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Propagandafilm
Queerfeindlicher Schauspieler Jim Caviezel soll queerfeindlichen Politiker Jair Bolsonaro spielen
Während Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro eine 27-jährige Haftstrafe verbüßt, soll ein Film über sein Leben entstehen: Die Hauptrolle übernimmt Hollywood-Außenseiter Jim Caviezel, der als Jesus in "Die Passion Christi" weltberühmt wurde.

Jim Caviezel (li.) im QAnon-Film "Sound of Freedom", Ex-Präsident Jair Bolsonaro in einem PR-Bild (Bild: Santa Fe Films, Isac Nóbrega/PR / wikipedia)
- 9. Dezember 2025, 11:21h 3 Min.
Jim Caviezel (57), der 2004 in Mel Gibsons "Die Passion Christi" als Jesus weltberühmt wurde, soll in einem neuen Bipoic in die Rolle des brasilianischen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro (70) schlüpfen. Wie der "Guardian" berichtet, entsteht der Film mit dem Titel "Dark Horse" aber nicht etwa als kritische Aufarbeitung, sondern die Story soll als "heroisches" Porträt des streitbaren Rechtsextremisten ausgelegt sein.
Der Film kommt zu einem brisanten Zeitpunkt: Seit November sitzt Bolsonaro in einer Zelle in Brasilia ein. Im September 2025 war er zu 27 Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden – wegen der Führung einer kriminellen Verschwörung, die darauf abzielte, die Machtübernahme seines linken Rivalen Luiz Inácio Lula da Silva zu verhindern und die Demokratie Brasiliens zu "vernichten" (queer.de berichtete).
Hinter dem Filmprojekt steht demnach ein enges Geflecht aus politischen Verbündeten. Das Drehbuch stammt von Mário Frias, der unter Bolsonaro als Kultursekretär diente. Regie führt Cyrus Nowrasteh. Wie nun bekannt wurde, begannen die Dreharbeiten bereits vor drei Monaten unter strenger Geheimhaltung in Brasilien. Die Produktion soll 2026 in Mexiko und den USA abgeschlossen werden.
Bolsonaros Sohn bestätigt Filmprojekt
Bolsonaros Sohn Carlos bestätigte die Existenz des Films auf X und teilte ein Foto von sich und Caviezel im Kostüm. "Ich weiß, dass dein Vermächtnis weiterhin von guten Menschen bewundert und von denen beneidet wird, die Zerstörung suchen", schrieb er pathetisch und beendete den Post mit dem Slogan: "Gott, Jesus und Freiheit!"
/ CarlosBolsonaroJim Caviezel, thank you for everything. I know your legacy will continue to be admired by good people and envied by those who seek destruction – yet the message you imprint with every step leaves its mark on the world. For me, one of the greatest gifts Ive received was the pic.twitter.com/zRhx9viuFo
Carlos Bolsonaro (@CarlosBolsonaro) December 7, 2025
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Ersten Leaks zufolge konzentriert sich der Film auf Bolsonaros militärische Vergangenheit und seinen Wahlkampf 2018. Jenes Jahr markierte seinen Aufstieg zur Macht, war aber auch geprägt von massiven Protesten gegen seine Rhetorik. Damals sorgte Bolsonaro unter anderem mit der Aussage für Entsetzen, indigene Völker würden "zunehmend menschliche Wesen genau wie wir". Zudem erklärte er, er würde lieber sehen, dass sein Sohn bei einem Autounfall stirbt, als dass dieser schwul sei. Während seiner Amtszeit machte er immer wieder mit queerfeindlichen Projekten und Sprüchen von sich reden. So sprach sich Bolsonaro während der Corona-Krise gegen Masken aus, weil der Mundschutz nur etwas für "Schwuchteln" sei (queer.de berichtete).
Jim Caviezel als Galionsfigur des queerfeindlichen Hollywoods
Die Wahl von Jim Caviezel für die Hauptrolle passt zur politischen Ausrichtung des Projekts. Der Schauspieler hat sich in den letzten Jahren als Galionsfigur des christlich-konservativen Hollywoods und der amerikanischen Rechten positioniert, auch mit queerfeindlichen Äußerungen. So erklärte er, die Anerkennung von queeren Menschen führe zu "moralischem Verfall", und sprach sich dagegen aus, die Regenbogenfahne öffentlich zu zeigen. Queeren Menschen warf er pauschal vor, Kinder zu "groomen", also sich in Missbrauchsabsicht mit ihnen anzufreunden.
Zuletzt sorgte er 2023 mit dem Überraschungserfolg "Sound of Freedom" für Schlagzeilen, einem Film über Kinderhandel, dem Kritiker*innen eine Nähe zu QAnon-Verschwörungstheorien vorwarfen. Caviezel trat in der Folge vermehrt in rechten Medien auf, unter anderem im Podcast des Trump-Beraters Steve Bannon. Er selbst unterstützte Donald Trump im US-Wahlkampf 2024 öffentlich und bezeichnete ihn gar als "den neuen Moses".
Karrieretechnisch musste Caviezel jüngst jedoch einen Rückschlag hinnehmen: Für die geplante Fortsetzung von "Die Passion Christi" ("Resurrection") wurde er ersetzt, da Regisseur Mel Gibson Berichten zufolge keine adäquate technische Lösung fand, den Schauspieler digital zu verjüngen. (spot/dk)
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