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Musikfestival
Homophober Hasssänger Capleton Headliner am Chiemsee
In seinen Liedern ruft der jamaikanische Musiker Capleton zum Mord an Schwulen auf – trotzdem darf er im kommenden Jahr beim "Chiemsee Reggae Summer" auftreten. Die Veranstalter*innen schweigen zum skandalösen Line-up.

Archivbild: Capleton im Jahr 2006 (Bild: IMAGO / Newscom / GDA)
- Von Christopher Filipecki
14. Dezember 2025, 07:07h 3 Min.
Vom 26. bis 28. Juni wird im kommenden Sommer der "Chiemsee Reggae Summer" wieder stattfinden. Das seit Mitte der 1990er Jahre in unterschiedlichen Variationen stattfindende Festival geht 2026 in seine nächste Runde und beendet damit die mehrjährige Pause. So weit, so schön – weniger schön ist jedoch die wiederholte Teilnahme des queerfeindlichen Hasssängers Capleton, der sogar als einer der Headliner*innen gelistet wird.
Auf Menschen mit guten Werten scheinen die Veranstalter*innen des Festivals, das traditionell im Luftkurort Übersee stattfindet, wenig zu geben. Schon mehrfach stand das Line-up in der Kritik. 2010 zum Beispiel wegen des Künstlers Sizzla, der wegen homofeindlicher Texte auch seitens der Grünen als nicht vertretbarer Act eingestuft wurde. Kurz vorher wurde der Auftritt gecancelt (queer.de berichtete). Ähnlich verlief es 2012 mit dem Dancehall-DJ Beenie Man, der wegen Lyrics, die frei übersetzt "Schwuchtel gehören umgebracht" bedeuten, viel Gegenwind erfährt und auch kein gern gesehener Gast beim Festival war – zumindest seitens der Gegenpositionen (queer.de berichtete). Im selben Jahr trat die Band T.O.K. auf, die ähnliche Songtexte im Repertoire vorweisen kann.
Eine klare Distanzierung von Capleton steht bis heute aus
Capleton ist 2026 das dritte Mal beim Festival dabei und – wenig überraschend – ebenfalls wegen seiner queerfeindlichen Texte hoch umstritten. Der 57-jährige jamaikanische Sänger (bürgerlich: Clifton George Bailey III) erklärt in seinen Liedern, dass die Welt von Homosexuellen "gesäubert" werden müsse und benutzt dabei Worte wie "kill" oder "burn".
Mehrfach schon wurden Auftritte von Capleton in unterschiedlichen Nationen Europas sowie Nordamerika kurzfristig gestrichen, oft nach Protesten. Öffentliche Stellungnahmen, Entschuldigungen oder Distanzierungen von früheren Songs, die eindeutig zeigen, dass sich seine Einstellung zu queeren Menschen verändert hat, bleiben bis heute aus. Neben dem Jamaikaner in der Headliner-Zeile: Marteria. Zumindest noch. 2011 führte die Teilnahme von Capleton immerhin zur Festival-Absage der protestierenden Band Frittenbude (queer.de berichtete).
Der "Chiemsee Reggae Summer" schweigt
Doch nicht nur Acts mit queerfeindlichen Aussagen, sondern auch generell gewaltverherrlichenden Lyrics treten regelmäßig bei dem Festival auf, und das seit den frühen 2000er Jahren. Somit kann hier nicht mehr von einem Zufall, stattdessen eher von einem Muster gesprochen werden. Die Frage, die bleibt: Warum? Ist das Booking fragwürdige PR oder eher Ignoranz? Trotz Nachfrage von unserer Redaktion und der freundlichen Bitte um ein Statement, blieb eine Reaktion vom "Chiemsee Reggae Summer" aus. Keine Antwort auf unsere Anfrage. Ein Revival nach fast zehnjähriger Abstinenz, das auf die queere Community wenig einladend, viel mehr ausladend wirkt.
Dem Kartenvorverkauf scheint das keinen großen Abbruch zu tun: Einige Kategorien der Festivaltickets melden zumindest laut Websites des Festivals, dass nur noch Restkarten vorhanden seien.













