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Travel Well: Mexiko-Stadt zwischen Feiern und Politik
In Zusammenarbeit mit KLM Royal Dutch Airlines stellen wir vier queerfreundliche Winter-Reiseziele vor. Der dritte Teil führt uns in die Hauptstadt von Mexiko.

Auf dem Zócalo, dem riesigen Platz vor der Kathedrale von Mexiko-Stadt, bildeten Menschen mit Regenschirmen in diesem Jahr zum Pride die größte Regenbogenfahne der Welt (Bild: IMAGO / aal.photo)
- Von Axel Winter
5. Dezember 2025, 00:00h 5 Min.
Wenn wir bewusst reisen, bringt uns ein Ticket weiter als nur ans Ziel. Es schenkt uns neue gemeinsame Erinnerungen. Es gibt uns das Gefühl, einen Ort wirklich kennenzulernen. Es ist eine Einladung, persönliche Beziehungen aufzubauen. Mit dieser Serie, entstanden in Zusammenarbeit mit KLM Royal Dutch Airlines, laden wir dazu ein, jede Reise zu etwas Besonderem zu machen. Nach Bangkok und Kapstadt geht es in unserem dritten Teil heute nach Mexiko-Stadt.
Die Hauptstadt von Mexiko steckt voller Geschichte, Farben und lebendiger Kultur – und bietet einige Highlights, die man unbedingt gesehen haben sollte. Ganz oben steht das historische Zentrum mit dem Zócalo, der majestätischen Kathedrale Metropolitana und dem Templo Mayor, wo die Spuren der Azteken sichtbar bleiben. Kunstliebhaber*innen sollten das Museo Frida Kahlo in Coyoacán besuchen, das sogenannte Blaue Haus, in dem die berühmte queere Künstlerin lebte und arbeitete.
Ebenso beeindruckend ist das Nationalmuseum für Anthropologie, in dem die präkolumbische Vergangenheit und die lebende indigene Kultur Mexikos ausgestellt werden. Für moderne Architektur und urbanes Flair lohnt sich ein Spaziergang durch Paseo de la Reforma bis hin zum Ángel de la Independencia. Wer dem Großstadttrubel kurz entfliehen möchte, findet im Stadtteil Xochimilco bunte Trajinera-Boote und Kanäle – ein einzigartiges Erlebnis, das an die alten Wasserwege der Region erinnert.
Doch im Folgenden soll es vor allem um die queeren Seiten der faszinierenden Metropole gehen.
Zona Rosa: Von der schwulen Lederbar zum Queer House
Am frühen Abend in der Zona Rosa: Auf der Calle Génova dröhnen schon die ersten Pop-Remixe aus offenen Türen, während sich eine Gruppe junger Leute vor der Kinky Bar sammelt. Zwei Teenager in Schuluniform küssen sich unbeirrt unter einem Straßenbaum, daneben verkauft eine ältere trans Frau selbstgebastelte Armbänder – sie kennt die Straße noch aus Zeiten, in denen Polizeiaktionen häufiger waren als Partynächte. Heute nickt sie Besucher*innen zu, die zum Vortrinken Plastikbecher mit Michelada schwenken. Die Szene wirkt entspannt, fast beiläufig. Doch wer hier steht, steht auf historischem Boden: In keinem anderen Viertel der Stadt wurde so hart darum gerungen, dass queere Menschen einfach da sein dürfen.
Dass das heute möglich ist, merkt man schon nach ein paar Minuten. Ein schwules Paar aus Puebla zeigt einem Touristen aus Berlin, wie man am besten zum Tom's Leather läuft – "nicht den Umweg über die dunkle Seitenstraße nehmen". Drinnen in der Bar riecht es nach Reinigungsmittel und kaltem Rauch, ein DJ baut sein Equipment auf. Die Barkeeper scherzen, Touristen fotografieren kurz die Ausstattung, stecken dann ihre Handys weg, weil Fotografieren unerwünscht ist. Trotz der klaren Codes wirkt der Laden weniger abgeschottet, als man vermuten würde.

Das queere Viertel der Metropole: Überreste eines Posters in der Zona Rosa von Mexiko-Stadt (Bild: Carl Campbell / flickr)
Ganz anders das Bild ein paar Metrostationen weiter – im Revuelta Queer House in Roma Norte. Am Nachmittag sitzen hier Studierende an großen Holztischen, tippen an Texten, trinken kalten Kaffee. Auf einer Treppe übt ein Drag-Kollektiv eine Choreo, die später am Abend aufgeführt wird – zwischen Electro-Set und Poetry-Lesung. Ein junger nichtbinärer Mensch mit lila gefärbten Locken erklärt einem Reisenden aus Spanien, wie Workshops organisiert werden: "Wir machen viel über Telegram-Gruppen; die Stadt fördert wenig, wir bauen selbst Strukturen."
Die Stimmung in der Community ist roh, solidarisch, direkt
Die Energie in Roma ist anders: weniger touristisch, dafür politischer. Man spürt, wie hier queere Identität verhandelt wird – nicht als Lifestyle, sondern als soziale Realität. Auf der Straße verkauft eine Gruppe lesbischer Aktivistinnen Sticker mit der Aufschrift "No somos moda" – "Wir sind kein Trend". Gegenüber verteilt ein Kollektiv Flyer zur Situation von trans Sexarbeiter*innen in Mexiko, die nach wie vor überdurchschnittlich häufig Opfer von Gewalt werden. Und doch herrscht eine Wärme, die viele Reisende überrascht: Eine Buchhändlerin, selbst queer, gibt Empfehlungen zu mexikanischen Autorinnen, die in Europa kaum gelesen werden. Ein Straßenmusiker bedankt sich, als ihm jemand etwas Kleingeld in die Gitarrenbox wirft, und erzählt, wie die Community ihm in den Lockdown-Monaten Essen vorbei brachte.

Metropole mit über neun Millionen Einwohner*innen: Skyline von Mexiko-Stadt (Bild: Jonathan Salvador / wikipedia)
Nachts, ein paar Blocks entfernt, heizt sich ein Hinterhof in Colonia Doctores auf. Ein anonym angekündigtes Gig eines DJ-Kollektivs lockt ein diverses Publikum an. Techno mischt sich mit Cumbia-Rhythmen, der Boden staubt. Die Bars sind improvisiert: Kühlboxen, Plastikbecher, ein paar Lichterketten. Neben der Tanzfläche erzählt eine Aktivistin dem deutschen Besucher von einem Übergriff, der erst durch Social Media öffentlich wurde. Gleichzeitig wird getanzt, gelacht, geraucht – ohne Pathos, dafür mit Haltung. Die Stimmung ist roh, solidarisch, direkt. Viele sagen, dass genau hier, in diesen Off-Spaces, die eigentliche queere Kultur der Stadt entsteht.
Die Pride-Parade lockt eine Million Menschen an
Das queere Highlight ist natürlich die Marcha del Orgullo – die jährliche Pride-Parade, die mit einer Million Teilnehmer*innen zu den größten der Welt zählt (2026 findet sie am 27. Juni statt). Schon am Vormittag füllt sich der Ángel de la Independencia. Sobald sich der Zug in Richtung Zócalo bewegt, kippt die Stimmung ins Festivalhafte. Trucks wummern, überall tanzen Menschen, verkauft werden Getränke, Chips und Glitter. Tourist*innen werden ohne Zögern mitgezogen. Demo-Teilnehmer*innen teilen Sonnencreme und Wasser, posieren für Fotos, übersetzen Transparente.

Kämpferische Community: Menschen auf der Pride-Parade in Mexiko-Stadt (Bild: diana-reyes-227887231 / pexels)
Auf dem Zócalo, dem riesigen Platz vor der Kathedrale, mischen sich Euphorie, Wut und Hitze. Reden wechseln sich mit spontanen Mini-Partys ab. Und trotz einer Million Menschen wirkt die Atmosphäre überraschend solidarisch.
Queere Urlauber*innen verlassen Mexiko-Stadt oft anders , als sie gekommen sind. Nicht mit dem Gefühl, eine bunte Kulisse gesehen zu haben, sondern eine Community, die bei aller Härte des Alltags ein Netzwerk geschaffen hat, in dem man sich als Fremder nicht fremd fühlt. Eine Stadt, die dich nicht nur feiern lässt – sondern einlädt, zu verstehen, warum Feiern hier politischer ist als an vielen anderen Orten der Welt.
KLM fliegt täglich von Amsterdam in rund zwölf Stunden direkt nach Mexiko-Stadt. Zubringerflüge gibt es von neun deutschen Flughäfen. Weitere tägliche Flugverbindungen gibt es mit dem KLM-Partner Air France über Paris. Jetzt buchen




















