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"Warum verkleidet er sich nicht als Balu der Bär?"

Wieder Proteste gegen Vicky-Voyage-Lesung in München

Wie schon vor zwei Jahren machen rechte Kräfte gegen eine Lesung von Dragqueen Vicky Voyage vor Kindern und Eltern in München mobil – mit absurden Argumenten.


Vicky Voyage hat – sehr zum Ärger von AfD und Co. – Fans in jeder Altersklasse (Bild: Facebook / Vicky Voyage)

Am Montag soll Dragqueen Vicky Voyage wieder in München vor Familien vorlesen: In der Stadtbibliothek Moosach erwartet Familien mit Kindern ab fünf Jahren ein "Bilderbuchkino". "Hosen für Jungs und Röcke für Mädchen? Zwei Mamas oder zwei Papas? – Wer sagt eigentlich, was normal ist und was nicht?", heißt es im Ankündigungstext. "Drag-Queen Vicky Voyage zeigt bei diesem besonderen Bilderbuchkino, dass das Anderssein zum Leben gehört und dass alle so leben dürfen, wie sie es sich wünschen." Zu den Büchern, aus den Voyage vorliest, gehört etwa "Ein Tag im Leben von Marlon Bundo".

Doch erneut regt sich Widerstand gegen den Auftritt der Dragqueen: Vereinzelt gibt es auf Social Media Aufrufe von Rechtsextremen, die Drag-Lesung zu "stoppen".

Eine Online-Petition der christlich-fundamentalistischen Organisation CitizenGo gegen die Draglesung in der bayerischen Landeshauptstadt haben zudem inzwischen fast 30.000 Menschen unterzeichnet. Voyage sei "ein Mann, der sonst halbnackt vor anderen Männern auftritt", heißt es in dem empörten Schreiben zur Petition. "Wenn er Kindern ein Buch vorlesen will, warum verkleidet er sich dazu nicht als Balu der Bär oder als Räuber Hotzenplotz? Warum als Dragqueen?"

Für die Organisation führten Dragqueen-Lesungen "Kinder an eine Subkultur heran, wo es um Sex geht, nichts anderes". Die Lesungen verwischten "die Grenze zwischen Kinderveranstaltungen und der Sexualität Erwachsener".

Gegner*­innen derartiger Veranstaltungen werfen Dragqueens immer wieder pauschal vor, Kinder zu "sexualisieren". Insbesondere aus rechten Kreisen wird jegliche Sichtbarkeit von Menschen, die nicht traditionell aussehen oder leben, als Gefahr gesehen – seien es Dragqueens oder Menschen anderer Religionen oder Hautfarben. Vor allem die AfD macht Stimmung gegen Dragqueen-Lesestunden – erst letzte Woche kündigte sie einen großen Protest gegen eine Lesung in Berlin an, zu der aber nur wenige Dutzend Rechtsextreme kamen (queer.de berichtete).

In der Wirklichkeit werden derartige Lesungen in pädagogischen und bibliothekarischen Fachkreisen als wertvoll eingestuft, wenn sie gut vorbereitet sind und altersgerechte Inhalte bieten. Drag-Künstlerinnen würden etwa spielerisch zeigen, dass es verschiedene Arten gibt, sich zu kleiden und auszudrücken, dass Rollenbilder nicht starr sein müssen und dass Anderssein nichts Beängstigendes sein muss. Das fördere soziale Kompetenz, Empathie und Offenheit. Zudem stärke es das Selbstwertgefühl von Kindern, wenn ihnen gezeigt werden, dass sie so sein dürfen, wie sie möchten – auch jener, die nicht in traditionelle Schubladen passen.

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2023 protestierten queerfeindliche Kräfte gegen Vicky-Voyage-Lesung

Bereits 2023 hatte eine Draglesung von Vicky Voyage für Aufregung in München gesorgt – nicht nur die AfD, sondern auch Politiker*innen von Union, Freie Wählern und sogar der SPD machten Stimmung gegen das Event. Aus der CSU kamen Forderungen nach einem Drag-Verbot, die frühere CDU-Bundesfamilienministerin Kristina Schröder brachte Dragqueens pauschal mit Pädophilie in Zusammenhang, Vizeministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bezeichnete die Lesungen als Gefährdung des Kindeswohls und der Münchner SPD-OB Dieter Reiter zeigte für "diese Art Programm kein Verständnis".

Zuletzt fühlten sich Drag-Gegner*innen in Deutschland bestärkt, nachdem im Oktober Berichte auftauchten, wonach gegen die Berliner Dragqueen Jurassica Parka wegen des Vorwurfs des Besitzes von kinderpornografischen Inhalten ermittelt werde. Später kam heraus, dass sie bereits wegen eines derartigen Deliktes vorbestraft ist.

Zwar beendeten ehemalige Kolleginnen wie Margot Schlönzke schnell die Zusammenarbeit mit Parka und betonten, dass der Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt nicht verhandelbar sei. Dennoch versuchen die AfD und teilweise auch konservative Kräfte seither, alle Dragqueens für das mutmaßliche Vergehen in Sippenhaft zu nehmen. Auch in der CitizenGo-Petition wird der Fall um Jurassica Parka als Beispiel dafür genannt, warum alle Dragqueens gefährlich seien. "Es geht nicht mit rechten Dingen zu, wenn ein Mann im Frauenkostüm Kontakt zu Kindern sucht", heißt es darin.

"Einlassvorbehalt" bei Münchner Lesung

Die Stadtbibliothek Moosach hat angesichts des Hasses gegen das Event betont, dass es einen "Einlassvorbehalt" gebe: "Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische, sexistische, LGBTIQ*-feindliche oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen." (cw)

Update 29.11.: Kundgebung für Vielfalt geplant

Das Bündnis "München ist bunt" hat für Montag ab 15:30 Uhr zu einer Demonstration "Vielfalt schützen" vor der Stadtbibliothek Moosach aufgerufen, um Solidarität mit Vicky Voyage und der Stadtbibliothek zu zeigen.

-w-