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Weltpremiere
"Heated Rivalry" – die heißeste Serie des Jahres
Am Freitag wurden die ersten beiden Folgen der neuen kanadischen Serie "Heated Rivalry" veröffentlicht: Erzählt wird die Geschichte zweier junger Eishockey-Profis, die sich ineinander verlieben.

Heimliche schwule Liebe in der Major League Hockey: Shane Hollander (Hudson Williams) und Ilya Rozanov (Connor Storrie) in "Heated Rivalry". Mehr Szenenbilder zeigen wir in der unten verlinkten Galerie (Bild: HBO)
- Von Anna-Lena Malter
28. November 2025, 13:35h 6 Min.
Rivals to Lovers und Enemies to Lovers gehören zu den beliebtesten Tropes der romantischen Literatur. Die neue kanadische Serie "Heated Rivalry" lässt sich am besten in diesem Bereich verorten und ist gleichzeitig so viel mehr. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Rachel Reid, die sechs Bücher über queere Eishockeyspieler geschrieben hat und sich darin deutlich gegen toxische Männlichkeit im Sport positioniert. Jacob Tierney schrieb das Drehbuch und führte Regie bei allen sechs Episoden der Adaption.
Im Mittelpunkt stehen Connor Storrie als Ilya Rozanov und Hudson Williams als Shane Hollander. Die beiden treffen sich als 18-Jährige zum ersten Mal, zwei Ausnahmetalente, die früh als die besten Spieler ihrer Generation gehandelt werden. Von Beginn an knistert es zwischen ihnen, und schon ihre erste Begegnung auf dem Eis lässt erahnen, dass diese Geschichte mehr sein wird als nur sportliche Konkurrenz.
Zwei Talente, die das Eis zum Schmelzen bringen
Storries Ilya ist auf den ersten Blick ein archetypischer russischer Bad Boy: überheblich, unantastbar, mit Zigarette im Mundwinkel lässig gegen eine Wand gelehnt. Doch seine Coolness ist nie bloße Pose. Storrie füllt sie mit einer feinen Mischung aus Müdigkeit, Trotz und innerer Anspannung. Hinter seinem arroganten Lächeln schimmert der Druck seiner Familie, die Erwartungen eines ganzen Landes und die stille Härte eines jungen bisexuellen Mannes, der in Russland zu früh lernen musste, eine Rüstung anzulegen. Besonders hervorzuheben: sein glaubwürdiger russischer Dialekt – bemerkenswert für einen gebürtigen Texaner.
Shane ist im Buch halb Kanadier, halb Japaner; Williams, dessen Mutter koreanischer Abstammung ist, trägt die Identität eines ostasiatischen Mannes selbstbewusst und selbstverständlich in die Rolle. Gerade in einer Woche, in der wieder diskutiert wurde, wie selten ostasiatisch gelesene Schauspieler*innen romantische Hauptrollen erhalten, wirkt seine Besetzung wie ein wichtiges Zeichen und als Beweis dafür, dass sich Hollywood endlich mehr trauen muss. Shane ist vollständig auf Eishockey fixiert und wirkt manchmal unbeholfen im sozialen Umgang. Er ist schüchtern, meidet das Rampenlicht und ordnet sogar während seiner leidenschaftlichen Begegnungen mit Ilya immer erst seine Kleidung ordentlich zusammen. Williams zeigt die stille Verletzlichkeit und den verbissenen Ehrgeiz dieser Figur mit Präzision und viel Herz.
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Die Liga und die Medien versuchen, die beiden zu bitteren Rivalen aufzubauen. Trotz aller Konkurrenz auf dem Eis begegnen sie sich im Privaten jedoch mit Respekt und relativer Offenheit. Ilya fragt Shane mehrfach, ob alles in Ordnung sei, bevor und während sie das erste Mal miteinander schlafen. Selbst in hitzigen Momenten bleibt immer Zeit für Zustimmung. Doch ganz können sie ihre Rivalität nicht hinter sich lassen: Selbst der Weg ins Schlafzimmer wird zum Wettrennen. Trotz der starken Chemie schaffen es beide jedoch nicht, offen über ihre Gefühle zu sprechen. Ilya hat Angst vor Nähe, und Shane fürchtet ein mögliches Outing.
Keine Angst vor Körperlichkeit und atemloses Erzähltempo
"Heated Rivalry" erzählt die Beziehung zwischen Ilya und Shane in einem hohen Tempo. Bereits in der ersten Folge ziehen sich beide aus, es kommt zu Blowjobs und Handjobs. Und das spiegelt auch den Kern der Serie wider: Shane und Ilya sind gerade mal 18 Jahre alt, voller Hormone und auf dem Weg, Hockeystars zu werden. Tierney nimmt das Genre ernst und zeigt queere Intimität ohne Fade Out oder Ausweichbewegungen. Nackte Hintern, inszenierte Blowjobs und halb ausgeleuchtete Nahaufnahmen von penetrativem Sex bestimmen viele Szenen. Trotz aller Offenheit bleibt erstaunlich viel der Fantasie überlassen: Dank cleverer Kameraführung sowie strategisch platzierten Decken und Handtüchern bleibt unterhalb der Gürtellinie konsequent alles verborgen. Die Altersfreigabe ab 18 wirkt überzogen, da Filme wie "Fifty Shades of Grey" mit FSK 16 deutlich grafischer waren und zudem weniger sensibel mit Sexualität und Macht umgingen. Gleichzeitig wurde etwa "Royal Blue" bereits ab 12 Jahren freigegeben, obwohl es dort ebenfalls zu vergleichbaren Sexszenen kam.
Bei aller erotischen Intensität hätte der Serie gelegentlich ein ruhigerer Moment gutgetan. Die Buchvorlage lebt stark von inneren Monologen, die in der Serie kaum Platz finden. Zuschauende, die die Romane nicht kennen, könnten Schwierigkeiten haben, den emotionalen Entwicklungen zu folgen. Im Buch sind es gerade die kleinen Momente, wo die Beziehung zwischen Ilya und Shane wächst, wo sie als Charaktere langsam lernen, auf ihr Herz zu hören und die Angst hinter sich zu lassen.
Hoffen auf eine zweite Staffel
Schon nach dem ersten penetrativen Sex wird beiden Charakteren klar, dass es mehr ist als ein Flirt oder ein Ventil für den sportlichen Druck. Ilya flieht, natürlich lässig und cool wirkend, und lässt Shane allein zurück, bei dem sich die Gay-Panic im Gesicht ausbreitet. Manchmal würde man in solchen Momenten so gerne durch den Bildschirm greifen, beide Charaktere rütteln und schreien "Was ist los mit dir? Siehst du nicht, wie er dich ansieht? Sei kein Feigling und sag, was du empfindest!"
Aber das passt zu den Charakteren. Sie sind jung, dumm in Sachen offenerer Kommunikation und denken immer noch lieber daran, den anderen bei dem nächsten Turnier zu schlagen, als sich die eigenen Gefühle einzugestehen. Aber genau deshalb will man weiterschauen und hofft auf eine nächste Staffel. Denn die Geschichte von Shane und Ilya geht mit "The Long Game" weiter. Neben "Heated Rivalry" und "The Long Game" gibt es noch vier weitere Romane in Reids "Game Changer"-Reihe, und neue Figuren, wie Scott Hunter (François Arnaud), wurden in der Serie bereits eingeführt.
Es geht um Themen, die universell sind
Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass die sexuelle Orientierung der Darsteller bisher kein Thema war, und es hoffentlich auch nicht sein wird. Niemand möchte eine Wiederholung des Falles Kit Connor ("Heartstopper") erleben, der als Minderjähriger zu einem unfreiwilligen Coming-out gedrängt wurde. Hudson Williams und Connor Storrie spielen ihre Rollen mit Sinnlichkeit, Präsenz und Überzeugungskraft. Als Schauspieler haben beide ihren Job hervorragend erfüllt.
Die Serie zeigt, dass homosexuelle Liebe denselben Raum in Film und Fernsehen verdient wie heterosexuelle Beziehungen. Tierney versteht Reids Vorlage und deren Kern. Am Ende geht es um Beziehungen, Liebe und Intimität. Themen, die universell sind und nicht auf ein bestimmtes Geschlechtspaar beschränkt bleiben sollten.
"Heated Rivalry" läuft in den USA und in Australien auf HBO Max, in Kanada auf Crave. Ob und wann die Serie regulär in Deutschland zu sehen sein wird, ist derzeit noch offen. Eine deutsche Übersetzung der Romanvorlage ist als E-Book (Amazon-Affiliate-Link ) erhältlich. Am 11. Dezember 2025 erscheint im Second Chances Verlag auch eine Printausgabe (Amazon-Affiliate-Link ).
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