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Reaktionen zum Tod des Filmemachers

Bundespräsident Steinmeier: "Rosa von Praunheim war unvergleichlich"

Deutschland trauert um den schwulen Filmemacher und Aktivisten Rosa von Praunheim, der mit 83 Jahren gestorben ist. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schreibt seinem Ehemann Oliver Sechting.


Archivbild: Rosa von Praunheim auf der Berlinale 2019 (Bild: IMAGO / snapshot)
  • 18. Dezember 2025, 04:39h 5 Min.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den verstorbenen schwulen Filmemacher und Aktivisten Rosa von Praunheim als einen der "bekanntesten, wirkungsvollsten und engagiertesten Künstler" des Landes gewürdigt. "Die Nachricht vom plötzlichen Tode Rosa von Praunheims hat mich sehr traurig gemacht", schrieb Steinmeier nach Angaben des Bundespräsidialamtes.

Erst vor wenigen Tagen hatte von Praunheim seinen langjährigen Partner geheiratet (queer.de berichtete). Steinmeier kondolierte nun dem Ehemann. "Ich spreche Ihnen und allen Freunden und Angehörigen mein tief empfundenes Beileid aus."

"Ohne sein Werk wäre die Geschichte homosexueller Emanzipation in Deutschland anders verlaufen", schrieb Steinmeier. Viele Menschen hätten Rosa von Praunheim viel zu verdanken, auch wenn sie sein Werk vielleicht nicht einmal kennen. "Rosa von Praunheim war unvergleichlich." Der Filmemacher war im Alter von 83 Jahren gestorben (queer.de berichtete).

Reaktionen aus der Politik

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) würdigte von Praunheim als "Pionier der queeren Filmgeschichte und einen maßgeblichen Wegbereiter der politischen Schwulen- und Lesbenbewegung" im Land. "Sein umfangreiches filmisches Werk wirkt über seinen Tod hinaus und erinnert daran, wie wichtig eine offene und vielfältige Gesellschaft ist."

Hessens schwuler Kulturminister Timon Gremmels (SPD) würdigte von Praunheim in einer Pressemitteilung als "unbeirrbare Stimme" und "einen Pionier des queeren Films". Er habe "provoziert, aufgeklärt und Mut gemacht, dort Haltung zu zeigen, wo Schweigen bequemer gewesen wäre", erklärte Gremmels in Wiesbaden zum Tod des Filmemachers. "Sein Werk war radikal, politisch und zutiefst menschlich, aber auch streitbar."

Werner Graf, Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026, würdigte Rosa von Praunheim gegenüber queer.de als einen "der Giganten, auf dessen Schultern Schwule meiner Generation stehen dürfen. Danke Rosa und Rest in Peace!"

Mit dem Tod des Filmemachers ende "eine Ära, die geprägt war vom Kampf um Akzeptanz, Gleichstellung und gegen staatliche Repression und Verfolgung queerer Menschen", erklärte Oliver Strotzer, Co-Bundesvorsitzender der SPDqueer. "Wir verneigen uns in stiller Trauer vor seinem Lebenswerk und sind dankbar für seinen unermüdlichen Kampf für unsere Community." Rosa von Praunheim habe sich und die Gesellschaft als Aktivist für queere Rechte und queere Sichtbarkeit niemals geschont. "Sein Engagement war immer politisch, immer provokant und oft streitbar."

Reaktionen aus der Kulturszene

Entertainer Riccardo Simonetti postete bei Instagram ein Video von sich und von Praunheim und schrieb dazu: "Ich werde unsere gemeinsamen Begegnungen und Unterhaltungen für immer wertschätzen".

Das Deutsche Theater in Berlin würdigte von Praunheim als "Tausendsassa". "Rosas Wohnung war ein lebendes Atelier; er arbeitete immer und an vielem gleichzeitig. Er war ein unruhiger Geist, der unsere Gegenwart mit Polemik und Neugier, Schärfe und Witz analysierte, dauerbedichtete und dauerbesang", hieß es in einem Nachruf. "Du bist der Beste! Viel Spaß bei Deiner Beerdigung".

Schauspielerin Maren Kroymann ehrte Rosa von Praunheim für seine Errungenschaften für die queere Community. "Unsere Gesellschaft verdankt dir einen Teil der Liberalität, die sie heute hat. Noch. Du hast Großes bewirkt", schrieb Kroymann bei Facebook. Man müsse dafür sorgen, dass es kein Dahinter-Zurück gebe. Rosa von Praunheim sei jahrzehntelang "verlässlich unübersehbar" gewesen, so Kroymann. "Durch deine Filme, deinen Aktivismus, deine enorme Produktivität, deine klare Stellungnahme fürs Sich-Zeigen." Sie betonte: "DANKE Rosa."

Kroymann nahm auch Bezug auf den umstrittenen Auftritt von Praunheim, als er 1991 den Moderator Alfred Biolek und den Komiker Hape Kerkeling im Fernsehen outete. "Dass dieses Outing falsch war, hast du bald begriffen. Aber dieses Falsche hat im Endeffekt auch etwas Positives ausgelöst: nämlich die Erkenntnis, dass wir uns selbst outen müssen." Kroymann selbst hat ihre Homosexualität bereits vor Jahrzehnten öffentlich gemacht.

"Rosa war Künstler, Filmemacher, Aktivist, Freiheitskämpfer, Vater der Schwulenbewegung, Mutter des queeren Aufbruchs, Revolutionär der Liebe", heißt es in einer Stellungnahme von Rosa von Praunheims Wahlfamilie, versandt von der Filmproduktion des Künstlers. "Furchtlos und hingebungsvoll hat er die Welt von ihren tauben Füßen auf den wachen Kopf gestellt. Wir verlieren einen schamlos neugierigen, unendlich einfühlsamen, und grenzenlos liebenden Menschen."

Auch Ehemann Oliver Sechting fand rührende Worte. "Mein Rosa, in unendlicher Liebe und Dankbarkeit nehme ich Abschied von dir", schrieb er in einem Instagram-Beitrag. "Ich werde unsere Liebe immer in mir tragen."

Ex-SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert schrieb unter das Posting: "In großer Dankbarkeit ein letztes Farewell für einen Menschen, der sein Leben genutzt hat, um für so viele andere ein bisschen mehr Freiheit zu erkämpfen. Danke, Rosa. Wie toll, dass es dich gab und dass du uns so viel Bleibendes hinterlassen hast."

Zu weiteren Prominenten, die bei Instagram ihre Anteilahme zeigten, gehören Ralph Morgenstern , der sich bei ihm für "deine unablässige Arbeit für die Menschenrechte" bedankte, oder Bettina Tietjen, die schrieb: "Habe dich sehr geschätzt für alles, was du warst. Angstfrei. Tabulos. Liebevoll. Frech. Klug. Witzig. Unendlich kreativ."

Auch Frankfurt trauert um Rosa von Praunheim. Seinen Künstlernamen fand der Filmemacher in dem gleichnamigen Frankfurter Stadtteil. "Frankfurt verliert eine Persönlichkeit, die unserer Stadt mit ihrem Namen immer verbunden blieb und dessen Wirken weit über ihre Grenzen Bedeutung hatte", teilte Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) mit. (mize/dpa/AFP/spot)

Der Bericht wurde mehrfach ergänzt.

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