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- 15. Dezember 2025, 15:01h 2 Min.

Dr. Werner Hesse erhält seinen von den Nazis aberkannten Doktortitel 36 Jahre nach seinem Tod zurück (Bild: VNB)
Die Juristische Fakultät der Universität Göttingen hat dem Rechtsanwalt und schwulen Aktivisten Werner Hesse (1906-1989) den während der NS-Zeit entzogenen Doktortitel posthum wieder zurückgegeben. Die Universität hatte Hesse den Doktortitel im Dezember 1937 entzogen, weil er nach dem Anti-Schwulen-Paragrafen 175 verurteilt worden war. Der Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB) hatte den Schritt beantragt.
Zwar wurden bereits 2004 viele nationalsozialistische Depromotionen für nicht erklärt, darunter auch von sechs Personen, denen der Titel aufgrund des Paragrafen 175 aberkannt worden war. Allerdings fehlte damals Hesse in der Liste.
Hesse war 1937 verhaftet und im Oktober des gleichen Jahres wegen eines Vergehens gegen Paragrafen 175 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Seine Strafe verbüßte er zum Teil in einem Konzentrationslager. Nach seiner Entlassung wurden weitere Verfahren gegen ihn eingeleitet, die aber eingestellt wurden. 1940 heiratete er eine Frau, um sich vor weiteren Verdächtigungen zu schützen. Kurz vor Kriegsende bekam er wegen seiner Homosexualität neue Probleme mit dem Regime und wurde auch ins KZ Sachsenhausen überführt, wo er aber bald auf Fürsprache seines Vaters freigelassen wurde.
Hesse kämpfte im demokratischen Berlin gegen Paragraf 175
Gleich nach Kriegsende erhielt Hesse eine Zulassung als Rechtsanwalt in West-Berlin. Hier kämpfte er in Verfahren zur Aufhebung oder Revision der Urteile des NS-Regimes gegen Homosexuelle und verteidigte viele Opfer des Paragrafen 175. Dadurch wurde er in West-Berlin sehr bekannt. Der Paragraf 175 wurde erst 1994, fünf Jahre nach seinem Tod, abgeschafft. Und erst 2002, also 13 Jahre nach Hesses Tod, hob der Bundestag die NS-Urteile nach Paragraf 175 auf.
Hesse hatte sich auf verschiedene Weise engagiert, um diesen Unrechtsparagrafen abzuschaffen. So versuchte er mit anderen Prominenten eine Neugründung des Wissenschaftlich-humanitären Komitees, das 1897 gegründet und dessen Zentrale in Berlin 1933 aufgelöst worden war. (cw)














