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FIFA World Cup

Ausgerechnet Iran und Ägypten treten beim Pride-Spiel an

Die US-Metropole Seattle will bei einem ihrer Spiele bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 die LGBTI-Community in den Fokus rücken. Dass zwei extrem queerfeindliche Länder antreten, hält die Organisator*innen nicht ab.


Die 23. FIFA Fußball-Weltmeisterschaft wird im Juni und Juli 2026 in Kanada, Mexiko und den USA ausgetragen (Bild: IMAGO / Maximilian Koch)
  • 9. Dezember 2025, 04:39h 3 Min.

Die WM-Organisator*­innen in der US-Stadt Seattle wollen eine ihrer Partien weiter im Zeichen der queeren Community stehen lassen – auch wenn in dem Spiel Iran und Ägypten aufeinandertreffen. "Wir haben keinen Einfluss darauf, was auf dem Spielfeld oder im Stadion passiert – das ist Sache der FIFA. Was wir jedoch beeinflussen können, ist, wie Seattle die Welt während des Pride-Wochenendes willkommen heißt" sagte Hana Tadesse von den WM-Organisator*­innen der Stadt der Deutschen Presse-Agentur (dpa) auf Anfrage.

"Die LGBTQ+-Community und -Kultur von Seattle ist ein wesentlicher Teil dessen, was unsere Stadt so besonders macht, und wir freuen uns darauf, dies mit der Welt zu teilen", sagte Tadesse. "Das Pride Match ist eine Initiative des lokalen Organisationskomitees und kein Programm der FIFA", betonte Tadesse. Auch die Demokratin Katie Wilson, gewählte Bürgermeisterin der Stadt, unterstützt das Vorhaben.

Beide Länder haben wohl Protest eingelegt

Die Pläne für das sogenannte Pride Match waren bereits gefasst, bevor die genaue Begegnung am 26. Juni 2026 feststand. Dass nun ausgerechnet Iran und Ägypten aufeinandertreffen, hatte für Aufsehen gesorgt.

Der iranische Verbandschef Mehdi Tadsch zeigte sich einem Bericht zufolge verärgert. Sowohl Iran als auch Ägypten hätten Protest eingelegt, zitierte ihn die iranische Nachrichtenagentur Isna. Tadsch sprach von einer "unvernünftigen Handlung, die die Unterstützung einer bestimmten Gruppe darstellt". Er meldete weiteren Redebedarf an.

Im Iran droht Schwulen und Lesben die Todesstrafe

Das islamische Recht Irans, die Scharia, bedroht homosexuelle Handlungen mit der Todesstrafe. Seit der Islamischen Revolution 1979 sollen tausende Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung hingerichtet worden sein. Eine genaue Einschätzung über entsprechende Hinrichtungen ist aber schwierig, weil die iranischen Gerichte in ihren Urteilen Formen von unehelichem oder gleichgeschlechtlichem Sex mit sexueller Gewalt vermischen. Zudem ist eine unabhängige Berichterstattung oft nicht möglich und viele Urteile insbesondere in ländlicheren Regionen werden nie publik.

Immer wieder macht auch die iranische Führung Stimmung gegen queere Menschen. Vor zwei Jahren erklärte etwa Präsident Ebrahim Raisi bei einem Uganda-Besuch: "Die westlichen Länder versuchen, Homosexualität als ein Zeichen von Zivilisation darzustellen, dabei ist diese eine der schmutzigsten Sachen, die in der Geschichte der Menschheit geschehen sind" (queer.de berichtete).

Wilkürliche Verhaftungen und Folter in Ägypten

In Ägypten werden queere Menschen mit schwammigen Gesetzen "zum Schutz der Moral oder Religion" verfolgt, die mehrjährige Haftstrafen vorsehen. 2020 kritisierte Human Rights Watch in einem Bericht, dass Beamte der ägyptischen Polizei und der Nationalen Sicherheitsbehörde willkürlich queere Menschen verhaften, unter unmenschlichen Bedingungen festhalten und systematisch Misshandlungen einschließlich Folter aussetzen (queer.de berichtete). Das Auswärtige Amt warnt explizit davor, "dass ägyptische Behörden auch Dating-Apps einsetzen, um LGBTI ausfindig zu machen" (queer.de berichtete).

Das Pride-Wochenende erinnert an den 28. Juni 1969, als es in New York Proteste der queeren Community gegen Diskriminierung durch die Polizei gab. Das Ereignis wird als Wendepunkt im Kampf für Gleichberechtigung angesehen.

Verbot der "One Love"-Binde bei der Fußball-WM in Katar

Die FIFA reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage. Bei der WM 2022 in Katar hatte es Wirbel um die "One Love"-Kapitänsbinde gegeben, mit der auch Deutschland auflaufen wollte. Die Binde hatte eine der Regenbogenflagge ähnliche Farbgebung und sollte als Symbol gegen Diskriminierung und für Vielfalt stehen. Kurz vor Beginn des Turniers untersagte die FIFA den Mannschaften das Tragen dieser Binde und drohte mit sportlichen Sanktionen (queer.de berichtete).

Tadesse sagte, Ziel des Programms in Seattle sei es, die Pride-Feierlichkeiten zu fördern, darunter öffentliche Kunstwerke lokaler Künstler*innen zum Thema, Gemeinschaftsprogramme, die bewusst darauf abzielen, die LGBTI-Community im Bundesstaat Washington zu stärken und queere Unternehmen zu unterstützen. (cw/dpa)

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