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Feministische Transphobie

Rundumschlag: "Emma" macht in neuester Ausgabe Stimmung gegen trans Frauen

Einst hatte sich "Emma" für queere Rechte engagiert. Heute macht das Magazin Stimmung gegen trans Menschen, insbesondere Frauen. Zudem versucht das Magazin, den Schutz von Homosexuellen und anderen queeren Menschen im Grundgesetz zu verhindern.


"Emma"-Gründerin Alice Schwarzer hat ihr Magazin auf einen transfeindlichen Kurs getrimmt (Bild: IMAGO / Bildagentur Monn)

  • 16. Dezember 2025, 14:45h 4 Min.

Das zweimonatlich erscheinende feministische Magazin "Emma" hat das Schwerpunktthema trans Frauen in seiner neuesten Ausgabe – und macht aus der Abneigung gegen geschlechtliche Minderheiten keinen Hehl. Auf der Titelseite werden Bilder von vermeintlichen trans Frauen gezeigt, dazu steht der Text: "Die neuen Frauen – Wie trans Frauen das Gesetz vorführen".


(Bild: Facebook)

Hauptthema des Magazin ist das am 1. November in Kraft getretene Selbstbestimmungsgesetz. "Es ist leider alles so gekommen, wie wir KritikerInnen befürchtet hatten. Allein im ersten Jahr haben bereits ca. 30.000 Menschen in Deutschland den Geschlechtseintrag gewechselt", heißt es in der "Emma"-Einleitung. Dabei wird die angeblich um sich greifende "Trans-Ideologie" beklagt und gefordert, das Gesetz wieder abzuschaffen.

Nicht erwähnt wird hingegen, dass rund ein Dutzend Länder ähnliche Gesetze vor Deutschland beschlossen hatten. Argentinien führte ein derartiges Gesetz bereits 2012 ein, danach folgten viele europäische Länder wie Dänemark oder Spanien – mit wenigen Problemen, die Gesetze haben aber nach Ansicht von Menschenrechtsorganisationen das Leben von trans Menschen erheblich erleichtert. Inzwischen hat sich, wie viele LGBTI-Organisationen beklagen, aber die gesellschaftliche Einstellung gegenüber trans Menschen geändert, insbesondere nach dem Amtsantritt des äußerst transfeindlichen US-Präsidenten Donald Trump. Dieser hat unter anderem geschlechtlichen Minderheiten pauschal untersagt, im Militär zu dienen (queer.de berichtete).

"Emma" behandelt Fall Liebich und J.K. Rowling

Die "Emma" behandelt in ihrer Ausgabe auch den Fall des Rechtsextremen Sven Liebich, der seinen Geschlechtsantrag vor rund einem Jahr ändern ließ (queer.de berichtete). Der verurteilte Straftäter, der einst vor "Transfaschismus" gewarnt hatte, wollte damit offenbar das Gesetz lächerlich machen. Im Bundestag führte die AfD in ihren queerfeindlichen Tiraden Liebich oft als Kronzeugen auf. Verschwiegen wird von der AfD und der "Emma", dass angebliche trans Frauen nicht automatisch in Frauengefängnisse kommen, wie zuletzt ein Fall aus Thüringen zeigte (queer.de berichtete).

Ein weiteres Thema der "Emma" ist die transfeindliche Autorin J.K. Rowling, die für die andere Seite "zum Feindbild in einem entfesselten Kulturkampf" geworden sei. Das Magazin lobte die "Harry Potter"-Autorin als "Bollwerk gegen den Transwahn". Hintergrund ist, dass Rowling sich seit einigen Jahr dafür engagiert, trans Frauen aus der Öffentlichkeit zu drängen. So hatte sie kürzlich zum Boykott einer beliebten britischen Kaufhaus-Kette aufgerufen, weil diese trans Menschen beschäftigt (queer.de berichtete).

Feministisches Magazin gegen Schutz queerer Menschen im Grundgesetz

Aber auch der Schutz der gesamten queeren Community im Grundgesetz lehnt das feministische Magazin inzwischen ab: So spricht sich "Emma" gegen den Schutz aufgrund der sexuellen Identität im Gleichbehandlungs-Artikel 3 des Grundgesetzes aus, in dem derzeit Merkmale wie "Geschlecht" oder "Rasse" geschützt sind. Angeblich könnte dann der sexuelle Missbrauch von Kindern legalisiert werden, argumentieren die Feministinnen.

Auch dieses Argument wird gerne von der AfD verbreitet. So erklärte der AfD-Politiker Ulrich von Zons im Oktober im Bundestag, dass "Pädosexualität und Zoophilie "streng genommen Ausprägungen der sexuellen Identität" seien (queer.de berichtete).

Sachverständige halten dies jedoch für eine Lüge: Pädosexuelle Handlungen sind demnach in Deutschland immer – auch nach einer möglichen Verfassungsänderung – strafbar, da Kinder nicht einwilligungsfähig sind. Das Bundesverfassungsgericht hatte etwa 2008 in einer Entscheidung geschrieben, das Grundrecht auf sexuelle Selbstbestimmung "findet seine Grenze, wo die sexuelle Selbstbestimmung anderer betroffen ist, insbesondere bei Kindern". Das trifft auch auf Sex mit Tieren zu. Auch sind Begriffe wie "sexuelle Orientierung" oder "sexuelle Identität" schon länger durch diverse Gesetzen oder Landesverfassungen etabliert.

"Emma"-Gründerin Alice Schwarzer hatte in den letzten Jahren vermehrt gegen trans Frauen Stimmung gemacht. So warnte sie in einer Talkshow bereits 2022 vor einer "Trans-Welle". Die 83-Jährige vertritt die Auffassung, das trans Sichtbarkeit dazu führe, dass Menschen plötzlich trans werden: "Trans zu sein, ist Mode – und gleichzeitig die größte Provokation. Das macht es für Jugendliche so attraktiv", so Schwarzer 2023 im "Spiegel" (queer.de berichtete).

Vor ein paar Jahrzehnten hatten Konservative in Deutschland noch auf die selbe Art vor der Akzeptanz von Homosexuellen gewarnt. Homosexuelle Sichtbarkeit würde demnach die Jugend dazu verführen, selbst schwul oder lesbisch zu werden, so die Argumentation. Heutzutage ist diese Denkweise etwa in Ungarn oder Russland in sogenannten "Homo-Propaganda"-Gesetzen weiterhin verankert. (cw)

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