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Queere Rechte in Gefahr?
Rechtsruck in Chile: Queerfeindlicher José Antonio Kast gewinnt Präsidentenwahl
In Chile hat der Rechtsextreme José Antonio Kast die Wahl gewonnen. Er will unter anderem gleichgeschlechtlichen Paaren das Recht auf Eheschließung entziehen.

Letztes Jahr nahm José Antonio Kast an CPAC Hungary teil, einem Treffen von Rechtspopulist*innen und Rechtsextremen aus aller Welt (Bild: Elekes Andor / wikipedia)
- 15. Dezember 2025, 11:38h 4 Min.
Der Rechtsextreme José Antonio Kast hat die Präsidentschaftswahl in Chile gewonnen. Der 59-Jährige setzte sich in der Stichwahl am Sonntag nach offiziellen Angaben mit gut 58 Prozent der Stimmen gegen die Sozialdemokratin Jeannette Jara durch, die auf knapp 42 Prozent kam. Jara gestand noch am Wahlabend ihre Niederlage ein.
Das Wahlvolk des 20 Millionen Einwohner*innen zählenden Landes hätte sich klar und deutlich entschieden, schrieb Jara im Onlinedienst X. Sie habe Kast daher bereits zum Wahlsieg gratuliert und ihm viel Erfolg gewünscht. Sie kündigte zugleich eine entschiedene Opposition gegen die neue Rechtsaußen-Regierung an.
/ jeannette_jaraLa democracia habló fuerte y claro. Me acabo de comunicar con el Presidente electo @joseantoniokast para desearle éxito por el bien de Chile.
Jeannette Jara Román (@jeannette_jara) December 14, 2025
A quienes nos apoyaron y fueron convocados por nuestra candidatura, tengan claro que seguiremos trabajando por avanzar en una mejor vida
Tausende Menschen strömten in der Hauptstadt Santiago de Chile auf die Straßen, um Kasts Wahlsieg zu feiern. Sie schwenkten chilenische Flaggen, riefen "Kast, Präsident" und fuhren laut hupend mit ihren Autos durchs Stadtzentrum. Viele Anhänger*innen Kasts skandierten zudem den Namen von Chiles langjährigem Diktator Augusto Pinochet. Kast wird am 11. März 2026 als Nachfolger des linken Staatschefs Gabriel Boric die Regierungsgeschäfte für vier Jahre übernehmen.
Der deutschstämmige Kast, Sohn eines Wehrmachtssoldaten und NSDAP-Mitglieds aus Bayern und Vater von neun Kindern, war am Sonntag als Favorit in die Stichwahl gegangen. Wichtigste Themen im Wahlkampf waren die Bekämpfung krimineller Banden und die Einwanderung. In einer Rede auf seiner Wahlparty kündigte der überzeugte Katholik an, in seinem Land "den Respekt vor dem Gesetz wiederherzustellen". Die Menschen in Chile wollten "frei von Angst" leben.
Für Kast war es bereits der dritte Präsidentschaftswahlkampf. Der Chef der Partido Republicano (Republikanische Partei) warb im Wahlkampf damit, die Kriminalität zu bekämpfen, alle Migrant*innen ohne gültige Papiere abzuschieben und die chilenische Wirtschaft anzukurbeln.
Kast ist Gegner von gleichgeschlechtlichen Ehen
In den meisten sozialpolitischen Themen steht Kast weiter rechts als die Mehrheit der Chilen*innen. Er lehnt Abtreibung, Scheidung und gleichgeschlechtliche Ehen ab. Das Land hatte erst 2022 die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet (queer.de berichtete). Kast hatte stets konservative Familienbilder betont, etwa durch das Fördern "klassischer" Familienmodelle mit staatlichen Vorteilen für heterosexuelle Ehepaare. Offen ist, ob er als Präsident das Verbot gleichgeschlechtlicher Hochzeiten anstrebt. Laut Umfragen würde dieser Schritt nur von einem Fünftel der Bevölkerung unterstützt werden.
Zudem vertritt er die üblichen Positionen von Rechtsextremen, etwa pauschale Kritik an Medien, Nichtregierungsorganisationen und internationalen Menschenrechtsstandards. Er setzt sich etwa dafür ein, Kontrollinstanzen wie Gerichte im Namen von "Ordnung" und "Sicherheit" zu schwächen sowie die exekutive Macht um einen starken Führer zu konzentrieren.
Jara ist zwar Mitglied der Kommunistischen Partei, war aber für ein breites Mitte-links-Bündnis angetreten. Die frühere Arbeits- und Sozialministerin setzte im Wahlkampf ebenfalls auf Sicherheitsfragen und griff damit Themen auf, die üblicherweise die rechten Parteien besetzen.
Rechtester Staatschef seit Pinochet
Mit Kast haben die Chilen*innen nun den am weitesten rechts stehenden Präsidenten seit dem Ende der Militärdiktatur vor 36 Jahren gewählt. Kast, der aus seiner Bewunderung für Pinochet früher nie einen Hehl machte, kündigte am Wahltag an, der "Präsident aller Chilenen" sein zu wollen. Mehrere seiner Geschwister waren wie er Abgeordnete oder Senatoren, ein Bruder diente während der Militärdiktatur von Augusto Pinochet als Präsident der Zentralbank.
Zuletzt hatten Rechte und Konservative in Argentinien, Bolivien, Honduras, El Salvador und Ecuador Wahlsiege eingefahren. Unter den ersten Gratulant*innen waren der rechtspopulistischen argentinische Präsident Javier Milei und US-Außenminister Marco Rubio. Rubio erklärte, die US-Regierung sei zuversichtlich, dass Chile unter Kast "gemeinsame Prioritäten voranbringen" werde, unter anderem "die Stärkung der öffentlichen Sicherheit, die Beendigung der illegalen Einwanderung und die Wiederbelebung unserer Handelsbeziehungen". Auch die AfD-Vizefraktionschefin Beatrix von Storch feierte den Sieg des Rechtsextremen. Auf Facebook schrieb die queerfeindliche Politikerin: "Rechts schlägt links. Wir gewinnen. Überall. Weil es reicht. Zurück zur Vernunft." (AFP/dpa/dk)















