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"Diabolisierung wenig hilfreich"
Fehlende Distanz zur AfD: Scharfe Kritik an dm
Kürzlich wurde die Drogeriemarktkette dm noch wegen ihres Pride-Engagements gelobt. Nun gibt es Kritik, weil sich der Konzern nicht deutlich von der rechtsextremen AfD abgrenzt.

dm-Markt in Köln: "Wer sich nicht von den Nazis distanziert, ist keine Anlaufstelle für mich" (Bild: Raimond Spekking / wikipedia)
- 27. November 2025, 10:51h 4 Min.
- Zu Update springen: dm distanziert sich von AfD und Brandmauer; Mitgliedschaft im Verband der Familienunternehmer schon länger beendet (11:55h)
Mit Rossmann und Vorwerk haben zwei große Unternehmen ihre Mitgliedschaft im Verband der Familienunternehmer gekündigt. Damit reagierten die beiden Firmen auf die Entscheidung des Verbands, das Kontaktverbot zur AfD aufzuheben. "Wir unterstützen die Haltung des Verbands nicht und haben die Mitgliedschaft gekündigt", sagte etwa eine Sprecherin von Rossmann.
Konkurrent dm bleibt hingegen dem Verband treu, was zu scharfer Kritik führt. Der größte europäische Drogeriekonzern hatte bislang wegen seiner Unternehmenskultur, seinem Einsatz für Nachhaltigkeit und sozialen Engagement ein gutes Image, auch in der queeren Community. Im Juli ergab eine Umfrage, dass dm unter 60 Marken das glaubwürdigste Engagement für die Pride-Bewegung habe (queer.de berichtete).
Instagram | dm-Werbung in der queeren Community
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Für Unruhe sorgten insbesondere Aussagen von dm-Chef Christoph Werner. Er verteidigte den Verband der Familienunternehmer für dessen Aufhebung des Kontaktverbots. So halte er es für grundsätzlich statthaft, Abgeordnete aller im Bundestag vertretenen Parteien zu Veranstaltungen einzuladen, also auch Rechtsextreme. In der "Süddeutschen Zeitung" (Bezahlartikel) sagte er, er halte eine "Diabolisierung für wenig hilfreich". Stattdessen müsse die politische Auseinandersetzung "differenziert über Inhalte geführt werden". Man wende sich gegen Ausgrenzung, "auch wenn manche uns dafür kritisieren".
"Sorry dm, auch ihr seid ersetzbar"
Auf Social-Media-Portalen wird dm seit Mittwoch mit Kritik überzogen. In hunderten Kommentaren drohen Kund*innen allein auf Facebook mit einem Boykott. "Wer sich nicht von den Nazis distanziert, ist keine Anlaufstelle für mich", schreibt eine Nutzerin. "Sorry dm, auch ihr seid ersetzbar", eine andere. Viele kündigten an, jetzt bei Rossmann ihre Drogerieeinkäufe tätigen zu wollen. Immerhin gebe es einen Ausweg, meint ein Ex-Kunde: "Wenn ihr aus dem Verband der Familienunternehmer austretet, der neuerdings eine menschenverachtende und gesichert rechtsextreme Partei an den Tisch holt, kaufe ich wieder bei euch ein."
Hintergrund des Streits ist, dass der Verband der Familienunternehmer zu seinem parlamentarischen Abend in Berlin im Oktober erstmals auch AfD-Abgeordnete eingeladen hatte. Dafür hatte der Verband laut Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann ein bis dahin auf Bundesebene geltendes "Kontaktverbot" zu der Partei aufgehoben.
Albrecht von der Hagen, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, soll an jenem Abend laut Medienberichten gesagt haben: "Diese Brandmauer zur AfD – auch auf Bundesebene, die von den meisten Verbänden bislang aufrechterhalten wurde – hat nichts gebracht. Wir verabschieden uns von den Brandmauern."
Der Verband der Familienunternehmer hatte in dieser Woche eine Stellungnahme veröffentlicht. Die Hoffnung, man könne ein Viertel der bundesdeutschen Wähler durch moralische Ausgrenzung zur Umkehr bewegen, sei nicht aufgegangen, sagte Präsidentin Ostermann. "Jetzt hilft nur noch die Auseinandersetzung mit den Inhalten der AfD, jenseits von schlichten Kategorisierungen in Gut und Böse."
Mit Andersdenkenden zu diskutieren, heiße dabei nicht, deren Positionen zu akzeptieren. Ostermann erklärte auch: "Wir Familienunternehmer wollen keine Regierung mit AfD-Beteiligung." Das Weltbild der AfD passe nicht zur freiheitlichen und marktwirtschaftlichen Grundüberzeugung des Verbands.
AfD hetzt gegen "Queer-Meute"
Die AfD stellt derzeit immer offener ihre Queerfeindlichkeit zur Schau. Erst am Dienstag hielt etwa der AfD-Politiker Martin Reichardt bei einer Haushaltsdebatte im Bundestag eine queerfeindliche Rede, in der er erzürnt über die "verwirrte, fanatisierte und privilegierte Queer-Meute" sprach, die Kinder gefährde (queer.de berichtete). (dk/dpa)
Update 11:55h: Stellungnahme: dm distanziert sich von AfD und Brandmauer; Mitgliedschaft im Verband der Familienunternehmer schon länger beendet
dm hat am Donnerstagvormittag auf Facebook zu den Vorwürfen Stellung genommen – und erklärt, dass man schon länger nicht mehr Mitglied beim Verband der Familienunternehmer sei: "Wie der Verband mit bestimmten Parteien umgehen möchte, entscheidet er gemeinsam mit seinen Mitgliedern. Wir haben unseren Austritt schon vor vielen Monaten erklärt und sind deshalb nicht mehr Teil der internen Meinungsbildung. Deshalb ist es nicht mehr unsere Aufgabe, dem Verband Ratschläge zu geben und wir äußern uns nicht zu aktuellen Diskussionen oder Entscheidungen." Unklar ist, warum dm-Chef Christoph Werner genau dies getan hatte.
Zur AfD schrieb dm, dass man die Positionen der rechtsextremen Partei ablehne, aber ebenso auch die "Brandmauer-Debatte": "Für uns zählt eine lebendige Demokratie, in der wir miteinander reden, statt uns weiter zu spalten und ein differenzierter und nicht polarisierender Austausch im Mittelpunkt steht. Diese Haltung leben wir jeden Tag – und haben sie zuletzt klar gezeigt." Die Stellungnahme ähnelt jener vom Verband der Familienunternehmer.

Stellungnahme von dm














