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IDFA 2025

Fünf neue queere Dokus, auf die wir uns freuen!

Im November fand in Amsterdam wieder das größte Dokumentarfilmfestival der Welt statt. Diese Filme mit queeren Inhalten sind hoffentlich demnächst auch im deutschsprachigen Raum zu sehen.


Szene aus dem Dokumentarfilm "We Are Pat" von trans Filmemacher*in Ro Haber (Bild: IDFA)

Wie in jedem November seit 1988 fand auch in diesem Jahr wieder das International Documentary Film Festival Amsterdam, kurz IDFA, statt. Kaum ein anderes Filmfestival auf der Welt, das sich dokumentarischen Arbeiten widmet, kann es mit dem IDFA aufnehmen in Sachen Relevanz und vor allem Größe. Allein in diesem Jahr wurden für die Kino-Vorstellungen über den Verlauf von zehn Tagen mehr als 250.000 Tickets gelöst.

Unter den rund 250 Filmen im diesjährigen IDFA-Programm ließen sich auch 2025 wieder jede Menge queere Filme finden, wie wir bei einem Abstecher nach Amsterdam feststellten. Fünf Highlights stellen wir hier kurz vor – und drücken die Daumen, dass sie auf dem einen oder anderen Weg auch ihren Weg zu einem deutschen Publikum finden werden.

Our Body Is An Expanding Star

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Eine Weltpremiere wie gemacht fürs IDFA war "Our Body Is An Expanding Star", der im Envision-Wettbewerb zu sehen war. In regulären Kinos hat ein Film wieder dieser es schwer, hat er doch weder eine Handlung noch ein wirkliches Narrativ und letztlich auch keine Botschaft im eigentlichen Sinne. Vielmehr ist das Werk der Regisseurin Tania Hernández Velasco und ihres Bruders Semillites Hernández Velasco, einem als Künstler in Kanada lebenden trans Mann, so etwas wie eine künstlerische Umsetzung von Gedanken und Gefühlen, ebenso intim wie intellektuell, metaphorisch aufgeladen und traumartig-poetisch. In sehr persönlichen Worten, Animationen und extremen Nahaufnahmen von Landschaften, Pflanzen oder der eigenen Haut loten die queeren Geschwister ihre Beziehung zueinander, zu ihren Körpern sowie zu ihren Wurzeln im ländlichen Mexiko aus. Kein Film, der sich jedem auf Anhieb erschließt, aber einer, auf den sich einzulassen unbedingt lohnt.

Mohammed & Paul – Once Upon a Time in Tangier

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Paul Bowles mag nicht der berühmteste US-Schriftsteller sein, den es im 20. Jahrhundert nach Marokko verschlug. Aber keiner von ihnen lebte und arbeitete dort so dauerhaft wie der bisexuelle, mit einer lesbischen Frau verheiratete Autor, Übersetzer und Komponist, der in Tanger unter anderem seinen berühmtesten Roman "The Sheltering Sky" schrieb und dort bis zu seinem Lebensende 1999 50 Jahre lang fast ununterbrochen wohnte. Der niederländische Regisseur Nordin Lasfar, der selbst marokkanische Wurzeln hat, erzählt nun von der langjährigen und komplizierten Beziehung Bowles zum jungen Marokkaner Mohammed Mrabet, der seinerseits zwar Analphabet, aber ein fantastischer Geschichtenerzähler war. Letzterer kommt, genau wie andere Wegbegleiter*innen Bowles, ausführlich zu Wort, ohne je zu bestätigen, dass das Verhältnis der beiden Männer auch ein sexuelles war. Dass Bowles, der alles andere als frei von Rassismus war, Mrabets Geschichten literarisch ausschlachtete, ohne ihn dafür gebührend zu kompensieren, und letzterer seinerseits regelmäßig seinen Freund beklaute, ist dagegen zentrales Thema in "Mohammed & Paul – Once Upon a Time in Tangier".

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We Are Pat

Anfang der 1990er Jahre gehörte Pat zu den populärsten Sketch-Figuren der legendären Show "Saturday Night Live". Erdacht und gespielt von der Komikerin Julia Sweeney war Pat eine androgyn wirkende, unvorteilhaft gekleidete und unerschütterlich frohgemut auftretende Person, von der jedes Gegenüber immer nur wissen wollte: Ist das nun ein Mann oder eine Frau? Warum diese gleichermaßen fragwürdige wie konfuse Figur und ihre größtenteils schlecht gealterten (und meist implizit transfeindlichen) Sketche damals so erfolgreich war, aber eben auch ganz besonders bei damals jungen queeren, trans und nichtbinären Komiker*innen einen besonderen Nerv traf, eruiert trans Filmemacher*in Ro Haber in "We Are Pat". Sweeney und einige Zeitgenoss*innen kommen zu Wort, aber den meisten Raum nehmen – neben alten "It's Pat"-Ausschnitten – trans und nichtbinäre Personen aus dem Comedy- und Entertainment-Bereich ein, die diese einstmals medial omnipräsente und aus heutiger Sicht problematische Figur mit ganz neuer, queerer Bedeutung aufladen. Darunter River Gallo, Joey Soloway, Brontez Purnell, River Butcher, Murray Hill oder Roz Hernandez.

Queer as Punk


Szene aus "Queer as Punk", ein Trailer wurde bislang nicht veröffentlicht (Bild: IDFA)

Schon im Forum der Berlinale sorgte "Queer as Punk" für Begeisterung, nun gehörte der Film von Regisseurin Yihwen Chen auch in Amsterdam zu den Publikumslieblingen. Sie begleitet darin über mehrere Jahre die LGBTI-Punkband Shhh… Diam! (heißt übersetzt in etwa das Gleiche wie "Shut up!") aus Malaysia. Zwischen ihrer Kultur und ihrem Kampf, Alltag und Angst sieht man das Leben dieser Musiker*innen und ihrer Wahlfamilie in einem muslimischen und queerfeindlichen, aber vor Veränderungen nicht gefeiten Land. Das Ergebnis ist ein Film, der so ist wie seine Protagonist*innen: witzig, energiegeladen, nie hoffnungslos, sondern wacker, mutig und rebellisch.

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kiss kiss bang bang

Direktlink | Trailer "kiss kiss bang bang"
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Nicht nur für abendfüllende Filme gibt es beim IDFA Platz, sondern auch für kleine, spezielle Arbeiten, so wie den niederländischen Halbstünder "kiss kiss bang bang". In seinem Abschlussfilm begleitet der Regisseur Ollie Launspach seine eigene Transition – und richtet den Fokus dabei vor allem auf seine Lebensgefährtin Sterre. So persönlich und intim wie dieser tagebuchartige Film voller Fragen und tiefschürfenden Antwort-Versuchen war beim diesjährigen Festival in Amsterdam kaum ein anderer.

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