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Entscheidung gefallen
Eurovision: Israel darf weiter teilnehmen, Niederlande ziehen sich zurück
Bei einer Mitgliederversammlung entschied sich die Europäische Rundfunkunion für einen Verbleib Israels im Songwettbewerb.

Popdiva Netta holte den letzten Sieg Israels beim Wettbewerb (Bild: EBU)
- 4. Dezember 2025, 18:35h 4 Min.
- Zu Updates springen: Auch Spanien, Irland und Slowenien boykottieren ESC, Deutschland im Wettbewerb
Israel kann auch 2026 am Eurovision Song Contest teilnehmen: Das entschieden die Mitgliedssender der European Broadcasting Union (EBU) am Donnerstagnachmittag indirekt in einer geheimen Abstimmung. Berichten zufolge hatte Spaniens öffentlich-rechtlicher Sender RTVE eine Abstimmung bei der Mitgliederversammlung in Genf durchgesetzt.
Konkret stimmte die Mitgliederversammlung über kürzlich von der EBU angekündige Regeländerungen zum Wettbewerb ab. Mit ihr werden wieder Jurys in den Halbfinales eingeführt, die maximale Anzahl der Stimmen des Televotes pro Person begrenzt und Promotionen zu teilnehmenden Künstler*innen etwa durch staatliche Stellen stärker reglementiert. Wäre die Regeländerung nicht angenommen worden, hätte den Medienberichten zufolge danach über den Verbleib Israels im Wettbewerb abgestimmt werden sollen.
/ eurovisionfnThe new regulations have been approved by a large majority . EBU members will not hold another vote on the participation of members. Israel WILL compete in #Eurovision2026 #Eurovision #EurovisionGR #esc #esc2026 pic.twitter.com/5OwJpCBldi
Eurovisionfun (@eurovisionfn) December 4, 2025
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Um die weitere Teilnahme des Landes hatte es seit Monaten Streit gegeben: mehrere Länder, darunter neben Spanien auch Irland, Slowenien und die Niederlande, hatten einen Ausschluss Israels gefordert und mit einem Rückzug aus dem Wettbewerb gedroht. Kurz nach der Bekanntgabe des Ergebnisses kündigte der niederländische Sender AVROTROS an, im nächsten Jahr nicht am Wettwewerb teilzunehmen.
/ ESCdiscordBREAKING: Netherlands withdraws from #Eurovision 2026, following the results of the EBU General Assembly today. pic.twitter.com/RKYN5mt2wT
ESC Discord (@ESCdiscord) December 4, 2025
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Entsprechende weitere Ankündigungen über die Teilnahme von Sendern bzw. Ländern werden in den nächsten Tagen erwartet, die EBU hatte die Zusage-Frist für den nächstjährigen Wettbewerb extra auf Mitte Dezember verlängert.
Das Vorgehen Israels im Gazastreifen nach dem Angriff der Hamas im Oktober 2023 hatte in vielen Ländern eine Debatte über die Teilnahme am ESC ausgelöst. Der Streit hatte schon die letzten beiden Wettbewerbe überschattet und Teile der Fans, Acts und Sendeanstalten gespalten. Deutschland hatte sich für einen Verbleib Israels stark gemacht – wie auch Österreich, das im nächsten Mai nach dem diesjährigen Sieg von JJ in Basel Gastgeber des Wettbewerbs ist. Das Event in der Wiener Stadthalle ist die 70. Ausgabe des Song Contests.
Israel hatte seit 1973 jedes Jahr an dem Wettbewerb teilgenommen, ihn vier Mal gewonnen und drei Mal ausgetragen – zuletzt 2019 in Tel Aviv nach dem Sieg von Netta im Vorjahr. 1998 machte das Land mit dem Sieg der transgeschlechtichen Sängerin Dana International Schlagzeilen. (cw)
Update 19.10h: Auch Spanien, Irland und Slowenien boykottieren ESC
Nach den Niederlanden hat auch Spanien seinen Rückzug aus dem Contest bekannt gegeben. Der Sender RTVE teilte mit, zusammen mit sieben anderen Ländern die Abstimmung erbeten zu haben. Eine direkte Abstimmung über Israels Teilnahme habe die EBU abgelehnt. "Die humanitäre Lage im Gazastreifen und Israels Instrumentalisierung des Wettbewerbs für politische Zwecke erschweren es zunehmend, den Eurovision Song Contest als neutrale Kulturveranstaltung zu erhalten", betonte der Sender. "Die Haltung der EBU- und Eurovision-Führung zur israelischen Teilnahme führt zu einer der größten internen Spannungen in der Geschichte der Organisation." Spanien war als Teil der Big 5 eines der immer für das Finale gesetzten Länder im Wettbewerb, an dem man 2026 nicht teilnehmen und dessen Shows man auch nicht ausstrahlen werde.
Auch der irische Sender RTÉ hat inzwischen angekündigt, auf die Teilnahme und Ausstrahlung zu verzichten. Medienberichten zufolge kündigte auch der slowenische Sender RTVSLO eine Nicht-Teilnahme an. Ein Bericht auf der Webseite des Senders spricht allerdings auch von einem Boykott von Belgien und Island, wofür es keine Bestätigung gibt. So kündigte der für die Teilnahme im nächsten Jahr zuständige belgische Sender RTBF auf seiner Webseite an, "in den nächsten Tagen Stellung beziehen" zu wollen. Der isländische Sender RÚV will am nächsten Mittwoch eine Entscheidung treffen. Der portugiesische Sender RTP will am Abend eine Entscheidung bekannt geben.
Die EBU betonte in einer ersten Stellungnahme, die Mitglieder hätten die neuen Regeln gebilligt, die "das Vertrauen, die Transparenz und die Neutralität des Wettbewerbs stärken" sollen. "Im Vorfeld der Abstimmung gab es eine breit angelegte Diskussion, in der die Mitglieder unterschiedliche Ansichten zur Teilnahme am Eurovision Song Contest äußerten. Viele Mitglieder nutzten zudem die Gelegenheit, die Bedeutung des Schutzes der Unabhängigkeit öffentlich-rechtlicher Medien und der Pressefreiheit – insbesondere in Konfliktzonen wie Gaza – zu betonen." EBU-Präsidentin Delphine Ernotte Cunci dankte allen Mitgliedern "für ihre durchdachten, respektvollen und konstruktiven Beiträge während der heutigen Sitzung und im gesamten umfangreichen Konsultationsprozess dieses Jahres". Die Debatten stellten sicher, dass der Contest "ein Ort der Einheit und des kulturellen Austauschs bleibt".
Update 21.55h: Deutschland nimmt teil
Im weiteren Verlauf des Abends haben unter anderem Portugal und Finnland ihre Teilnahme am ESC 2026 bestätigt – und erwartungsgemäß Deutschland. "Die ARD hat sich im Rahmen der Abstimmung der heutigen Generalversammlung der EBU aus Überzeugung für die Regelungen zum erweiterten Schutz des Eurovision Song Contest (ESC) ausgesprochen", heißt es in einer Stellungnahme des SWR, der die deutsche ESC-Verantwortung vom NDR übernommen hat. "Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Transparenz, Neutralität und Fairness in den Abstimmungs- und Organisationsprozessen des ESC zu festigen. Wir freuen uns auf die Teilnahme am ESC 2026 als Fest für Kultur, Vielfalt und Zusammenhalt. Die Absagen einzelner EBU-Mitglieder für den ESC 2026 bedauern wir außerordentlich, respektieren aber selbstverständlich die Entscheidungen der jeweiligen Sender."














