https://queer.de/?56262
Verstoß gegen EU-Datenschutz?
Beschwerde in Österreich: Grindr-Daten landen bei TikTok
Datenschützer*innen gehen gegen TikTok und Grindr vor, weil intime Daten der schwulen Dating-App an die chinesische Plattform weitergeleitet werden.

Die Dating-App Grindr ist seit November 2022 auch an der US-Börse (Bild: IMAGO / Levine-Roberts)
- 19. Dezember 2025, 12:39h 3 Min.
Die in Wien ansässige Datenschutzorganisation None of Your Business (noyb) hat am Mittwoch bei der österreichischen Datenschutzbehörde Beschwerden gegen die schwule Dating-App Grindr, die Social-Media-Plattform TikTok und deren Datenpartner AppsFlyer eingereicht. Sie wirft den drei Unternehmen vor, gegen die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union (DSGVO) verstoßen zu haben, indem sie Nutzeraktivitäten appübergreifend ohne Einwilligung verfolgt hätten.
Das chinesische Unternehmen TikTok, so der Vorwurf, trackt bei User*innen die Nutzung anderer Apps. Ein Handy-Nutzer habe durch ein Auskunftsersuchen von dieser unrechtmäßigen Praxis erfahren: Nach wiederholter Nachfrage gab TikTok demnach zu, dass die Plattform wisse, welche Apps der User nutze und was er in diesen Apps getan habe. Dabei seien auch Informationen über die Nutzung in Grindr weitergeleitet worden – laut noyb wurden diese wahrscheinlich vom israelischen Tracking-Unternehmen AppsFlyer weitergeleitet.
Dadurch könnte TikTok Rückschlüsse auf die sexuelle Orientierung und das Sexualleben des Nutzers ziehen, so noyb. Allerdings seien diese Daten laut der 2018 in Kraft getretenen DSGVO besonders geschützt und dürften nur in Ausnahmefällen verarbeitet werden.
"Chinesische App erhält ein umfassendes Bild der Online-Aktivitäten"
"Wie viele US-Plattformen sammelt TikTok zunehmend Daten aus anderen Apps und Quellen", erklärte Noyb-Datenschutzjuristin Kleanthi Sardeli. "Dadurch erhält die chinesische App ein umfassendes Bild der Online-Aktivitäten ihrer Nutzer*innen. Dass in diesem konkreten Fall die sexuelle Orientierung und das Sexualleben eines Nutzer offenbart wurden, ist nur eines der extremeren Beispiele."
Bereits zuvor war bekannt, dass TikTok zahlreiche in der App verfügbare Daten für personalisierte Werbung nutzt. Dass die Plattform aber auf intime Daten aus einer App wie Grindr zugreifen kann, wussten Nutzer*innen bislang nicht. TikTok erklärte bislang nur, die Daten würden für personalisierte Werbung, aber auch für Analysen und zu Sicherheitszwecken gespeichert.
Nutzer*innen, so die Forderung von noyb, sollten grundsätzlich über die Empfänger von persönlichen Daten informiert werden und eine Kopie dieser Daten erhalten. TikTok habe dieses Recht jedoch strukturell verletzt.
TikTok steht bereits seit längerem unter Beobachtung: Die Republik Irland hatte etwa im Frühjahr wegen illegaler Datenübertragung nach China eine Geldstrafe in Höhe von 530 Millionen Euro gegen die Social-Media-Plattform verhängt. Auch das amerikanische Unternehmen Grindr steht wegen Datenschutzverstößen immer wieder in der Kritik: Letztes Jahr verhängt ein Gericht in Oslo etwa eine Geldstrafe von knapp sechs Millionen Euro, weil die Dating-App zwischen 2018 und 2020 nicht an die Zustimmungsregeln für die Weiterleitung von persönlichen Daten in der DSGVO gehalten habe. Diese Regeln gelten auch für das Nicht-EU-Mitglied Norwegen (queer.de berichtete). (dk)














