https://queer.de/?56109
Politshow
Nicht im "geschmacklosen Regenbogendesign": Gloria Gaynor mit Trump-Orden ausgezeichnet
Gloria Gaynor nahm am Wochenende eine Trump-Orden entgegen. Das Weiße Haus feierte, dass dieser nicht im "geschmacklosen Regenbogendesign" sei, obwohl Tiffany einen Regenbogen hineinschmuggelte.

Gloria Gaynor zeigt ihre Medaille auf dem roten Teppich des Kennedy Center (Bild: IMAGO / Agencia EFE)
- 8. Dezember 2025, 12:52h 4 Min.
US-Präsident Donald Trump war am Sonntagabend im Washingtoner Kennedy Center als Moderator zu sehen. Das Kulturzentrum, das der Republikaner unter seine Kontrolle gebracht hat, zeichnete in einer Gala die in der queeren Community beliebte Disco-Queen Gloria Gaynor ("I Will Survive", "I Am What I Am") für ihr künstlerisches Lebenswerk aus. Auch Hollywoodstar Sylvester Stallone, die Rockband Kiss, der Country-Musiker George Strait und der unter anderem für sein Schauspiel bekannte Brite Michael Crawford erhielten Kennedy-Preise. Trump hatte ihnen bereits am Samstag im Weißen Haus die Medaillen übergeben.
Gaynors Auszeichnung hatte viele überrascht, da sie als Ikone der von der Trump-Regierung verhassten queeren Community gilt (queer.de berichtete). "I Will Survive" wurde etwa in der Aids-Krise der Achtzigerjahre zu einer Art Mutmacher-Hymne. Allerdings spricht die 81-Jährige auch oft über ihren christlich-evangelikalen Glauben, der die Wählerbasis von Trump repräsentiert. 2020 trat sie auch bei einem Benefiz-Konzert des queerfeindlichen evangelikalen Aktivisten Kirk Cameron auf (queer.de berichtete). Selbst hat sie sich nie negativ über sexuelle und geschlechtliche Minderheiten geäußert, sondern gesagt, sie wolle ihre queere Fanbase Jesus Christus näherbringen.
Trumps Social-Media-Team hatte erst kurz vor der Verleihung auf X betont, dass der Regenbogen eine kleinere Rolle bei der Verleihung spielen würde. So habe der Edeljuwelier Tiffany, der seinen Flagship-Store direkt neben dem New Yorker Trump Tower hat, ein klassischeres Design entworfen. Dies sei eine "MASSIVE Verbesserung im Vergleich zum geschmacklosen Regenbogen-Schärpendesign" der Vorjahre. Der Umhang ist nun dunkelblau statt bunt. Allerdings sind auf der Medaille selbst weiterhin Regenbogenfarben zu sehen. Laut dem Kennedy-Kulturzentrum symbolisierten die Farben diese die große Bandbreite der Künste, die mit der Auszeichnung gewürdigt werden.
Als Beispiel für das alte Design zeigte das Trump-Team in seinem Social-Media-Beitrag die 2021 ausgezeichnete Sängerin Bette Midler. Die gerade erst 80 Jahre alt gewordene Künstlerin, die ihre Karriere in einer Schwulensauna begonnen hatte, gilt als scharfe Trump-Kritikerin. Der US-Präsident hatte sie unter anderem als "Spinnerin", "abgehalfterte Psychopathin" und "kranke Betrügerin" bezeichnet und sich über ihr Aussehen lustig gemacht.

(Bild: X)
Anders als in der Vergangenheit wurden die Sieger*innen des Kennedy-Kulturzentrums nicht von einer parteiübergreifenden Fachjury ausgewählt, sondern offenbar aus politischen und persönlichen Erwägungen des Präsidenten. Trump erklärte, er sei zu "ungefähr 98 Prozent" an der Auswahl der Preisträger*innen beteiligt gewesen. Dabei betonte er, dass er viele Vorschläge ignoriert habe, denn: "Die waren zu woke."
Die Auszeichnungen galten offenbar auch als Dank Trumps für politische Unterstützung: Sylvester Stallone und "Kiss"-Frontmann Gene Simmons gelten als Anhänger der MAGA-Bewegung. Crawford erhielt seine Auszeichnung wohl, weil er Darsteller in Trumps Lieblingsmusical "Phantom der Oper" war. George Strait gilt zwar als unpolitisch, in seinen Songtexten verbreitet er aber traditionell konservative Werte wie Heimatliebe, Respekt vor Polizei und Militär und romantisiert ländliche Lebensweisen.
Bei der Gala im Kennedy Center am Sonntagabend übernahm Trump auch die Moderation. Dass US-Präsidenten an der Gala teilnehmen ist zwar üblich – für gewöhnlich sitzen sie dabei aber lediglich als Zuschauer in der Loge und stehen nicht als Gastgeber auf der Bühne. In der Vergangenheit nahmen diese Rolle etwa Rapperin Queen Latifah oder Late-Night-Moderator Stephen Colbert ein.
Trump betrat laut US-Medien zunächst die Bühne, um die Show mit seiner Moderation zu eröffnen. Im Anschluss daran nahm er der "New York Times" zufolge zunächst in einer Loge für den Präsidenten Platz, kam aber später wieder zum Moderieren auf die Bühne.
Trump sagte am Tag vor der Show, er moderiere auf Wunsch eines bestimmten Fernsehsenders. Die Verleihungsgala wurde nicht live übertragen, sondern wird laut übereinstimmenden US-Medienberichten am 23. Dezember vom US-Sender CBS ausgestrahlt.

Beim Besuch der Künstler*innen im Oval Office zeigt Trump stolz seinen Fifa-Menschenrechtspreis und den WM-Pokal (Bild: Facebook)
Beim bislang renommierten Kennedy Center, das nach dem früheren Präsidenten John F. Kennedy benannt ist, hat Trump große Veränderungen veranlasst: Er entließ mehrere Mitglieder des Kuratoriums, übernahm selbst den Vorsitz und machte den früheren US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, zum Präsidenten der Institution. Der offen schwule Grenell war früher umstrittener US-Botschafter in Deutschland und gilt als konsequenter Anhänger Trumps. Im Kennedy-Center soll er etwa ein Drag-Verbot umsetzen (queer.de berichtete). Zur Begründung hieß es von ihm unter anderem, die Institution sei zu "woke" gewesen.
Trumps Übernahme der auch mit staatlichen Geldern geförderten Einrichtung wird von Kritikern als Teil eines Kulturkampfes gesehen, bei dem Konservative versuchen, das abzuschaffen, was sie als zu liberale Ideologie betrachten.
In seiner ersten Amtszeit nahm Trump amerikanischen Medien zufolge nicht an Feiern rund um die Kennedy-Center-Auszeichnungen teil. 2017 hatte er seine Teilnahme nach Boykottankündigungen mehrerer Preisträger*innen abgesagt. (dk/dpa)














