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Kinostart

Rosa von Praunheim verfilmt seinen Tod – und sein Sexleben als alter Schwuler

Wie altert ein schwuler Mann? Anscheinend nicht schlecht, glaubt man Rosa von Praunheims neuestem Film-Essay. "Satanische Sau" ist zwar noch chaotischer als frühere Werke. Aber es ist auch schwuler Trash vom Feinsten.


Szene aus "Satanische Sau" (Bild: missingFILMs)

Das Verwirrspiel beginnt gleich zu Beginn. Da stellt sich jemand als Armin Peter von Mehl vor, den Rosa von Praunheim gebeten habe, dessen Alter Ego zu spielen. So weit, so ungewöhnlich. Doch auch Armin Peter von Mehl ist eine Rolle, gespielt von Armin Dallapiccola. Oder ist das nur ein Scherz, ein Augenzwinkern, ein Verweis, wohin das alles führt? Nichts ist so richtig ernst, und glauben kann man erst recht nichts.

Rosa stellt dann auch gleich fest, dass Armin gar kein Problem mit Nacktheit habe. "Ob ich jetzt meinen Daumen zeige oder meinen Pimmel, das ist mir scheißegal", antwortet der. Das macht ihn, den "dicken alten Schwulen", wohl zur Idealbesetzung.

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Kein Skandal, aber ungewöhnlich-kinky Bilder


Poster zum Film: "Satanische Sau" startet am 27. November 2025 im Kino

Denn es wird viel, aber nicht nur, um Nacktheit und Sex gehen in "Satanische Sau", dem neuesten Film von Rosa von Praunheim. Der Film-Essay kommt kurz nach seinem 83. Geburtstag ins Kino. Ein gutes Timing also, dass er, den manche als Kultregisseur, andere als Skandalnudel bezeichnen, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinandersetzt.

Einen Skandal wird "Satanische Sau" wohl nicht auslösen, die aktuelle moralische Messlatte liegt sogar für einen Rosa von Praunheim mittlerweile viel zu hoch. Und doch sind es zumindest ungewöhnlich-kinky Bilder, die der Regisseur einmal mehr auf die Leinwand bringt – und das liegt nicht nur an der für seine Filme so charakteristischen billigen Machart.

"Ich glaube an den Sex nach dem Tod"

Einen dicken Mann im Negligé, umgeben von halbnackten jungen Männern in Windeln, sieht man selbst im Programmkino selten. Und wenn der ihnen später Rosen in den Arsch schiebt – wirklich, nicht irgendwie metaphorisch! -, dann ist auch das ein ungewöhnlicher Anblick. Klingt pornografisch? Nicht wirklich. Auch die Provokation ist wohl nicht die große Absicht. Es ist einfach herrlich schwul.

"Ich glaube an den Sex nach dem Tod", sagte Rosa von Praunheim der "B.Z." anlässlich der Berlinale-Premiere im Februar. Ein wunderbarer Satz, markig und provokant. Und man glaubt es ihm, wenn man "Satanische Sau" gesehen hat: Völlig unverkrampft, frech und absurd setzt sich Rosa mit dem Tod, dem Sterben und der Sterblichkeit auseinander, genau wie mit der nicht mehr allzu langen Zukunft, die es bis dahin noch zu leben gibt. Ein offenbar sehr großer Teil davon: Sex.

Und dann trampelt Katy Karrenbauer auf seinem Bauch herum

Der Film, der in diesem Jahr mit dem Teddy-Award für die beste Doku ausgezeichnet wurde, ist noch unzusammenhängender und trashiger als frühere Werke. Zwischendurch wird ein Ausflug zum Nachbarn des Regisseurs eingestreut: Der hat nach 50 Jahren Partnerschaft seinen Mann verloren. Es sind nur wenige Minuten, die aber machen die Erfahrung von Verlust und Vergänglichkeit schmerzhaft erlebbar.

Ebenso eingewoben sind Archiv-Aufnahmen, die den Regisseur beim Boxen oder als Talkshow-Gast zeigen, außerdem ein kurzer Ausschnitt aus seinem Film "Ein Virus kennt keine Moral" von 1986, dem ersten deutschen Film über HIV und Aids. Zwischendurch fragt er noch nach der Hölle, seine Mutter wundert sich über das, was hier vor sich geht, und dann trampelt Katy Karrenbauer auf Armin Dallapiccolas Bauch herum.

Rosas radikale Schamlosigkeit

Das ist wild, das überfordert hier und da, und wahrscheinlich kann man "Satanische Sau" mehrmals sehen und in seiner Fülle an Absurdität immer wieder Neues entdecken. Einmal mehr setzt Rosa von Praunheim dabei auf eine ihm ureigene radikale Schamlosigkeit: Eine Tugend, die in Zeiten von nach Konformität strebender Individualität immer seltener wird. Wie das mit einer kreativen Sprengkraft einhergeht, ist in dieser Form einmalig.

Das alles ist großer Quatsch, der ungemein viel Spaß macht. Aber das Besondere an Rosas Trash, und das beweist "Satanische Sau" als essayistischer Film ganz besonders: Er weist über sich selbst hinaus. Viele werden das abtun, einige werden begeistert sein.

Infos zum Film

Satanische Sau. Docufiction, Deutschland 2025. Regie: Rosa von Praunheim. Cast: Armin Dallapiccola, Justus Herrmann, Nico Ehrenteit, Katy Karrenbauer, Gerhard Haase-Hindenberg. Laufzeit: 85 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 16. Verleih: missingFILMs. Kinostart: 27. November 2025
Galerie:
Satanische Sau
7 Bilder
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