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TV-Tipp

Lässt sich Religiosität mit Queerness in Einklang bringen?

Ein wohlwollendes Miteinander ist möglich: In der neuen ZDF-Serie "Göttlich gute Freunde" besucht die atheistische trans Frau Josimelonie ihre religiösen Ex-Mitbewohner*innen aus der "Glaubens-WG".


Kann man mit Menschen befreundet sein, mit denen man (scheinbar) nichts gemeinsam hat? Josi glaubt an vieles – nur nicht an Gott. Trotzdem besucht sie ihre fünf religiösen Freund*innen und landet ahnungslos mitten in Welten, die für sie alles andere als himmlisch sind (Bild: ZDF / Maximilian von Lachner)

Josi trägt Hijab, sitzt in der Moschee und hört in der Koranschule den Worten des Imams zu. Er berichtet von seiner Pilgerreise nach Mekka, von einer Erfahrung, die ihn Demut gelehrt habe und ein tiefes Gefühl von Gemeinschaft: davon, "was es bedeutet, eine Gemeinschaft zu sein – ohne Unterschiede zwischen den Kulturen, zwischen den Hautfarben, zwischen der Schicht, aus der du stammst. Alle rufen gleichzeitig mit einer Stimme: Hier bin ich, Allah. Das ist der wahre Islam." In einem kecken Zwischenschnitt, begleitet von einem wissenden Lächeln, erwidert Josi trocken: "… ja, außer du bist queer." Ein Satz wie eine Nadel – klein, präzise, und doch in der Lage, das Pathos eines universalen Versprechens zum Platzen zu bringen.

Mit "Göttlich gute Freunde" legt Aurelia Kanetzky die Fortsetzung der mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichneten Reportage "Against All God's" vor. Erneut steht Josimelonie im Zentrum, die nun ihre Freund*innen aus der einstigen "Glaubens-WG" besucht – verteilt über verschiedene Teile Deutschlands und verankert in jeweils einer der fünf Weltreligionen. Drei kurzweilige Episoden à 30 Minuten begleiten diese Wiederbegegnungen. Josi selbst ist überzeugte Atheistin, Kölnerin, trans Frau, Influencerin, laut, schlagfertig, mit einer Zunge, die teils schneller ist als jedes diplomatische Feingefühl – und gerade darin ihre größte Stärke entfaltet.

Echtes Interesse und gegenseitiger Respekt

Sie trifft Omar, Lars, Gloria, Dharmasara und Sagitha. Mit dem muslimischen Omar geht sie boxen und besucht die Koranschule; mit dem jüdischen Lars ist sie beim Pessachfest seiner Familie zu Gast; mit der katholischen Gloria begleitet sie das traditionelle sorbische Osterreiten; mit dem buddhistischen Dharmasara nimmt sie an einem Retreat teil; mit der hinduistischen Sagitha feiert sie einen Junggesellinnenabschied inklusive Henna-Malerei. Zwischen den Beteiligten herrscht ein befreites, neugieriges Verhältnis, getragen von echtem Interesse und gegenseitigem Respekt. Josi versteht es, ihr eigenes Unbehagen immer wieder charmant zu überspielen – mit Humor, ironischer Selbstreflexion und einer Moderation, die Nähe schafft, ohne Konflikte vollständig zu glätten.


Nach den Einzelbesuchen trifft sich die Runde am legendären queeren "LA. O. LA"-Büdchen in der Kölner Mozartstraße (Bild: ZDF / Maximilian von Lachner)

Formal setzt die Serie auf einen schnellen, zackigen Schnitt. Die Protagonist*innen bekommen Raum für kleine, oft süße Zwischenkommentare: darüber, wie ihnen die Rituale der jeweils anderen Religion erscheinen, wie fremd oder vertraut sie wirken – und natürlich darüber, wie Josi sich in den verschiedenen Situationen schlägt. Diese Metaebene sorgt für Leichtigkeit, manchmal auch für Situationskomik, ohne die Ernsthaftigkeit der Themen gänzlich zu unterlaufen.

Die Serie und ihre Figuren tragen ihr Herz am rechten Fleck

Denn immer wieder drängen sich die großen, unbequemen Fragen in den Vordergrund: Wie lässt sich Religiosität mit Queerness in Einklang bringen? Kann Religion überhaupt modern werden – oder zumindest anschlussfähig an vielfältige Lebensrealitäten? Nicht alle dieser Fragen werden tiefgründig oder konsequent beantwortet; manches bleibt angerissen, anderes wird fast schon harmonisch abgefedert. Dennoch tragen die Serie und ihre Figuren ihr Herz am rechten Fleck. Im Kern steht die Frage, wie damit umgehen, dass viele Weltreligionen queere und trans Personen nach wie vor kategorisch ausschließen oder nur unter Bedingungen dulden. Umso bedauerlicher ist es, dass "Göttlich gute Freunde" trans Identität selbst an zentralen Stellen ausschließlich als sexuelle Kategorie falschbezeichnet – ein blinder Fleck, der gerade in einer ansonsten so sensiblen Annäherung schmerzt.

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Natürlich wirkt die betonte Repräsentation der Freund*innenschaft mitunter etwas forciert, fast wie ein wohlmeinendes Versprechen an das Publikum: Seht her, es geht doch. Und doch funktioniert diese queere Sichtbarkeit, weil sie Spaß macht, weil sie nicht nur belehrt, sondern einlädt. Werte lassen sich nicht aufzwingen – weder religiöse noch politische. Aber vielleicht lässt sich zumindest zeigen, dass ein wohlwollendes Miteinander möglich ist, selbst dort, wo die Glaubenssätze eigentlich unvereinbar scheinen. In diesem Sinne ist "Göttlich gute Freunde" kein theologisches Manifest, sondern ein tastender, manchmal widersprüchlicher, aber ehrlicher Versuch, Frieden im Zwischenraum auszuhalten.

Das ZDF zeigt die drei Folgen von "Göttlich gute Freunde" ab 14. Dezember 2025 an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen jeweils um 9:03 Uhr. In der ZDF-Mediathek können sie bereits gestreamt werden.

-w-