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Hassrede im Bundestag

Martin Reichardt beschwert sich über "fanatisierte Queer-Meute"

Eigentlich sollte im Bundestag über den Haushalt des Bildungsministeriums debattiert werden. AfD-Politiker Martin Reichardt erregte sich in seiner Rede aber nur über angebliche "Regenbogenpropaganda".


Martin Reichardt bei seiner blutdruckerhöhenden Rede gegen queere Menschen (Bild: Screenshot / Parlamentsfernsehen)

  • Gestern, 10:26h 3 Min.

Der wegen seiner notorischen Queerfeindlichkeit bekannte AfD-Politiker Martin Reichardt hat am Dienstag bei den Etatberatungen für das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bundestag gefordert, den Posten der Queerbeauftragten abzuschaffen. In der polemischen Rede beschuldigte er die Bundesregierung, "staatliche Umerziehungspropaganda" zu betreiben.

Zudem warf er Familienministerin Karin Prien (CDU) vor, zu queerfreundlich zu sein: "Die Ministerin ist vollkommen angekommen im Regenbogen-Kasperltheater", so Reichardt. "Denn statt den woken Ideologie-Posten [der Queerbeauftragten] abzuschaffen, sieht ihr Haushalt 2025 nun eine üppige Erhöhung [...] vor". Man versorge sich gegenseitig in der "bunten linken Welt". "Das ist der Familienministerin offensichtlich wichtiger als die solide Unterstützung der Familien", mutmaßte der 56-Jährige. "Diese Regierung sollte sich schämen."

Tatsächlich hält sich das Budget für die Queerbeauftragte Sophie Koch (SPD) in Grenzen: Sie erhält laut den Etatplanungen für das Jahr 2026 eine Aufwandsentschädigung von 43.000 Euro sowie Verwaltungsausgaben von 700.000 Euro, etwa für Broschüren-Veröffentlichungen. Das ist weniger als halb so viel wie die Mittel für den ebenfalls im Familienministerium angesiedelten Antiziganismusbeauftragten und entspricht 0,0001 Prozent des Gesamthaushaltes.

Reichardt beschimpft demokratische Parteien als "Brandstifter"

In seiner Wutrede griff Reichardt auch die Queerbeauftragte an: "Eins verschleiert die Genossin Koch natürlich ganz bewusst: Dass es linke Kräfte sind, die unserem Volk seit über 50 Jahren einen gnadenlosen Kulturkampf aufzwingen", so Reichardt. "Ob Senkung der Bildungsstandards, Lufthoheit über den Kinderbetten, Verhöhnung von Hausfrauen und Vollzeitmüttern, Hetze gegen Heimatverbundenheit, und die Auflösung des Leitbilds der Familie. Sie sind die Brandstifter und haben mit ihrer demophoben (sic) Politik gegen den breiten Willen der Mehrheit unseres Volkes verbrannte Erde hinterlassen. Das ist Ihre historische Schuld."

Weiter benutzte er die AfD-typischen Schlagwörter: So sprach er von einem "wokem Irrweg" und behauptete, Kindern werde mit "staatlich geförderter Regenbogenpropaganda" oder "staatlicher Umerziehungspropaganda" der "gesunde Geist" vermiest. "Die breite Mehrheit der Bürger Deutschlands hat es satt, sich von einer verwirrten, fanatisierten und privilegierten Queer-Meute die Welt erklären zu lassen und das Normale zu kriminalisieren", so Reichardt. Er erklärte jedoch nicht, welches heterosexuelle Verhalten in Deutschland kriminalisiert ist.

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"Zirkuszelt" von Friedrich Merz kehrt zurück

Seine Rede schloss Reichardt mit einem Appell an CDU und CSU: "Verlassen Sie – insbesondere von der Union – das Zirkuszelt und werden Sie zu den Gegnern dieser Kasperbude." Deutschland werde es der Union danken, "wenn sie zu konservativen Werte zurückkehrt". Die "Zirkuszelt"-Äußerung bezieht sich auf eine Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz, der im Sommer das von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner verhängte Regenbogenfahnenverbot mit den Worten verteidigte, dass der Bundestag "kein Zirkuszelt" sei (queer.de berichtete).

Die SPD-Politikerin Jasmina Hostert kommentierte die Rede von Reichardt anschließend kurz mit den Worten: "Ich glaube, wir sollten jetzt das Zirkuszelt von Herrn Reichardt erstmal verlassen und zur Sachlichkeit kommen und zu den Herausforderungen, die wir wirklich in der Bundesrepublik haben."

Reichardt veröffentlichte unterdessen stolz seine triumphierend Rede auf Social Media – mit den Worten: "Meine heutige Rede wider die Queerideologie! Für den Schutz unserer Kinder und Familien!" (dk)

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