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Karneval

Moskau leitet Verfahren gegen Bildhauer Tilly ein

Mit Darstellungen von Kremlchef Wladimir Putin beim deutschen Karneval versteht die russische Justiz keinen Spaß. Nun macht Moskau dem deutschen Bildhauer Jacques Tilly in Abwesenheit den Prozess.


Archivbild: Mottowagen von Jacques Tilly beim Rosenmontagszug 2024 in Düsseldorf (Bild: IMAGO / Bettina Strenske)
  • 19. Dezember 2025, 04:45h 3 Min.

Die russische Justiz hat ein Strafverfahren gegen den deutschen Bildhauer Jacques Tilly wegen seiner Karnevalswagen mit Abbildungen von Kremlchef Wladimir Putin im Karneval eingeleitet. Wie auf der Seite des Moskauer Gerichts zu lesen ist, muss sich Tilly wegen Verunglimpfung der russischen Armee verantworten. Die "Rheinische Post" hatte zuvor berichtet.

Eingereicht wurde der Fall laut Gericht am 15. Dezember, die erste Anhörung ist am 24. Dezember, 10 Uhr Ortszeit (8 Uhr MEZ), angesetzt. Nach solchen Anschuldigungen sind in Russland schon viele Kriegsgegner*innen der von Putin befohlenen Invasion der Ukraine verurteilt worden. Die Entscheidungen stehen international als Unrechtsurteil der russischen Willkürjustiz in der Kritik.

Jacques Tilly: "Humor tut anscheinend doch weh"

Tilly wird demnach vorgeworfen, Fakes über die russische Armee verbreitet zu haben, weil seine Werke eine Beleidigung für Putin als Oberbefehlshaber in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine seien, berichtete das Portal "Ostoroschno Nowosti". Tilly werde beschuldigt, aus eigennützigen Motiven und aus politischem Hass Falschdarstellungen über die Armee verbreitet zu haben

Er habe durch einen Hinweis von "Freies Russland NRW" von dem Verfahren erfahren, sagte Tilly der Deutschen Presse-Agentur. "Humor tut anscheinend doch weh." Das Verfahren sei lächerlich, denn er habe die russische Armee nie erwähnt, wohl aber umso öfter den Despoten Putin.

"Russland ist ein Mafia-Staat mit einer entsprechenden Gerichtsbarkeit", sagte Tilly. Den Vorwurf der Eigennützigkeit wies er ebenso zurück: "Ich bin ein Idealist. Geld verdiene ich damit nicht." Er werde als Karnevalist auf das Verfahren reagieren: "Kurz vor Rosenmontag ist das ein ungünstiger Zeitpunkt für Demagogen und Despoten. Da ist uns anscheinend ein kapitaler Hirsch vor die Flinte gelaufen."

Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin und NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) reagierte auf der Plattform X: "Satire & Kunst sind keine Verbrechen, sondern Ausdruck von Meinungsfreiheit & demokratischer Kultur. Wer ernsthaft Karnevalswagen kriminalisiert, offenbart vor allem eines: Angst. In freien Gesellschaften wird Widerspruch ausgehalten – autoritäre Systeme bekämpfen ihn."

Reaktion aus der Landespolitik

Jacques Tilly ist ein deutscher Bildhauer und Karnevalswagenbauer, der vor allem für seine bissig-satirischen Mottowagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug bekannt ist. Seit 1984 baut und entwirft er Karnevalswagen, die schon mehrfach weltweit für Aufsehen sorgten. Jedes Jahr werden seine Karnevalswagen daher mit besonderer Spannung erwartet. Bereits mehrfach waren die Mottowagen Wladimir Putin gewidmet. Eines seiner Werke – eine Figur von Putin in Handschellen – brachte der Bildhauer nach Den Haag zum Internationalen Strafgerichtshof.

Eine seiner Arbeiten zeigte Putin in einer ukrainischen Wanne – in Blut badend. Auf einem weiteren bekannten Wagen aus dem Jahr 2022 war Putin zu sehen, wie er sich die Ukraine in den Rachen steckt, mit dem Spruch "Erstick dran!!!". Als Protest gegen die homophobe Allianz von Staat und Kirche in Russland zeigte er 2014 Putin und Russlands Patriarch Kyrill I. bei Zungenkuss und gegenseitiger Masturbation (queer.de berichtete).

Tillys Putin-Darstellungen sorgen regelmäßig für internationale Aufmerksamkeit. Seine Mottowagen werden von Medien aus aller Welt aufgegriffen und erscheinen in den Tagen nach Karneval auf Titelseiten der deutschen und internationalen Presse. Auch CSD-Wagen hat der Künstler schon gebaut (queer.de berichtete). Für seine künstlerische Arbeit wurde Tilly mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. (cw/dpa)

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