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Heimkino
Die erotische Popkultur Italiens neu beleuchtet
Der Spielfilm "Diva Futura" ist ein tragikomisches, zuweilen melancholisches Stück Zeitgeschichte, das die Mechanismen einer Gesellschaft offenlegt, die zwischen Faszination und Empörung pendelt.

Riccardo Schicchi (Pietro Castellitto) ist ein idealistischer und verträumter Fotograf und Regisseur, dessen Lebenswerk die legendäre Agentur Diva Futura war (Bild: Busch Media Group)
- 27. November 2025, 09:31h 2 Min.
"Diva Futura" nimmt sich einer Figur an, die in Italien bis heute gleichermaßen fasziniert wie irritiert: Riccardo Schicchi, Fotograf, Unternehmer und selbsternannter Lebenskünstler, der die Grenzen zwischen Kunst, Kommerz und politischem Aktivismus beständig verwischte. Mit seiner Erotik- und Modelagentur Diva Futura erschuf er einen Mikrokosmos, der zur Keimzelle einer neuen, selbstbewussten Sexfilmindustrie wurde. Die von ihm geförderten Protagonistinnen – darunter Eva Henger, Cicciolina und Moana Pozzi – avancierten nicht nur zu Medienikonen, sondern prägten Debatten über sexuelle Selbstbestimmung, weibliche Sichtbarkeit und den Umgang mit öffentlicher Moral.
Zwischen Befreiung, Skandal und Popkultur

"Diva Futura" ist auf DVD, Blu-ray und digital erschienen
Der Film erzählt diese Geschichte aus der Sicht von Debora, die als junge Sekretärin in Schicchis chaotisches, gleichzeitig visionäres Umfeld gerät. Was als vermeintlich gewöhnlicher Job beginnt, entpuppt sich rasch als Eintrittskarte in eine Welt, in der Ideale von Freiheit, Körperlichkeit und provokanter Kunst aufeinandertreffen. Gemeinsam mit Schicchi erlebt Debora die ständigen Auseinandersetzungen mit Behörden, Moralwächtern und politischem Druck – immer begleitet von einem Lebensgefühl, das zwischen Aufbruchsstimmung, Glamour und existenzieller Unsicherheit changiert.
Die Grundlage des Films bildet der autobiografische Roman "Non dite alla mamma che faccio la segretaria" von Debora Attanasio, die in präzisen Beobachtungen die Widersprüche dieser Szene schildert. Regisseurin Giulia Louise Steigerwalt greift diesen vielschichtigen Stoff auf und verwebt persönliche Erzählungen mit einem atmosphärisch dichten Porträt der frühen 1990er-Jahre. Visuelle Anleihen bei Paul Thomas Anderson und Martin Scorsese verleihen der Inszenierung einen energiegeladenen Rhythmus, der sowohl Popästhetik als auch dokumentarische Schärfe transportiert.
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"Diva Futura" beleuchtet dabei nicht nur die Exzentrik eines Mannes, der sich gegen jede Form von Bevormundung stellte, sondern auch die Realität der Frauen, die an seiner Seite arbeiteten – zwischen Selbstermächtigung, medialer Überhöhung und permanentem gesellschaftlichem Druck. Der Film zeichnet ein komplexes, oft widersprüchliches Bild einer Branche, die gleichermaßen mit Fantasien spielt wie mit politischen Tabus kollidiert.
Das Ergebnis ist ein tragikomisches, zuweilen melancholisches Stück Zeitgeschichte, das die erotische Popkultur Italiens neu beleuchtet und zugleich die Mechanismen einer Gesellschaft offenlegt, die zwischen Faszination und Empörung pendelt. "Diva Futura", bei den Filmfestspielen von Venedig für den Goldenen Löwen nominiert, ist nun im Heimkino auf DVD, Blu-ray und digital (Amazon-Affiliate-Link ) verfügbar. (dd/pm)
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