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Hasssänger jetzt ganz zurückhaltend

Xavier Naidoo zurück auf Tour – Debatte um Auftritte bleibt

Nach mehreren Jahren Pause gibt Soul-Star Xavier Naidoo wieder ein großes Konzert. Auch wenn die Debatte um seine von Hass, auch Queerfeindlichkeit, erfüllte Vergangenheit nicht abreißt, ist die Halle in Köln voll mit Fans.


Xavier Naidoo ist zurück – und hat angeblich seine homophobe Vergangenheit hinter sich gelassen (Bild: Thommy Mardo)

  • 17. Dezember 2025, 10:07h 4 Min.

Der umstrittene Soul-Sänger Xavier Naidoo ("Dieser Weg") hat in Köln vor Tausenden Zuschauer*­innen sein Konzert-Comeback gegeben. Am Dienstagabend eröffnete der 54-Jährige in der Lanxess-Arena seine Tour unter dem Titel "Bei meiner Seele". Nachdem es nach Homophobie-, Antisemitismus- und Rassismus-Vorwürfen in den vergangenen Jahren stiller um den Musiker geworden war, ist er damit nun wieder voll im Tournee-Geschehen angekommen.

"Wo wart ihr denn die ganzen Jahre?", fragte Naidoo zu Beginn des Abends seine euphorischen Fans. Später rief er: "Wegen Euch bin ich hier!" Seine ersten Lieder waren "Bei meiner Seele" und "Seine Straßen". Nach Angaben der Veranstalter*­innen war das Konzert mit rund 16.000 Tickets ausverkauft – ebenso wie ein zweiter Arena-Auftritt an gleicher Stelle am Mittwochabend. Laut der Konzertagentur Live Nation sind es die ersten Konzerte seit sechs Jahren. Im Januar will Naidoo unter anderem noch in München, Hamburg, Berlin und seiner Heimatstadt Mannheim auftreten.

Umstrittene Aussagen und ein Entschuldigungsvideo

Der Sänger gilt als sehr umstritten, weil er lange Zeit mit rechtsextremen Aussagen von sich reden machte, die er teilweise über seinen Telegram-Kanal verbreitete. Er trat mit sogenannten Reichsbürgern auf, verbreitete Theorien der QAnon-Bewegung und polarisierte mit Äußerungen zur Corona-Pandemie. 2021 entschied ein Gericht, dass er sich als "Antisemit" bezeichnen lassen muss (queer.de berichtete).

Auch mit Homosexuellenhass sorgte Naidoo für Empörung: Bereits 2012 hatte er im Album "Gespaltene Persönlichkeit" einen Song mit Kool Savas zum Thema Kindesmissbrauch veröffentlicht, in dem es neben Gewaltfantasien auch offensichtlich homosexuellenfeindliche Sätze gab – es hieß etwa: "Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?" (queer.de berichtete). Der Sänger behauptete jedoch, dass das Lied nicht schwulenfeindlich gemeint sei.

Nachdem die Debatten sehr zugenommen hatten, überraschte Naidoo 2022 mit einem rund dreiminütigen Video, in dem er sich entschuldigte und von extremen Positionen distanzierte (queer.de berichtete). Er sei von Verschwörungserzählungen "geblendet" gewesen, erklärte er darin. Er habe sich "Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet", von denen er sich aber lossage. Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus seien nicht mit seinen Werten vereinbar – er verurteile sie. Kritiker*innen bemängelten das Statement als zu unkonkret und zu wenig (siehe queer.de-Kommentar).

Am Landgericht Mannheim sind aber weiterhin zwei Verfahren wegen Volksverhetzung gegen Naidoo anhängig. Ob ein Hauptverfahren eröffnet wird, ist noch offen. Das Anwaltsteam des Sängers bestreiten die Vorwürfe und beteuern die Unschuld des Musikers.

Wenig Worte, viele Lieder im Konzert

Geprägt war der mehr als zweistündige Abend von einer Art Best-of seines Kanons – vom frühen Klassiker "Sie sieht mich nicht" über den "Sommermärchen"-Song "Dieser Weg" bis zur gefühlsschweren Trostspender-Ballade "Und wenn ein Lied", die er einst mit der Gruppe Söhne Mannheims eingesungen hatte.

Naidoo – optisch gänzlich unverändert mit Sonnenbrille und Schiebermütze – ließ vor allem die Musik sprechen, Reden war nicht die Hauptdisziplin. Naidoo fasste sich ans Herz und faltete die Hände. Wortmeldungen zwischen den Songs gab es nur sehr dosiert – und wenn, waren sie meist eine Mischung aus Dankesrede und Wiedersehensfeier.

Über die Vergangenheit sprach Naidoo allerhöchstens indirekt – etwa, als er sagte, er habe sich in den vergangenen Jahren sehr um die Familie kümmern dürfen. Als Tausende Fans bei "Wo willst du hin?" mitsangen, sagte er: "Davon habe ich geträumt." Im Überschwang hängte er die erste geplante Zugabe an seine Show direkt dran, ohne die Bühne zu verlassen.

Veranstalter verteidigt Comeback

Darüber, ob man Naidoo vor seinem von Hass bestimmten Hintergrund auftreten lassen sollte, gibt es eine Debatte. "Gerade in einer Zeit zunehmender antisemitischer Vorfälle ist es problematisch, Herrn Naidoo eine Bühne zu bieten", erklärte die Synagogen-Gemeinde Köln am Tag des Konzerts. Es gehe hierbei nicht um die Einschränkung von Kunstfreiheit, "sondern um das klare Bekenntnis zu einer demokratischen Grundhaltung, die Antisemitismus keinen Platz lässt."

Veranstalter Marek Lieberberg, bei dem sich Naidoo öffentlich bedankte, hatte hingegen betont, dass sich der Sänger "zweifelsfrei" distanziert habe. "Sein eindeutiges öffentliches Bekenntnis und die begründete Entschuldigung belegen die Ernsthaftigkeit seiner Selbstkritik. Er hat sich an seine Aussagen gehalten und keinerlei Anlass für Zweifel gegeben", sagte Lieberberg der dpa. Die Konzerte würden Naidoos Songkanon präsentieren und nichts beinhalten, "was zu derartiger Kritik Anlass geben könnte."

Wie komplex die Lage aber bleibt, war am Abend zu erleben. Der ebenfalls nicht unumstrittene Komiker Oliver Pocher postete ein Video von Naidoos Auftritt auf Instagram und schrieb dazu: "Sie haben versucht zu canceln, aber Talent und Können setzt sich immer durch!". User*innen kommentierten das wiederum mit Sätzen wie "Und die ganzen irren Aussagen sind plötzlich vergessen?" (dpa/cw)

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