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Ex-SPD-Generalsekretär
Kevin Kühnert hat einen neuen Job
Einst war Kevin Kühnert die große Hoffnung der SPD. Nun übernimmt der schwule Ex-Politiker bei der Bürgerbewegung Finanzwende die Leitung des Bereichs Steuern, Verteilung und Lobbyismus.

Der frühere SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert bekommt einen neuen Job (Bild: IMAGO / Sven Simon)
- 11. Dezember 2025, 07:08h 3 Min.
Der frühere Bundestagsabgeordnete und SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert wird Lobbyist für alternative Finanzpolitik. Der 36-Jährige übernimmt bei der Bürgerbewegung Finanzwende die Leitung des Bereichs Steuern, Verteilung und Lobbyismus, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr.
Finanzwende war von dem früheren Grünen-Finanzexperten im Bundestag, Gerhard Schick, als Gegengewicht zur einflussreichen Finanzlobby gegründet worden. Kühnert war immer wieder mit der Forderung nach tiefgreifenden Reformen aufgefallen und hatte Debatten über eine Neuauflage sozialistischer Ideen entfacht.
"Finanzwende ist auf dem besten Weg, ein effektives Gegengewicht der Finanzlobby zu werden – und ich möchte aktiv dazu beitragen, dass dieses Mammutprojekt gelingt", sagte Kühnert. Der frühere Chef des SPD-Nachwuchses und dann Spitzenfunktionär seiner Partei machte auf die Ungleichheit bei den finanziellen Mitteln aufmerksam. Auch die politische Macht verschiebe sich dadurch, sagte er.
Was Kühnert erreichen will
"Extreme Ungleichheit verbaut nicht nur Lebenschancen. Sie verzerrt auch zunehmend Debatten in Medien und Politik." Kühnert: "Reichtum wird weltweit immer offener als Machtinstrument missbraucht." Gegen diese Gefahr wolle er mit ankämpfen. Er lobte Stärke und Überparteilichkeit seines neuen, in einem Berliner Ausgehkiez im Stadtteil Schöneberg ansässigen Arbeitgebers.
Finanzwende ist ein überparteilicher Verein mit mehr als 17.000 Mitgliedern. Das Ziel sind stabilere, faire und nachhaltige Finanzmärkte. Vorstand Schick begrüßte den Schritt Kühnerts "außerordentlich". Schick war selbst politische Hoffnung seiner Partei und wichtige Grünen-Stimme im Parlament, bevor er dem politischen Tagesgeschäft den Rücken kehrte.
"Als ich Finanzwende gegründet habe, hätte ich nicht unbedingt erwartet, dass hier mal ein ehemaliger SPD-Generalsekretär arbeitet – gemeinsam mit einer ehemaligen Oberstaatsanwältin wie Anne Brorhilker und mit sehr vielen anderen engagierten Menschen." Dem Aufbau einer Bürgerbewegung mit unterschiedlichen Köpfen komme man nun immer näher, Kühnerts Stelle sei eine von 15 neuen in dem Verein. Die frühere Kölner Oberstaatsanwältin Brorhilker war 2024 zu Finanzwende gekommen.
Rückzug von Politik aus Angst vor Gewalt
Kevin Kühnert war von November 2017 bis Januar 2021 Bundesvorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos. Im März 2018 sprach er erstmals öffentlich über seine Homosexualität (queer.de berichtete). Im Oktober 2021 zog er erstmals in den Bundestag ein – mit einem Sieg in seinem umkämpften Berliner Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg über die frühere Grünen-Ministerin Renate Künast und den CDU-Politiker Jan-Marco Luczak. Im Dezember wurde er dann als erster offen schwuler Mann zum SPD-Generalsekretär ernannt.
Den Posten gab er im Oktober 2024 freiwillig auf und begründete diesen Schritt mit gesundheitlichen Problemen (queer.de berichtete). Bei der Bundestagswahl 2025 kandidierte er nicht mehr und zog sich nach Ablauf der Legislatur komplett aus der Politik zurück – ein Schritt, der viele Beobachter*innen überraschte, galt Kühnert doch eigentlich als der starke Mann der SPD für die Zukunft.
"Meine rote Linie ist da, wo Gewalt in der Luft liegt"
Seinen Rückzug begründete er in einem Interview mit der "Zeit" mit dem Gefühl, nicht mehr sicher zu sein. "Meine rote Linie ist da, wo Gewalt in der Luft liegt. Ich bin nur 1,70 Meter groß", sagte Kühnert damals. Die permanenten Drohungen von Rechtsaußen seien dabei nur ein Teil des Problems gewesen. Schwerer wog für ihn, dass sich die Gesellschaft den Extremisten gegenüber nicht entschieden genug zur Wehr setze – während deren politische Vertreter immer stärker würden (queer.de berichtete). (mize/dpa)














