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Welt-Aids-Tag

Große Emotionen und Summen bei Kölner Aids-Gala

"DIE Gala" versammelte viel Prominenz für einen guten Zweck. Die No Angels und Vicky Leandros sangen, Hape Kerkeling erzählte von seinem ersten Freund, den er an Aids verlor.


Hape Kerkeling im Gespräch mit Erika Laste (Bild: feuerflam.me)
  • 2. Dezember 2025, 13:59h 4 Min.

Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember verwandelte sich der Musical Dome Köln in einen Ort der Solidarität, Erinnerung und Lebensfreude. Die große Benefiz-Gala zugunsten der Aidshilfe Köln vereinte bewegende Momente des Gedenkens mit eindrucksvollen künstlerischen Darbietungen und einem starken gesellschaftspolitischen Bekenntnis: "Gesundheit, Demokratie, Menschlichkeit und Vielfalt bilden das Fundament einer offenen und solidarischen Gesellschaft", so die Organisation in einer Stellungnahme.

Gleichzeitig war die Traditionsgala, im letzten Jahr nach acht Jahren Pause zurückgekehrt, ein bedeutender finanzieller Erfolg für die Aidshilfe: Durch den Verkauf der Tickets und Sponsor*innen seien insgesamt 130.000 Euro für ihre Arbeit eingenommen worden. Dem Verein drohten weiterhin herausfordernde Zeiten, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Stadt Köln eine Haushaltssperre verhängt hat und in den nächsten Jahren auch im sozialen Bereich den Rotstift ansetzen will.

Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) versprach auf der Bühne im Gespräch mit Erika Laste, sich auch weiter für die Arbeit der Aidshilfe einzusetzen, da Prävention trotz der heutigen Informationsmöglichkeiten eine Daueraufgabe bleibe: "Auch in Zeiten knapper werdender Mittel, und das unterstützen wir natürlich als Landesregierung".


Der Vorstand der Aids-Hilfe mit Hendrik Wüst (Bild: feuerflam.me)

Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) stellte im Gespräch mit der Moderatorin heraus, wie wichtig unter anderem das Angebot des Checkpoints der Aidshilfe ist. Das habe er im Rahmen seiner Veedeleinsätze im Wahlkampf hautnah miterlebt: "Das Angebot des anonymisierten Tests brauchen wir. In den vier Stunden waren 30 Menschen da und haben sich testen lassen. Ich habe erlebt, dass viele Ehrenamtliche geholfen haben – von den Ärzt*innen bis zu den Berater*innen. Ich habe erlebt, wie zufrieden und glücklich die Menschen mit dem Ergebnis der Beratung nach Hause gegangen sind. Und deswegen ist es toll, was die Aidshilfe da macht. Und deswegen unterstütze ich sie auch weiter."

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Promi-Stelldichein mit Botschaft

Die beiden Politiker waren nicht die einzige Prominenz des Abends. Aus Kultur, Politik, Medien und der queeren Community gingen unter anderem über den Teppich: Entertainer Hape Kerkeling, Moderatorin Bettina Böttinger, Isabell Varell, Model und Speakerin Anna Hiltrop, Comedian Timur Turga, Mitglieder der No Angels, Content Creator Riccardo Simonetti, Moderator und Schauspieler Lukas Sauer, Schauspieler Constantin Lücke, die queere Beauftragte der Bundesregierung Sophie Koch (SPD), Schauspieler Georg Uecker, die Dragqueens Pam Pengco, Laila Licious und Trashy Gorgeous, der Landtagsabgeordnete Arndt Klocke und der ehemalige queerpolitische Beauftragte der Bundesregierung Sven Lehmann (beide Grüne), Bürgermeisterin Maria Helmis-Arend (SPD), Podcasterin Ricarda Hofmann, der SPD-Landtags-Fraktionschef Jochen Ott und viele mehr. Alle Gäste setzten ein gemeinsames Zeichen: "Solidarität ist eine Haltung. Und sie ist sichtbar."

Besonders emotional wurde es, als Jean Christoph und Pianist Albert Lau mit ihrem Beitrag an die zahlreichen Verstorbenen gedachten. Kurz danach erzählte der Entertainer Hape Kerkeling im Gespräch mit Erika Laste von seinen sehr persönlichen Erfahrungen mit HIV. Sein damaliger Freund starb an Aids, und für Kerkeling war die Einsamkeit zu dieser Zeit besonders schlimm. "In den 80ern, als das Virus aufkam, gab es noch keine Anlaufstellen, wo man auch mit seiner Trauer und Einsamkeit hinkonnte. Zum Gesundheitsamt wollte man damals nicht. Und in der Corona-Zeit ist mir das alles wieder bewusst geworden, sodass ich mit dieser privaten Geschichte an die Öffentlichkeit wollte." In dem 2024 veröffentlichten Buch "Gebt mir etwas Zeit" hat er von dieser ersten großen Liebe berichtet (queer.de berichtete).


Vicky Leandros wurde gefeiert (Bild: feuerflam.me)

In der Gala ging es um Verluste, Schmerz und gesellschaftliche Ausgrenzung, aber auch um Widerstandskraft, medizinischen Fortschritt, Mut und kollektive Unterstützug. Der erste Teil des Abends stand unter dem Motto "Wir lieben das Leben". So gab auch Vicky Leandros auf der Bühne unter anderem ihren Klassiker "Ich liebe das Leben" zum Besten. Sarah Engels, die im Dome im Musical "Moulin Rouge" auftritt, begeisterte ebenso das Publikum wie unter anderem ein Auftritt der No Angels.

Ermahnung an Politik

"Der Abend zeigte eindrücklich: Wenn Menschen einander sehen, füreinander einstehen, zuhören und gemeinsam feiern, entsteht gesellschaftliche Wärme – und die Menschen haben eine gute Zeit", sagte Erik Sauer, Geschäftsführer der Lebenshaus Stiftung, die die Veranstaltung auf die Beine gestellt hat. Die Gala, deren nächste Ausgabe für den 30. November 2026 geplant ist, sei "mehr als ein Benefizabend. Sie ist ein Bekenntnis. Zu demokratischer Teilhabe, zu menschlicher Würde, zu Gesundheit als Menschenrecht und zur Anerkennung der Vielfalt unserer Gesellschaft."


2026 geht es weiter (Bild: feuerflam.me)

Die gesammelten 130.000 Euro zeigten, dass Solidarität "gelebte Realität" in Köln sei. Angesichts zuletzt wieder steigender Infektionszahlen müssten Länder und Kommunen aber mehr tun: "Wo in Prävention und Drogenhilfe gekürzt wird, sind steigende Infektionszahlen die logische Folge. Kürzungen müssen zurückgenommen, Präventions- und Testangebote verstärkt werden, dann können die Zahlen auch bald wieder sinken", so die Aids-Hilfe. (cw/pm)

Galerie:
Kölner Aids-Gala 2025
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