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TV-Tipp

Eine Gaunerinnen-Komödie, wie man sie im ZDF noch nicht gesehen hat

Im TV-Film "Gar kein Geld macht auch nicht glücklich" hat eine Virologin einen HIV-Impfstoff entwickelt, doch ein Kollege stiehlt die Forschung. Nach einem gescheiterten Rache-Coup heckt sie mit ihren Schwestern einen neuen Plan aus.


So cool, wie Lesley (Julia Becker, l.), Olivia (Sara Fazilat, M.) und Kim Hansen (Katharina Wackernagel, r.) sich den Einbruch in den Tresorraum einer Bank vorgestellt haben, lief es leider nicht. Sie wurden erwischt (Bild: ZDF / Gordon Timpen)

Ein HIV-Impfstoff wäre ein Meilenstein. Nicht nur für die Gesundheit auf der ganzen Erde, sondern auch für den Kontostand der Entwickler*innen. Der Virologin Kim Hansen ist gelungen, woran Forschende seit Jahrzehnten arbeiten. Doch ihr Kollege Christian, den alle nur bei seinem Nachnamen Heisinger nennen, hat ihr die Forschung gestohlen.

Es ist nicht ganz klar, warum sie und ihre zwei Halbschwestern Lesley und Olivia deshalb in einen komplett roten Banktresor einbrechen – aber es sieht gut aus. Nur leider geht der Rache-Coup schief. Die drei landen im Gefängnis.

Olivia ist froh, nach dem Knast zurück bei Frau und Tochter zu sein

Fünf Jahre später steht der HIV-Impfstoff kurz vor der Zulassung. Pünktlich dazu kommen die Schwestern aus dem Knast. Kim ist in der Haft nicht zur Ruhe gekommen. Sie will immer noch für Gerechtigkeit und Anerkennung kämpfen – und natürlich für ihren Anteil an den Gewinnen.

Nur ihre zwei Schwestern, die haben keine Lust mehr auf kriminelle Aktionen. Lesley will mit ihrem Partner einen Imbiss betreiben. Und Olivia ist froh, zurück bei ihrer Frau und der gemeinsamen Tochter zu sein.

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Ein ungewöhnlicher Film für die Primetime

Doch Kim spürt, dass die Schwestern immer noch kriminelle Energien in sich tragen. Sie muss sie nur wieder wecken – was nicht allzu schwer ist. Also hecken sie erneut einen Plan aus: Bei der Investor*innen-Konferenz der Pharmafirma soll die Wahrheit ans Licht kommen.

Schon die Story von "Gar kein Geld macht auch nicht glücklich" klingt so gar nicht nach typischem ZDF-Fernsehfilm, und erst recht nicht nach Primetime. Schön, dass sich der Sender hier was traut. Kreative Überraschungen werden im linearen Programm ja gerne nach Mitternacht versteckt, so wie der beeindruckende Film "No Dogs Allowed" aus dem vergangenen Jahr über einen pädophilen Teenager, der selbst zum Opfer wird.

Dem Publikum mehr zutrauen

Doch der Film von Regisseur Jonas Grosch nach einer Geschichte von Maike Rasch bringt als Gaunerinnen-Komödie nicht nur ein Genre voller Potenzial ins Fernsehen. Auch optisch hebt sich "Gar kein Geld macht auch nicht glücklich" deutlich von anderen Produktionen ab. Die Kamera von Fabian Spuck ist immer in Bewegung, springt schnell vor oder zurück und umkreist die Figuren – ein zeitgemäßer Look, der Spaß beim Zuschauen macht. Der großzügige Popmusik-Einsatz von Billie Eilish, den Pussycat Dolls oder einem "Staying Alive"-Cover ergänzen den Stil.

Trotz gutem Story-Gerüst schafft es der Film leider nicht, so manche typisch deutsche Eigenheiten abzulegen: Vieles wird explizit ausgesprochen – die Figuren erklären einander stellvertretend fürs Publikum die Zusammenhänge. Da könnte man den Zuschauer*innen wirklich mehr Verständnis zutrauen oder Mut zur Lücke beweisen.

Zusammenhalt und Rache

Um so manchen Logikfehler kommt das Heist-Movie nicht herum, hier und da könnte auch die Story noch rasanter voranschreiten. Und leider hält sich die Komödie oft für lustiger, als sie tatsächlich ist – aber ein Witz über genderneutrale Toiletten bedient vielleicht das lineare Stammpublikum, Durchschnittsalter 2022: 65 Jahre.

Aber dennoch ist "Gar kein Geld macht auch nicht glücklich" eine deutsche Gaunerinnen-Komödie, wie sie im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wohl noch nie gezeigt wurde. Trotz Schwächen weiß die Komödie mit vielen guten Ideen und Überraschungen zu unterhalten – und einige relevante Themen zu transportieren: Vielfalt, weibliche Selbstbestimmung, Ungerechtigkeit in der Arbeitswelt, Zusammenhalt und Rache – das alles wird hier gekonnt beiläufig miterzählt.

Infos zum Film

Gar kein Geld macht auch nicht glücklich. Fernsehfilm. Deutschland 2025. Regie: Jonas Grosch. Cast: Katharina Wackernagel, Julia Becker, Sara Fazilat, Christoph Bach, Jan Kampmann, Franziska Hartmann, Jacob Matschenz, Marc Hosemann, Milan Peschel, Maggie Valentina, Salomon, Alexander Khuon, Sammy Scheuritzel, Nina Bott. Laufzeit: 88 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. Ab Samstag, den 29. November 2025 um 10 Uhr für ein Jahr in der ZDF-Mediathek. TV-Ausstrahlung am Montag, den 8. Dezember 2025 um 20.15 Uhr im ZDF.
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