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Heimkino

Obsession für einen schwulen Zwilling

In der großartigen schwarzen Komödie "Twinless" treffen sich ein Schwuler und ein Hetero in einer Selbsthilfegruppe für Menschen, die den Tod ihres Zwillings verarbeiten müssen – und werden rasch enge Freunde. Doch einer der beiden lügt.


Dylan O'Brien in "Twinless" (Bild: Roadside Attractions)

Wer Dylan O'Brien bisher nur aus "Teen Wolf" (2011-2017) oder den "Maze Runner"-Filmen (2014-2018) kannte, wird in der queeren Dramödie "Twinless" (Amazon-Affiliate-Link ) eine Überraschung erleben. Die schauspielerische Bandbreite des 34-Jährigen, der es sich inzwischen leisten kann, seine Projekte nach persönlichem Interesse auszusuchen, hat sich enorm erweitert – oder wurde bisher schlicht nicht im gleichen Maß gefordert.

In seinem neuen Film spielt der heterosexuelle O'Brien den heterosexuellen Roman und seinen schwulen Zwillingsbruder Rocky. Letzterer ist gerade bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, was Romans Leben ziemlich heftig aus der Bahn wirft. In der Hoffnung, mit seiner Trauer etwas besser klarzukommen, besucht er eine Selbsthilfegruppe mit anderen, die ebenfalls ihren Zwilling verloren haben. Dort trifft er auf Dennis (James Sweeny). Schnell ist klar, dass dieser schwul ist, was Roman vielleicht auch deshalb anspricht, weil sein Bruder dies ja ebenfalls war.

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Nach Perspektivenwechsel plötzlich alles anders


Poster zum Film: "Twinless" ist seit 27. November 2025 als Video-on-Demand bei Prime Video erhältlich

Die beiden verstehen sich auf Anhieb, und schon bald gehen sie miteinander einkaufen und verbringen mehr und mehr Zeit zusammen. Sie scheinen sich gegenseitig ein Ersatz für den verlorenen Zwilling zu sein. Als sie einmal abends zusammen unterwegs sind, werden sie prompt von einem Dreiergrüppchen als "Schwuchteln" beschimpft. Während Dennis dies einfach ignorieren will, reagiert Roman sofort und konfrontiert die drei. Die folgende Prügelei gewinnt er dank Kampfsport-Erfahrung spielend.

Und so scheint sich alles recht positiv für die beiden Trauernden zu entwickeln, bis der Film plötzlich die Perspektive von Roman zu Dennis wechselt und einen Zeitsprung rückwärts macht. Wir verfolgen, wie Dennis zufälligerweise Rocky kennenlernt, Romans Zwilling. Wie er sich nach einem tollen Abend mit leidenschaftlichem Sex auf Anhieb in ihn verliebt, doch auf seine Textnachrichten tagelang keine Antwort bekommt. Und dann stellt sich heraus, dass es da noch ein paar mehr Dinge gibt, die Dennis Roman bisher verschwiegen hat.

Freud und Leid eines Zwillings

So sehr man sich wünscht, dass die schöne neue Freundschaft zwischen den beiden das alles irgendwie übersteht, so gespannt wartet man auch auf den Moment, in dem Dennis' Lügengebäude zusammenbricht und wie Roman damit umgeht. Davor jedoch stellt sich heraus, dass auch Roman einige Dinge bisher für sich behalten hat – etwa, dass er längst nicht immer so locker drauf war gegenüber Schwulen wie heute.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zum Film
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"Twinless" ist ein komplexer, berührender und immer wieder auch sehr witziger Film, der zudem allen Nicht-Zwillingen eine Idee gibt, wie es sein muss, mit jemandem aufzuwachsen und zu leben, der gleich aussieht und einem so nahe steht wie sonst niemand. Schon in den ersten Minuten, bei Rockys Beerdigung, kommen längst nicht alle Gäste damit klar, dass da einer am Grab steht, der genauso aussieht wie der gerade Verstorbene, um den sie trauern.

Hinter dem kleinen Meisterwerk steht der schwule James Sweeny, den Zwillinge schon lange fasziniert haben. Er hat das Drehbuch verfasst, führte die Regie und übernahm auch gleich die zweite Hauptrolle. Allerdings dauerte es mehrere Jahre, die Produktion auf den Weg zu bringen, was Sweeny und O'Brien viel Zeit gab, jene enge Beziehung zu entwickeln, die im Film so überzeugend rüberkommt.

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Bereits einige Preise gewonnen

In Interviews berichtete Dylan O'Brien, dass er sich beim Lesen des Drehbuchs sofort mit beiden seiner Figuren enorm verbunden fühlte und den Film trotz aller Verzögerungen unbedingt realisieren wollte. Sweeny sei zudem sehr hilfreich gewesen, um den schwulen Rocky zu spielen. "Er sagte mir immer, wenn ich 'zu hetero' rüberkam." James Sweeny wiederum stand vor der Herausforderung, sich selbst anzuleiten und dabei seinen Charakter als überaus sympathisch und gleichzeitig leicht derangiert zu spielen – ein Balanceakt, der ihm bemerkenswert gut gelingt.

Bei seiner Premiere am Sundance Festival im Januar 2025 erhielt "Twinless" gleich zwei Auszeichnungen: den Schauspiel-Spezialpreis der Jury für Dylan O'Brien, außerdem den Publikumspreis für das Beste Drama. Am Seattle International Film Festival folgte eine Auszeichnung für James Sweeny als Bester Regisseur. Und obwohl auf einen Kinostart in Deutschland verzichtet wurde, werden wohl noch einige Preise hinzukommen.

Infos zum Film

Twinless. Dramödie. USA 2025. Regie: James Sweeney. Cast: Dylan O'Brien, Lauren Graham, Akira Chantaratananond, James Sweeney, Aisling Franciosi. Laufzeit: 100 Minuten. Sprachen: deutsche Synchronfassung, englischer Originalfassung. Untertitel: Deutsch, Englisch (optional). FSK 16. Sony Pictures. Seit 27. November 2025 als Video on Demand bei Prime Video

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