Comedy nach Hollywood-Vorbild. Auch setzt "15 Liebesbeweise" nicht auf die für viele französische Komödien typische Wohlfühl-Atmosphäre, die sie zu Publikumslieblingen macht. Hier treffen nicht scheinbar unvereinbare Welten aufeinander, wie in der "Monsieur Claude"-Reihe, bei "Ziemlich beste Freunde" oder "Die leisen und die großen Töne".
Nein, der Film von Alice Douard funktioniert nicht nach Schema F. Das Drama durchzieht zwar ein leiser Humor, vor allem in den immer gleichen, stereotypen Fragen und ungebetenen Ratschlägen: Wie, ihr habt keinen Trockner? Wer von euch ist der Mann in der Beziehung?
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Wenn Marguerite die Worte fehlen, spielt sie Klavier
Genauso präsent sind aber die große Frustration der zwei Frauen sowie die ganz großen Konflikte rund um Elternschaft sowie die Frage, was eine gute Mutter eigentlich ausmacht. Hier kommt Célines Mutter Marguerite (Noémie Lvovsky) eine interessante, ambivalente Rolle zuteil. Und das macht "15 Liebesbeweise" zu einem universellen Film, unabhängig von der konkreten queerpolitischen Kritik. Auch die Vorfreude des Paares aufs gemeinsame Kind wird trotz aller Zweifel erlebbar.
Lustige und ernste Momente geben sich die Waage, der Film ist oft auch romantisch und insgesamt von einer heiteren, positiven Grundstimmung geprägt – was im queeren Kino noch immer nicht die Regel ist. Dazu tragen auch die wohlig-warmen Bilder von Kameramann Jacques Girault bei sowie die Musik, die nicht nur unterstützendes Beiwerk ist, sondern die eine erzählerische Funktion erfüllt: Céline arbeitet als DJ, ihre Mutter Marguerite beginnt Klavier zu spielen, wenn ihr die Worte fehlen.
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In Frankreich Vergangenheit, in Deutschland Realität
Aus französischer Perspektive blickt der Film in die Vergangenheit und beschreibt die Realität einer beendeten jahrelangen staatlichen Ungleichbehandlung. In Deutschland ist der Film dagegen noch aktueller: Hier muss die Frau, die das Kind nicht zur Welt gebracht hat, immer noch den umständlichen und langen Weg einer Stiefkindadoption gehen.
Die Ampelkoalition wollte das ändern, schaffte das aber nicht, bevor sie zerbrach. Der schwarz-rote Koalitionsvertrag schweigt zu dem Thema, Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) kann sich "eine Regelung für eine gemeinsame Mutterschaft von Frauenpaaren" im Abstammungsrecht jedoch vorstellen. Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht.
Vielleicht kann "15 Liebesbeweise" die Debatte erneut entfachen – oder zumindest auf eine bestehende Diskriminierung, die vielen wohl nicht bewusst ist, hinweisen.
15 Liebesbeweise. Dramödie. Frankreich 2025. Regie: Alice Douard. Cast: Ella Rumpf, Monia Chokri, Noémie Lvovsky: Laufzeit: 97 Minuten. Sprache: französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Luftkind. Kinostart: 4. Dezember 2025. Bereits seit 22. November gibt es Sondervorstellungen im Rahmen der Französischen Filmwoche
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