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Forschende sind besorgt
Neue Mpox-Variante in Großbritannien entdeckt
Eine neue Mpox-Variante schreckt Forschende in Großbritannien auf. Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko sollten sich jetzt impfen lassen, empfehlen Forschende.

Der Ausschlag bei einer Mpox-Infektion kann stark jucken oder Schmerzen verursachen (Bild: CPHA)
- 11. Dezember 2025, 13:32h 4 Min.
Britische Forschende haben laut einer Mitteilung der Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) eine neue Variante der gefährlichen Mpox-Erkrankung identifiziert. Ein "neues rekombinantes Mpox-Virus", das genetisches Material verschiedener Virenstämme enthält, sei von den Wissenschaftler*innen entdeckt worden und markiere eine neue Entwicklungsstufe des Erregers. Laut der Behörde wurde die Variante bei einer Person nachgewiesen, die zuvor nach Asien gereist war.
Durch die Sequenzierung der Virengene stellten Forschende fest, dass der neue Mpox-Stamm Elemente der Mpox-Kladen 1b und 2b enthält. Das Wort Klade umschreibt in der Biologie eine Gruppe von Lebewesen, die einen gemeinsamen Vorfahren und alle dessen Nachkommen umfasst – etwa wie ein Ast in einem Stammbaum. Mpox-Klade 1 gilt als gefährlicher als die weniger virulente Klade 2, die vor drei Jahren eine weltweite Mpox-Welle ausgelöst hatte.
Noch ist unklar, ob die neue Variante eine größere Gefahr darstelle. Das müsste weitere Forschung klären, erklärte die Ärztin Katy Sinka, die Leiterin des Bereichs sexuell übertragbare Infektionen bei der UKHSA. "Es ist normal, dass sich Viren weiterentwickeln, und weitere Analysen werden uns helfen zu verstehen, wie sich Mpox verändert", so Sinka. Sie fügte an: "Obwohl eine Mpox-Infektion für viele mild verläuft, kann sie auch schwerwiegend sein." Die Impfung sei weiterhin eine nachweislich wirksame Methode, um sich vor schweren Verläufen zu schützen, betonte die Infektionsexpertin. Seit Jahren appellieren Forschende an Gruppen mit erhöhtem Risiko, sich impfen zu lassen, weil dies gefährdete Gruppen zuverlässig schütze, Ausbrüche eindämme und schwere Krankheitsverläufe verhindere.
Mpox zirkuliert weltweit
Professorin Trudie Lang von der Universität Oxford erklärte: "Es ist besorgniserregend, dass es einen Mpox-Fall in Großbritannien gibt. Und noch besorgniserregender ist, dass es sich um ein neues rekombinantes Mpox-Virus handelt", so Lang weiter. "Dieser Fall zeigt, dass Mpox weltweit zirkuliert und sich – wie bei diesen Viren zu erwarten – weiterentwickelt." Nun sei es wichtig, Maßnahmen zur Eindämmung der Übertragung und zur Verhinderung der Ausbreitung zu ergreifen.
Sollten weitere Fälle dieses Stamms auftreten, werde es wichtig sein, "den Übertragungsweg, die Symptome und die Schwere der Erkrankung zu verstehen, damit wir beurteilen können, ob dieser Stamm gefährlicher oder weniger gefährlich ist als frühere – und entsprechend mit einer vernetzten globalen Antwort reagieren können", sagte Lang. Die UKHSA erklärte, sie werde "die Bedeutung des Stamms weiterhin bewerten".
Bereits Ende Oktober schlugen Forschende in den USA Alarm, weil dort erstmals eine Variante der Klade 1 aufgetaucht war, die lokal übertragen worden sei (queer.de berichtete). Auch in Europa gab es vereinzelt Fälle. Auf Basis der verfügbaren Daten stuft das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) das Risiko der Variante 1b für die allgemeine Bevölkerung in Europa aber derzeit weiterhin als "gering" und für schwule und bisexuelle Männer mit häufig wechselnden Sexualpartnern als "moderat" ein. Im Medizin-Jargon wird diese Gruppe als Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), bezeichnet.
Hintergrund ist ein weltweiter Mpox-Ausbruch im Jahr 2022 (queer.de berichtete). Nach einem Abflauen nach der ersten großen Welle vor drei Jahren mit mehr als 4.300 gemeldeten Infektionen kehrte das Virus in diesem Jahr wieder verstärkt nach Deutschland zurück.
Betroffen waren und sind hierzulande insbesondere MSM, der Anteil liegt in den westlichen Ländern bei über 90 Prozent der Fälle. Übertragen werden kann das Virus bei engem Hautkontakt, wie zum Beispiel beim Sex, Küssen oder Kuscheln, aber auch durch Kontakt zu Sextoys, Bettwäsche oder Handtüchern. Das Virus löst vor allem Hautausschlag aus, aber auch Fieber und Muskelschmerzen.
Impfungen sind in Deutschland erhältlich und für gesetzlich Versicherte aus gefährdeten Gruppen kostenlos. Allerdings ist nicht überall in Deutschland der Zugang zu Impfstoffen einfach, insbesondere auf dem Land: So beklagte die Aids-Hilfe Sachsen-Anhalt im Oktober, dass in diesem Bundesland die Impfung umständlich sei und Menschen auf einen "Hindernislauf" geschickt werden würden (queer.de berichtete). (dk)














