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Hessen
Schwuler Minister erklärt der AfD, was queere Literatur ist
In Hessen empört sich die AfD in einer Anfrage über die Ankündigung von Kulturminister Gremmels, queere Kinder- und Jugendliteratur verstärkt zu fördern. Mit der Antwort des SPD-Politikers ist die Rechtsaußenpartei überfordert.

Kulturminister Timon Gremmels (SPD) am 2. Oktober 2025 im Hessischen Landtag (Bild: IMAGO / dts Nachrichtenagentur)
- 25. November 2025, 07:42h 4 Min.
Vor vier Monaten rief Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, bei der Frankfurter Veranstaltung "#PrideBuch: Der literarische Apéro zum CSD" die Verlage dazu auf, weiterhin queere Titel zu verlegen: "Wir brauchen das, auch schon in der Kinder- und Jugendliteratur", so der schwule SPD-Politiker im Juli 2025. Gleichzeitig kündigte er an, queere Literatur im kommenden Jahr stärker unterstützen zu wollen, etwa mit Stipendien für Autor*innen oder einem Kinder- und Jugendliteraturpreis.
Gremmels erfreuliche Initiative sorgte in der AfD-Fraktion erwartungsgemäß für Entsetzen. Gleich vier Abgeordnete der rechtsextremen Partei wollten in einer Kleinen Anfrage wissen, warum sich "auch schon Kinder" nach Ansicht der schwarz-roten Landesregierung "vermehrt mit dem Thema der Sexualität und der damit einhergehenden Identität beschäftigen" sollten.
Minister: Queere Sichtbarkeit schafft positive Vorbilder
In seiner ausführlichen Antwort (PDF) klärte Gremmels die AfD-Fraktion geduldig auf. "Unsere Lebenswirklichkeit ist geprägt durch geschlechtliche und sexuelle Vielfalt. Demokratische Werte bedeuten diese Vielfalt und freie Entfaltung der Persönlichkeit anzunehmen", heißt es bereits in einer "Vorbemerkung" des Ministers. "Queerness in Literatur, Film und in den Medien sichtbar zu machen, heißt Rollenmodelle zu schaffen, positive Vorbilder zu geben und queeren Menschen zu ermöglichen, sich in unserer Gesellschaft als zugehörig zu erleben."
Konkret auf die Frage bezogen, schrieb Timon Gremmels:
Bereits im Kindesalter beginnt die Entwicklung von Identität und Geschlechtsbewusstsein. Dies bedeutet ein kindgerechtes Verstehen von Nähe, Gefühlen, Beziehungen und Selbstwahrnehmung. Bücher, die Vielfalt von Liebe, Geschlecht und Familie zeigen, bieten Orientierung und schaffen ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper und zu anderen Menschen – ohne Scham, Tabus oder Ausgrenzung. Kinder sollen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht oder ihrer sexuellen Orientierung in ihrer Entwicklung unterstützt werden. Gleichzeitig lernen alle Kinder, Vielfalt als Normalität zu begreifen – ein wirksames Mittel gegen Diskriminierung. Aus demokratischer Perspektive ist die Anerkennung von Unterschiedlichkeit Grundvoraussetzung für ein respektvolles Miteinander.
Frühzeitige Begegnung mit vielfältigen Lebensrealitäten kann Empathie, Respekt und Offenheit gegenüber Mitmenschen fördern, wodurch Diskriminierung und Mobbing vorgebeugt werden kann. Gerade im Kindesalter bilden sich Wertvorstellungen und Weltbilder in besonderem Maße, weshalb der Zugang zu altersgerechter Literatur die Vielfalt unserer Gesellschaft abbildet. Die Begründung dafür liegt auch in den gesellschaftlichen Herausforderungen: Kinder wachsen in einer pluralen Gesellschaft auf, in der unterschiedliche Familien- und Lebensformen Realität sind. Wenn sie diese Vielfalt früh in einem geschützten, pädagogisch begleiteten Rahmen kennenlernen, können sie eigene Fragen und Unsicherheiten klären und gleichzeitig Akzeptanz entwickeln. Die Landesregierung geht davon aus, dass so ein Grundstein für ein respektvolles und friedliches Miteinander gelegt wird.
Queere Literatur ist für Gremmels "an keine Altersgrenzen gebunden"
Auf eine weitere Frage der AfD-Abgeordneten, "welche spezifischen Inhalte für welche spezifischen Altersgruppen" nach Ansicht des Ministers in der Kinder- und Jugendliteratur gebraucht würden, antwortete der SPD-Politiker:
Queere Literatur zeigt die Vielfalt an Geschlechteridentitäten und sexuellen Orientierungen auf und ist dabei prinzipiell an keine Altersgrenzen gebunden. Wie bei allen anderen Themen in der Literatur auch, sollte bei queerer Literatur der Umgang mit Themen wie Geschlechtervielfalt oder sexueller Orientierung an das jeweilige Alter der Adressaten angepasst sein und Inhalte sollten stets so gestaltet werden, dass sie dem Entwicklungsstand der Zielgruppe entsprechen und positive Identifikationsmöglichkeiten bieten.
Queere Inhalte sollen Vielfalt stets so zeigen, dass sie in keiner Altersgruppe überfordern – kindgerecht, positiv und respektvoll, damit alle Kinder sich verstanden und angenommen fühlen.
AfD spricht von "Frühsexualisierung und politischer Indoktrination"
Verstanden hat die AfD die Ausführungen des Kulturministers leider nicht. "Die Antwort von Minister Gremmels ist verstörend, denn queere Ideologie gehört nicht ins Kinderzimmer, ebenso wenig wie in die Kita", pöbelte der Abgeordnete Frank Grobe, der sich "wissenschafts- und kunstpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion", am Montag in einer Pressemitteilung. In der queerfeindlichen Stellungnahme heißt es weiter: "Kinder haben ein Recht darauf, vor Frühsexualisierung und politischer Indoktrination geschützt zu werden. Sie sind keine sexuellen Wesen und ein Staatsminister sollte – anstatt sich vor den Karren der queeren Ideologie spannen zu lassen – dafür Sorge tragen, dass Kinder vor Inhalten geschützt werden, die sie zu solchen machen." (mize)
Links zum Thema:
» Die Antwort auf die Kleine Anfrage als PDF














