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Kinostart

Eine queere Ranch als Zufluchtsort für den schüchternen Twink

Der junge Tagelöhner Dylan landet eines Tages auf einer queeren Ranch – und seine Selbstfindung beginnt. Der Kinofilm "Nationalhymne" kehrt gängige US-Klischees um und zeigt, wie wichtig Utopien in aussichtslosen Zeiten sind.


Der schöne Dylan (Charlie Plummer) muss als Tagelöhner seine alleinerziehende Mutter mitfinanzieren (Bild: Cinemien)

Weite, trockene Landschaften, in denen allerhöchstens ein paar Büsche wachsen, dazu spektakuläre Canyons: So stellt man sich den Wilden Westen vor. Eine beeindruckende, aber eher lebensfeindliche Umgebung.

Und keine besonders queerfreundliche noch dazu: Dem Westen der Vereinigten Staaten hängt das Vorurteil an, konservativ und etwas zurückgeblieben zu sein – mit Ausnahme der Küste natürlich. Hier spielen immerhin die klassischen Western, ein Männergenre schlechthin mit seinen Cowboys, Ganoven und Knarren.

Dylan wird zum Ersatzvater


Poster zum Film: "Nationalhymne" startet am 27. November 2025 im Kino

Doch spätestens seit "Brokeback Mountain" ist klar, dass es den Wilden Westen auch in queer gibt. In einem ähnlichen Setting, aber ganz anders, präsentierte auch Pedro Almodóvar mit "Strange Way of Life" einen queeren Western.

Hier siedelt also auch Regisseur Luke Gilford seinen Film "Nationalhymne" an. Er bedient zwar viele Klischees, aber er bricht auch mit ihnen. In seinem Coming-of-Age-Drama muss Dylan (Charlie Plummer) als Tagelöhner seine alleinerziehende Mutter mitfinanzieren. Die Friseurin hat ein Alkoholproblem und zu wenig Kundschaft. Und er ist auch noch Vaterersatz für seinen kleinen Bruder Cassidy. Da muss der 21-Jährige schon mal seine Mutter daran erinnern, dass der Kleine noch seine Ohrentropfen nehmen muss.

Cowboyhut und Denimhemd

Hätte Dylan irgendeine Dating-App, würde er wahrscheinlich nicht viele andere Männer sehen: New Mexico ist ungefähr so groß wie Polen, hier wohnen aber nur knapp über zwei Millionen Menschen. Sicher käme der normschöne Twink aber gut an mit seinen längeren blonden Haaren, dem verträumt-unschuldigen Blick und den vollen Lippen.

Aber, das ist nicht New York, deshalb trägt Dylan fast immer einen Cowboyhut und entweder Karo- oder Denimhemd. Obwohl Charlie Plummer seine Rolle wirklich ordentlich spielt, wirkt er einfach etwas deplatziert und verkleidet, da kann er noch so viel nuscheln.

Die Ranch, ein queerer Safe Space

Dylan also gelangt durch einen Zufall für einen Job auf die "House of Splendor"-Ranch. Der junge Mann, der sich selbst als ziemlich langweilig bezeichnet, merkt schnell, dass das hier keine typische Ranch ist. Alle hier sind queer.

Zwar wird auch hier hart gearbeitet, die Menschen aber sind nett zueinander, sie unterstützen sich – also auch ihn. Hier erfährt er Verständnis und Zuneigung, was er von seiner Mutter offenbar nicht bekommt. Dylan findet Zugehörigkeit und ein offenes Ohr – auf einmal geht es auch mal um seine Bedürfnisse. "House of Splendor" ist ein kleiner queerer Safe Space, ein utopischer Ort.

Dylan lässt sich auf eine Dreiecksbeziehung ein

Wobei es solche Orte durchaus gibt: Der Vater von Regisseur Luke Gilford war professioneller Rodeoreiter und -juror – so kam er schon früh in Berührung mit dieser uramerikanischen Kultur. Doch später entdeckte er eine internationale queere Rodeo-Vereinigung – und machte einen Fotoband darüber. Darauf basiert sein erster Langfilm "Nationalhymne".

Dylan findet Gefallen an der trans Frau Sky (Eve Lindley), die aber mit Pepe (Rene Rosado) in einer offenen Beziehung lebt. Für den unerfahrenen Dylan ist das angeblich kein Problem, und so entwickelt sich eine Dreiecksbeziehung, von der abzusehen ist, wo sie wohl hinführt.

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Der Fokus liegt auf dem schwulen Schönling

"Nationalhymne" ist zwar ein eher konventioneller Film, eine stringente Erzählstruktur verfolgt das Drama aber nicht. Eher gelingt es ihm, die Atmosphäre auf der Ranch oder die Enge im Zuhause von Dylans Familie zu vermitteln. Den erkennbaren Mangel an Handlung kompensiert er gekonnt mit Drag-Shows oder Rodeo-Competitions – hier macht sich auch Luke Gilfords Erfahrung als Musikvideo-Regisseur bemerkbar.

Sicher sind die Figuren allesamt zu schablonenhaft gezeichnet. Dass einmal mehr der Fokus auf dem schwulen Schönling liegt, ist darüber hinaus leider keine Überraschung. Doch die Coming-of-Age-Geschichte überrascht doch in einigen Momenten. Und vor allem beschert sie den Glauben an eine queere Utopie, wo sie wohl kaum erwartet wird.

Infos zum Film

Nationalhymne. Drama. USA 2023. Regie: Luke Gilford. Cast: Charlie Plummer, Eve Lindley, Mason Alexander Park, Rene Rosado, Robyn Lively. Laufzeit: 99 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Cinemien. Kinostart: 27. November 2025
Galerie:
Nationalhymne
6 Bilder
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