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Chiemsee Reggae Summer

Nach Kritik an Hasssänger-Auftritt: Queere Gruppen sollen Infostand aufbauen

Der jamaikanische Musiker Capleton ruft in Songs zum Mord an Schwulen auf – trotzdem darf er beim "Chiemsee Reggae Summer" auftreten. Jetzt reagieren die Veranstalter*innen doch noch auf Kritik – mit einem merkwürdigen Vorschlag.


Archivbild: Capleton 2008 in Spanien (Bild: Santos Diaz / wikipedia)
  • 18. Dezember 2025, 09:52h 3 Min.

Seit Wochen steht fest, dass der jamaikanische Sänger Capleton im kommenden Juni beim "Chiemsee Reggae Summer" auftreten wird. Der 57-jährige Rastafari (bürgerlich: Clifton George Bailey III) steht seit Jahren wegen hasserfüllter Texte in der Kritik (queer.de berichtete). So erklärt in einigen seiner Lieder, dass die Welt von Homosexuellen "gesäubert" werden müsse und benutzt dabei Worte wie "kill" oder "burn".

Auf Nachfragen von queer.de und schockierter Bürger*innen zum fragwürdigen Line-up gab es von den Veranstalter*innen des "Chiemsee Reggae Summer" keine Reaktion. Erst nach Veröffentlichung unseres Berichts vom 14. Dezember meldete sich die Aloha Promotion GmbH & Co. KG mit einer Stellungnahme, in der Geschäftsführer Martin Altmann den Capleton-Auftritt verteidigt.

Festival: Bei Capleton hat ein "change of mind' stattgefunden

Man nehme "jegliche Bedenken gegen die Buchung des Künstlers Capleton sehr ernst", heißt es in der Erklärung. "Gleichzeitig möchten wir aber auch betonen, dass wir uns mit der Thematik bereits vor mehr als 10 Jahren sehr intensiv auseinandergesetzt haben". Schon damals sei man zu dem Ergebnis gekommen, "dass eine Buchung des betroffenen Künstlers verantwortet werden kann".

Bei Capleton habe "erfreulicher Weise ein 'change of mind' stattgefunden", so Altmann. "Wir haben den hier betroffenen Künstler und sein geändertes Verhalten sehr genau beobachtet und sind nun auch noch einmal aktuell zu dem Ergebnis gekommen, dass der Künstler seine vormalige Einstellung zu der hier betroffenen Thematik nachvollziehbar und nachhaltig geändert hat und er sich – nicht zuletzt auch aufgrund der bereits vor mehr als einem Jahrzehnt geäußerten Kritik an seinen Texten und seiner 'Attitüde' – mehr als einsichtig zeigte", heißt es in der Stellungnahme. "Dies beweisen auch die zahlreichen Auftritte des Künstlers im vergangenen Jahrzehnt nicht nur in Europa, sondern auch auf anderen Kontinenten."

Queere Gruppen können Infostand aufbauen

Darüber hinaus verwies der Festival-Veranstalter auf "die unbestritten hohe künstlerische Qualität" Capletons. Als jamaikanischer "Reggae-Botschafter" habe er zur Reputation der dortigen Musikszene, zum Land und dessen Bewohner*innen beigetragen.

Queere Initiativen lud der Geschäftsführer der Aloha Promotion GmbH & Co. KG ausdrücklich zum Festival ein. Bereits 2011 habe der "Chiemsee Reggae Summer" die "Münchner LGPTQ+ [sic] Community eingeladen, einen Info-Stand zur Aufklärung direkt vor Ort auf dem Festivalgelände aufzubauen und die aus unserer Sicht sehr wichtige Informationsarbeit in Bezug auf Toleranz und die Rechte der LGPTQ+ fortzuführen", erklärte Altmann. "Dasselbe würden wir auch für 2026 bei Interesse wieder anbieten."

Capleton hat 2007 zwar den Reggae Compassionate Act unterzeichnet und versprochen, keine homofeindlichen Lieder mehr zu singen. Allerdings gibt es YouTube-Videos von Konzerten in Jamaika, in denen er in Liedern weiterhin zur Ermordung von Schwulen aufruft. (mize)

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