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Welt-Aids-Tag
"Wacht endlich auf!": Warnung vor dramatischer Rückkehr von Aids
Zum Welt-Aids-Tag warnen Aids- und LGBTI-Organisationen vor einer Rückkehr von HIV – und appellieren an die Bundesregierung, nicht an der falschen Stelle zu sparen.

Gedenken an die Aids-Opfer in Indien: Freiwillige und Sexarbeiter*innen zünden Kerzen an (Bild: IMAGO / ZUMA Press Wire)
- 1. Dezember 2025, 10:36h 3 Min.
Mit einem drastischen Weckruf lenken die Deutsche Aidshilfe (DAH) und zahlreiche Erstunterzeichner*innen anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember die Aufmerksamkeit auf die dramatischen Rückschritte bei den globalen Maßnahmen gegen HIV und Aids. Die nationalen Regierungen, einschließlich der Bundesregierung, werden aufgefordert, die "Notsituation" endlich klar zu sehen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Zu den Unterzeichnenden gehören unter anderem die HIV-Mitentdeckerin und Nobelpreisträgerin Françoise Barré-Sinoussi, die ehemalige Bundestagspräsidentin und Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth (CDU), die ehemalige Bundesverfassungsrichterin Susanne Baer sowie Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Mit Conchita Wurst, Georg Uecker und Barbie Breakout sind auch offen HIV-positive Prominente dabei.
"Der Welt-Aids-Tag ist dieses Jahr wieder wörtlich zu nehmen: Es geht wieder um die ganze Welt und es geht wieder um Aids", erklärte DAH-Vorstandsmitglied Sven Warminsky. "Menschen mit HIV brauchen unsere Solidarität wie lange nicht mehr. Wir haben die Wahl: Beenden wir Aids oder lassen wir die Pandemie zurückkehren? Im Moment wird eine globale Katastrophe mit Millionen Toten, Infektionen und Waisen vorprogrammiert."
Drastische Kürzungen weltweit – auch die Bundesregierung spart bei HIV/Aids
Die bisherigen Reaktionen auf die Entwicklung seien "völlig unzureichend". Daher müsse die Bundesregierung jetzt aktiv werden und mehr finanzielle Mittel bereitstellen. Hintergrund ist, dass die Bundesregierung angekündigt hat, ab dem kommenden Jahr die finanziellen Mittel aus Deutschland für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV um knapp ein Viertel zu kürzen – gleichzeitig steigen die HIV-Neuinfektionszahlen auch in Deutschland (queer.de berichtete). Drastische Kürzungen der USA bedrohten zudem die Erfolge der letzten Jahrzehnte im Kampf gegen HIV und Aids.
"Wer in stark von HIV betroffenen Ländern die Maßnahmen einstellt, die zum Erfolg geführt haben, wird das Elend zurückholen, das wir gerade fast überwunden hatten", so Warminsky weiter. "Menschen mit HIV verlieren ihre Therapie und werden ihrem Schicksal überlassen. Prävention wird eingestellt. Die Schäden sind bereits enorm, aber noch ist es nicht zu spät, um gegenzusteuern."
Mehrere Kampagnen gestartet
Daher sind mehrere Kampagnen gestartet worden – etwa die Welt-Aids-Tag-Kampagne "Gemeinsam. Gerade jetzt". Sie thematisiert die globale Situation und lässt die Menschen zu Wort kommen, deren Leben und Gesundheit bedroht ist: Motiven wie "Stell dir vor eine Pandemie bedroht die Welt", "Stell dir vor du stirbst an einer behandelbaren Krankheit" und "Stell dir vor, dein Kind ist krank, und es gibt keine Medizin" sind gerade bundesweit im Stadtbild zu sehen.
Die Präventionskampagne "Ich weiß, was ich tu" hat ein Video mit Dragqueen Barbie Breakout veröffentlicht, das mit HIV-Mythen aufräumen soll. Die zentrale Botschaft laute: Lasst uns Wissen teilen, keine Vorurteile.
Auch der queere Verband LSVD+ warnt mit scharfen Worten vor den Folgen der nachlässigen Politik: "Die internationale Präventionsarbeit steht vor dem Kollaps", attestierte etwa LSVD+-Bundesvorstandsmitglied Andre Lehmann. "Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, droht zudem eine neue Aids-Pandemie. UNAIDS, das Programm der Vereinten Nationen zur Bekämpfung von HIV/AIDS, steht vor dem Aus, nachdem wichtige Geberländer wie die USA ihre Unterstützung beendet oder zurückgefahren haben. Diese Entwicklung ist nicht nur verantwortungslos, sie kostet Millionen Menschenleben." Hier müsse auch die deutsche Bundesregierung handeln.
Der Welt-Aids-Tag wird seit 1988 begangen. Er erinnert an die Menschen, die an Aids verstorben sind und dient der Solidarität mit den Menschen, die heute mit HIV leben. Erstmals seit dem Start ignorieren die USA unter Präsident Donald Trump dieses Jahr den Welt-Aids-Tag. Die Regierung in Washington hat Regierungsmitarbeitenden und Hilfsorganisationen sogar untersagt, Bundesmittel für den Welt-Aids-Tag zu verwenden (queer.de berichtete). (cw)














