https://queer.de/?56125
Appell an israelfeindliche Kräfte
Dana International über Israels ESC-Teilnahme: "Wollt ihr nicht mehr, dass wir mit euch singen?"
Die ESC-Siegerin von 1998 appelliert an ESC-Fans, ihr Land nicht zu verdammen, "nur weil ihr politisch nicht mit seiner Regierung einverstanden seid".

Dana International feierte 1998 den Sieg für Israel (Bild: IMAGO / TT)
- 9. Dezember 2025, 14:08h 4 Min.
Dana International hatte 1998 als erste trans Frau den Eurovision Song Contest gewonnen – und damit Geschichte geschrieben. Nun verteidigt die Israelin auf Instagram ihr Heimatland gegen Boykottdrohungen – und wendet sich insbesondere an Menschen in den Niederlanden, Spanien, Irland und Slowenien, deren öffentlich-rechtliche Sender nächstes Jahr wegen der Teilnahme Israels nicht beim ESC in Wien mitwirken wollen (queer.de berichtete).
"Ich habe in euren Ländern zahlreiche Male auf euren Bühnen und in Fernsehsendungen aufgetreten. Ich wurde immer mit Wärme und Liebe empfangen, und ihr habt mit mir 'Viva La Diva' gesungen und euch mit der Botschaft verbunden, die ich mitbrachte: eine Botschaft von Gleichberechtigung, Akzeptanz, menschlicher Würde und den grundlegenden Rechten jedes Menschen", so die 56-Jährige.
"Versteht ihr, wie verletzend und beleidigend diese Entscheidung ist?"
Ihrer Ansicht nach haben Menschen ein falsches Verständnis von ihrem Heimatland: Israel sei das einzige Land in der Region, das "liberal" sei und etwa CSD-Demonstrationen zulasse. Darüber hinaus nehme Israel "seit vielen Jahren" am ESC teil – genauer gesagt seit 1973. "Wir geben unser Bestes im Wettbewerb, und manchmal haben wir sogar Erfolg. Also erklärt mir bitte, wie und warum ihr euch gegen uns gewandt und euren Rückzug angekündigt habt? Wollt ihr nicht mehr, dass wir mit euch singen? Versteht ihr, wie verletzend und beleidigend diese Entscheidung ist? Wie sehr sie nur Hass und Schaden erzeugt?"
Netanjahu-Regierung umstritten, Israel kämpft um Existenz
Zudem erklärte Dana, dass ein großer Teil der israelischen Bevölkerung die Politik der Netanjahu-Regierung nicht unterstütze. "Ihr bestraft kein ganzes Land, nur weil ihr politisch nicht mit seiner Regierung einverstanden seid", so Dana. Zudem sei der "unerträgliche Krieg, der viel zu lange dauerte", inzwischen beendet. "Es ist legitim, ihn zu kritisieren und zu beklagen, wie lange er andauerte. Dennoch darf man nicht vergessen, dass Israel ein Land ist, das um seine Existenz kämpft und versucht, Sicherheitsherausforderungen mit Vernunft und liberalen Werten in Einklang zu bringen."
"Die Hamas exekutiert Menschen, weil sie schwul sind"
Auf der anderen Seite sehe das anders aus: "Die Hamas exekutiert Menschen, weil sie schwul sind. Fast jeder Eurovision-Gewinner wäre auf dem Marktplatz in Gaza gehängt worden." Das rechtfertige zwar nichts und "natürlich müssen wir für Frieden und Versöhnung mit allen Menschen kämpfen", so Dana International weiter. Einen Rückzug vom Eurovision anzukündigen, schade aber "der eigentlichen Idee des Friedens, schadet Israel und schadet dem Wettbewerb selbst".
Sie gehe davon aus, dass die Boykott-Entscheidung wieder rückgängig gemacht werden würde "und dass wir alle gemeinsam beim Eurovision feiern werden – mit dieser Botschaft von Gleichberechtigung, Liebe und Akzeptanz und mit der Musik, die Menschen zusammenbringt". Sie freue sich darauf, "euren Eurovision-Song zu hören, statt Erklärungen eines Boykotts".
|
In Kommentaren unterstützten viele die Äußerungen von Dana International. Es gab aber auch Vorwürfe, dass Israel einen Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung durchgeführt habe. "Dein Land hat Menschen getötet und macht das immer noch, nur weil sie nicht hebräisch sind", warf ihr ein Nutzer dem jüdischen Staat pauschal vor. Ein anderer äußerte den Vorwurf gegen Israel, durch die Teilnahme das nichtpolitische Musikfestival zu politisieren. Manche kritisierten auch, dass Israel als asiatischer Staat nichts bei einem europäischen Festival zu suchen hätte. Zudem gab es den Vorwurf des Pinkwashing – also das Israel durch queerfreundliche Initiativen versuche, seine aggressive Politik gegen Palästina reinzuwaschen.
|
Dana International erfuhr ursprünglich selbst Ablehnung für ESC-Teilnahme
Dana International hatte 1998 selbst sehr viel Hass in ihrem Heimatland erfahren, nachdem sie vom israelischen Fernsehsender in einer internen ESC-Auswahl gewonnen hatte. Manche Rabbiner und ultraorthodoxe Politiker*innen bezeichneten ihre Teilnahme als "Schande" oder "unmoralisch". Einige Knesset-Abgeordnete appellierten an den israelischen Fernsehsender, den Beitrag zurückzuziehen. Wegen Drohungen gegen ihre Person erhielt Dana International Polizeischutz bei Shows in Israel und später auch beim ESC im britischen Birmingham. Viele junge Israelis, insbesondere aus der queeren Community, unterstützten sie dagegen enthusiastisch.
Nach ihrem Sieg im Birmingham ebbte die Welle des Hasses ab: Die anfängliche Ablehnung wandelte sich im Inland teilweise in Stolz um, weil das Land zum dritten Mal das Songfestival gewinnen konnte und damit international Reputation erhielt. Laut Studien habe der Sieg auch zu einem LGBTI-freundlicheren Klima in Israel beigetragen und insbesondere dem CSD in Tel Aviv einen massiven Schub gegeben. (dk)













